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Serie „Eefeler Verzellcher“

´TV-Serie „Eefeler Verzellcher“ : Sprechende Tiere und ein Wiegenlied

In der Serie „Eefeler Verzellcher“ erzählt Joachim Schröder von der Überlieferung, dass Tiere am Heiligen Abend reden können. Zudem schreibt er über ein altes Eifeler Wiegenlied.

Die erste Krippe in der Westeifel dürfte im Kloster Niederprüm gestanden haben; denn eine Kirchenrechnung aus dem Jahr 1621 spricht von einer „Christ. Wiegelin“. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erreichte die Krippe alle Pfarrkirchen und die Filialkapellen der Eifel. Es waren anfänglich sehr bescheidene Darstellungen mit einer Figur des Christkindes, Mariens und Josephs, des Ochsens und des Esels. Schafe galten als „Wärmelieferanten“, die das Christkind nebst Familie mit ihrem Atem aufwärmten.

Wer das Vieh in der Heiligen Nacht zum Brunnen führte, konnte eine Fülle von Segen erhoffen. Besonders mit den Pferden eilte man zum Brunnen, um sie vor Krankheiten, vor allem dem Kropfleiden, zu schützen. Wasser wurde geschöpft und gegen „Grind“ (Milchschorf der Kinder) eingenommen.  Die Heilkraft fließender Gewässer gegen Fallsucht wird aus allen Regionen der Eifel bezeugt, wo man nach der „Badekur“ die Kleider wechselte und die abgelegten Schuhe an arme Leute verschenkte.

In Anlehnung an „Ochs und Esel in der Krippe“ gibt der Eifeler Volksglaube den Tieren an „Chresdaach“ einen erhöhten Stellenwert. Die heilige Nacht nimmt den Tieren ihre Stummheit und lässt sie reden. Nach luxemburgischem Erzählgut gilt dies sowohl für die Haus- als auch für die Wildtiere.

 In der Westeifel unterhalten sich die Stalltiere über das Christkind: Der Hahn: „Christus ass jeburren.“ Der Hund: „ Wu, wu, wu?“ Die Ziege: „Zu Bätlähäm.“ Das Huhn: „Jot seij Dank, Jot seij Dank!“

Ein uraltes Wiegenlied zur Weihnacht stammt vermutlich aus der westlichen Eifel, wahrscheinlich aus der „Letschkemper Eck“ (Lützkampen), wie es in einer Quelle heißt. Eine Leise ist ein mittelalterliches deutschsprachiges Kirchenlied, vielmals auch mit Dialekttext.

Der Begriff stammt von Kyrie eleison (griechisch), was „Herr, erbarme dich“ bedeutet. Meistens enden die Strophen entsprechend mit diesem Ruf: Kyrie eleis, Kirleis oder Kyrie eleison.

Leisen entstanden im 10. und 11. Jahrhundert als meist einstrophige kurze Antworten in der Volkssprache auf Gesänge in Messfeiern, insbesondere zu Sequenzen an hohen Festtagen des Kirchenjahres. Auch wurden sie bei Prozessionen gesungen. Leisen sind somit Ausdruck tiefer Volksfrömmigkeit.

Oh, dau, me kle Kand, nu schlof es e Saatz, Wat leist dou su gaanz, op eiiskaaler Plaaz. Kle Kriemelche dau, bas Marei sei Schaatz, nu maach well dei Liechtcher schen zu.

Refrain
Sed ruhisch, dat Kand hät gäre sei’n Ruh. Oh dau, mei leif Kand. Marei bett fir ees. Kyrie eleis.

Oh dau, me kle Kand, wän hät et gedoscht? Schlof fest op dei’m Strieh, gett frostisch dies Noscht. Dei Stäre steht hie, mir dohn op dech oscht. Nu maach well dei Liechtcher schen zu.

Erklärungen: e Saatz: eine Runde; Kriemelchen: Krümmelchen (Kleinkind); Liechtcher: Äuglein.

Die Texte stammen aus dem Buch „Volkskundliche Plaudereien am Kamin - Eefeler Verzellcher“ von Joachim Schröder, dritte Auflage 2020 (Eigenverlag), 320 Seiten, Preis: 15 Euro. Weitere Infos: www.joachim-schroeder.com