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Sensation im Eifelkreis: Steinbach schlägt Billen bei der Landtagswahl

Sensation im Eifelkreis: Steinbach schlägt Billen bei der Landtagswahl

Umgekehrte Verhältnisse in der Eifel: Im Wahlkreis 21 hat SPD-Mann Nico Steinbach CDU-Dauersieger Michael Billen im Kampf um das Direktmandat für den Landtag geschlagen. Dennoch ziehen beide ins Parlament ein.

Nico Steinbach aus Oberweiler (Verbandsgemeinde Bitburger Land) hat geschafft, was wohl lange Zeit als unmöglich galt: Der 32-Jährige hat als erster SPD-Mann die schwarze Hochburg, als die der Eifelkreis Bitburg-Prüm bislang galt, eingenommen. Mit 37,9 Prozent der Erststimmen hat er Michael Billen, der als altgedienter Direktkandidat der CDU nur 34,6 Prozent der Erststimmen für sich verbuchen konnte, das Direktmandat abgejagt.

Nach 20 Jahren und vier Landtagswahlkämpfen, in denen Landwirtschaftsmeister Billen (60) aus Kaschenbach das Mandat im Eifelkreis holte, muss er es nun an den jungen SPD-Mann abgeben. "Das ist eine Sensation. Damit haben meine Mitbewerber nicht gerechnet", jubelt Steinbach auf der Wahlparty der Kreis-SPD im Gasthaus Geimer in Plütscheid. "Hätte mich heute Mittag noch jemand gefragt, hätte ich gesagt, die Chancen stehen fifty-fifty. Aber in meinem tiefsten Inneren habe ich meine Chance gespürt", sagt Steinbach.

"Ich hatte heute morgen schon so ein schlechtes Gefühl", sagt dagegen CDU-Spitzenkandidat Michael Billen. Auf Landesebene sei das Ergebnis "eine starke Enttäuschung" - vor allem, weil "das Flüchtlingsthema eine neue Partei so weit nach oben spült. Das ging eindeutig zu Lasten der CDU." Und er sehe, dass viele die AfD auch in der Eifel gewählt haben. Die Stimmung in der Brennerei seiner Familie, wo Billen und seine Unterstützer zusammensitzen, sinkt am Abend mit jedem ausgezählten Ort ein bisschen tiefer.

Dennoch: Die Eifel bringt dadurch zwei Abgeordnete nach Mainz, weil Michael Billen mit Platz 18 auf der Landesliste gut positioniert ist. Immerhin bei der Zweitstimme konnte die CDU mit 36,8 Prozent die SPD (36,1) noch so gerade auf den zweiten Platz verweisen. Auf den dritten Platz bei den Erst- und auch Zweitstimmen im Eifelkries schaffte es - aus dem Stand - die Alternative für Deutschland, für die der 66-Jährige Otto Freiherr Hiller von Gärtringen aus Bitburg ins Rennen ging. Mit 7,5 Prozent der Erststimmen reichte es lange nicht für das Direktmandat.

Doch mit neun Prozent der Zweitstimmen hätte der ehmalige Lehrer, der 2014 von der CDU zur AFD wechselte, trotzdem nicht gerechnet: "Mich kannte ja im Wahlkreis niemand. Mit der AFD sitzt im Landtag nun auch wieder eine echte Opposition", sagt Hiller von Gärtringen am Wahlabend. Grund zum Jubel hat auch Jürgen Krämer aus Brandscheid. Der FDP-Kandidat hat zwar das Direktmandat verpasst, freut sich aber über den Wiedereinzug seiner Partei in den Landtag. Im Eifelkreis konnte die FDP 6,2 Prozent der Zweitstimmen für sich verbuchen. "Es ist wichtig, dass wir den Wiedereinzug geschafft und nun wieder einen Ansprechpartner in Mainz haben." Herbe Verluste mussten dagegen die Grünen hinnehmen. Sie brachten es im Wahlkreis gerade noch auf 5,1 Prozent der Zweitstimmen. Direktkandidatin und Ministerin Ulrike Höfken: "Viele Grüne haben SPD gewählt, um Julia Klöckner als Ministerpräsidentin zu verhindern."

Wenig Grund zur Freude hatte auch der Direktkandidat der Linken, Marco Burbach: "2,1 Prozent bei der Zweitstimme ist ein schlechtes Ergebnis, weil ich der Meinung bin, dass wir einen super Wahlkampf geleistet haben." Auch für Henning Wunderlich, Direktkandidat der Freien Wähler (FWG), hat es am Ende nicht gereicht. 4,2 Prozent der Erststimmen holte die FWG im Eifelkreis. Wunderlich: "Viele Mitglieder sehen die Partei nicht im Landtag und haben stattdessen SPD gewählt."Mehr zum Thema

 Michael Billen, WK21, CDU
Michael Billen, WK21, CDU Foto: Redaktion
 Nico Steinbach, WK21, SPD
Nico Steinbach, WK21, SPD Foto: Redaktion
 Da ahnt er es vielleicht schon: Ein gutgelaunter Nico Steinbach (großes Foto, rechts) bei der Stimmabgabe in Oberweiler. Rechtes Bild: Michael Billen knabbert am Wahlergebnis, bleibt aber tapfer. TV-Fotos (2): Fritz-Peter Linden
Da ahnt er es vielleicht schon: Ein gutgelaunter Nico Steinbach (großes Foto, rechts) bei der Stimmabgabe in Oberweiler. Rechtes Bild: Michael Billen knabbert am Wahlergebnis, bleibt aber tapfer. TV-Fotos (2): Fritz-Peter Linden Foto: (e_bit )

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