Sellericher Holperpiste: Ausbessern statt Sanieren
Sellerich · Flicken statt Ausbau: In Sellerich warten die Bürger schon lange darauf, dass die kaputte Ortsdurchfahrt endlich neu gemacht wird und sie einen Bürgersteig bekommt. Doch das wird auch in den nächsten Jahren nicht passieren. Stattdessen versucht die Straßenmeisterei Prüm, die schlimmsten Schäden notdürftig zu beheben.
Sellerich. "Ich hab jetzt wirklich einen dicken Hals", sagt Robert Trierweiler, Ortsbürgermeister von Sellerich. Schon lange setzt er sich dafür ein, dass die Ortsdurchfahrt endlich neu gemacht wird.
Dort reiht sich seit Jahren Schlagloch an Schlagloch, am Rand bröckelt der Asphalt, die Straße löst sich auf. Einen Bürgersteig gibt es nicht und die Rinne aus Pflastersteinen hat auch schon bessere Zeiten gesehen. "Anderswo werden die Milliarden ausgegeben und hier passiert einfach gar nichts", sagt Trierweiler.
Immer wieder werde er von Bürgern und Gemeinderatsmitgliedern auf das Thema angesprochen, aber er könne auch nur auf das Land verweisen, das für die Straße zuständig sei.
In den vergangenen Tagen ist nun endlich etwas an der maroden Straße getan worden - und das bringt den Ortsbürgermeister endgültig auf die Palme. Denn statt einer kompletten Sanierung wurden nur neue Flicken scheinbar willkürlich aufgebracht. "Das ist fast schlimmer als vorher", sagt Trierweiler. "Ich bin wirklich der Letzte, der überall rumstänkert. Aber irgendwann ist es einfach zu viel."
Er fürchtet nun, dass man beim Land glaube, dass damit das Nötigste getan sei und sich auch in den nächsten Jahren nichts Grundlegendes an der Situation verbessere.
Dabei müsse die Ortsdurchfahrt dringend komplett saniert werden. "Als Ortsgemeinde wären wir sofort dabei", sagt Trierweiler. Dann könne beispielsweise endlich ein Bürgersteig entlang der Straße angelegt werden. Bislang müssen Schulkinder, die morgens zur Bushaltestelle an der Mönbachbrücke wollen, auf der Straße gehen.
Zuständig für die Reparaturarbeiten ist die Straßenmeisterei Prüm. "Der Wunsch der Ortsgemeinde nach einer Komplettsanierung ist verständlich", sagt Leiter Karl-Heinz Rach.
Denn die Fahrbahn dort sei durchgängig kaputt. "Das Problem ist, dass die L 17 in Sellerich noch in keinem Investitionsprogramm des Landes enthalten ist", sagt Josef Arens vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Gerolstein (siehe Extra). Das bedeute, dass sie vor 2015 nicht ausgebaut werde.
"Wir versuchen daher, die Situation so gut es geht zu verbessern", sagt Rach. Aber auch die Straßenmeisterei habe nur ein begrenztes Budget zur Verfügung, mit dem man haushalten müsse.
In der Ortsdurchfahrt in Sellerich habe man daher mit einer rund zwei Zentimeter dicken neuen Asphaltschicht versucht, die gröbsten Schäden zu überdecken. Eine dickere Schicht schaffe aber wegen der zahlreichen Einfahrten viele Probleme. Daher seien auch die Ränder vernachlässigt worden. Seit rund fünf Jahren sei man aber dabei, die L 17 zwischen Bleialf und Prüm-Tafel Stück für Stück auszubessern.
Erst kürzlich wurde der Abschnitt zwischen Sellerich und der Sellericherhöhe mit einer neuen, rund vier Zentimeter dicken Asphaltschicht versehen.
Dort auf der Höhe ist aber ein anderes Ärgernis für Trierweiler: die Hubbelpiste in der Kurve vor der Sellericherhöhe.
Zwar habe man dort im Ort die Straße zum Teil neu gemacht, "die Schäden bei der Kurve sind aber immer noch da", sagt Trierweiler.
Bei der Straßenmeisterei ist das Problem bekannt. "Da ist der Untergrund in Bewegung geraten", sagt Rach. Deshalb sei es dort nicht mit einer neuen Asphaltschicht getan, zumal die Straße an dieser Stelle überhaupt keinen Unterbau habe.
Dort müsse sie vielmehr komplett ausgebaut werden. Das solle auch geschehen, allerdings in Zusammenhang mit einem neuen Buswendeplatz, den die Gemeinde dort plane. Voraussichtlich 2012 könne dieses Projekt in Angriff genommen werden.
Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein betreut rund 800 Kilometer Landesstraßen. "Ein gutes Drittel davon, also rund 250 Kilometer, sind in einem schlechten Zustand und müssten eigentlich ausgebaut werden", sagt Josef Arens vom LBM. Das sei natürlich eine Frage der Finanzierung. Daher werden die Straßen regelmäßig abgefahren und nach verschiedenen Kriterien bewertet. Dazu gehören der Zustand, aber auch die Verkehrsbelastung und mögliche Unfälle, die auf den Straßenzustand zurückzuführen sind. Daraus ergebe sich dann eine Prioritätenliste, die man nicht einfach umwerfen könne.