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JUSTIZ: Sexueller Missbrauch: Drei Jahre Haft für 41-Jährigen

JUSTIZ : Sexueller Missbrauch: Drei Jahre Haft für 41-Jährigen

Weil er sich an der Tochter seiner Lebensgefährtin vergangen hatte, ist ein  Mann aus dem Raum Bitburg vom Landgericht Trier zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

(f.k.) Der aus Kenia stammenden Angeklagte mit deutscher Staatsangehörigkeit ist gelernter Koch und Amateurboxer. Er lebte zuletzt in einem Ort bei Bitburg bei seiner Freundin. Sie bewohnt dort im elterlichen Mehrfamilienhaus mit ihrer heute 13-jährigen Tochter eine eigene Etage. Nach dem  Ergebnis der  dreitägigen Hauptverhandlung vor der Ersten Großen Jugendschutzkammer hatte sich der  Mann von Anfang 2015 bis Anfang 2019 mehrfach in verschiedener Weise an dem Mädchen sexuell vergangen. Dabei habe er – so der Vorsitzende Richter Günther Köhler – auch das Vertrauen seiner Freundin und Kindesmutter ausgenutzt.

Bedingt durch ihren Schichtdienst sei sie oft längere Zeit außer Haus und habe dem Freund eine Art Vaterrolle übertragen. Als der Mann nach einem Suizidversuch vorübergehend in die Psychiatrie kam, vertraute sich die Tochter der Mutter an. Die wiederum wandte sich an die Polizei, und seit Januar 2019 saß der Angeklagte in Untersuchungshaft. Die Anklage gegen ihn lautete auf teils einfachen und teils schweren Kindesmissbrauch, sexuelle Nötigung und sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Hinzu kam ein vom Amtsgericht Bitburg übernommenes Verfahren wegen Beleidigung von Polizeibeamten und Rettungssanitätern.

Er selbst stritt die Vorwürfe bis zuletzt ab – mit dem Ergebnis, dass die 13-Jährige als Zeugin gehört werden musste, wobei sie als Nebenklägerin von ihrer Anwältin Ruth Streit-Stifano unterstützt wurde. Und da es keine unmittelbaren Tatzeugen gibt, stand bis zuletzt Aussage gegen Aussage. Staatsanwalt Christian Hartwig  sah die Tatvorwürfe nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme als erwiesen an und forderte vier Jahre und vier Monate Haft.

Die Anklage wegen Beleidigung stellte Hartwig ein, weil der Mann zur Tatzeit stark alkoholisiert und vermindert schuldfähig gewesen sei. Verteidiger Michael Angele erkannte in seinem Schlusswort zu viele Widersprüche in den Aussagen der 13-Jährigen und ihrer Mutter. Er beantragte Freispruch aus Mangel an Beiweisen. Das jedoch sah die Kammer anders. In seiner mündlichen Urteilsbegründung legte Vorsitzender Köhler die Herangehensweise des Gerichts dar. Eine zentrale Frage  war dabei  die Glaubwürdigkeit des Mädchens und seiner Aussagen.

Dazu  hob Köhler hervor, dass diese Angaben nicht die Fantasieprodukte des sexuell völlig unerfahrenen Kindes hatten sein können. Die 13-Jährige habe keinen Belastungswillen gezeigt.

Außerdem habe das Mädchen anfangs ein gutes Verhältnis zum Angeklagten gehabt.

Aus welchem Motiv heraus hätte sie ihn plötzlich dermaßen belasten sollen? Dem Angeklagten komme zugute, dass er gewisse Grenzen nie überschritten habe. Ebenfalls sei berücksichtigt worden, dass bei der Betroffenen keine Opferfolgen erkennbar seien.

Der Angeklagte nahm Urteil und Begründung mit ausdrucksloser Miene entgegen und saß starr neben seinem Verteidiger. Ob man Revision einlegt? Verteidiger und Staatsanwalt verzichteten auf Erklärungen.