"Sie dürfen nicht einfach halten und Polizei spielen"

"Sie dürfen nicht einfach halten und Polizei spielen"

Weil sie fünf junge Männer aus der Vulkaneifel auf der Straße von Pelm nach Kirchweiler zum Anhalten gezwungen und einige davon aus dem Auto gezerrt haben, sind zwei Männer vor dem Dauner Amtsgericht wegen Nötigung verurteilt worden - der eine zu einer Geldstrafe, der andere zu drei Monaten Haft auf Bewährung.

Daun/Kirchweiler. Die Urteile, die Richter Hans Schrot Nachmittag gegen einen Luxemburger und einen Gelsenkirchener verhängte, waren eindeutig: Weil der Luxemburger mit seinem Auto zwischen Pelm und Kirchweiler den Fahrer eines anderen Wagens zum Anhalten gezwungen hatte, ist er wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen über jeweils 30 Euro verurteilt worden. Außerdem muss er den Führerschein für einen Monat abgeben.
Einen zweiten Mann, den aus Gelsenkirchen stammenden Beifahrer des Luxemburgers, hat der Richter zu drei Monaten Haft auf Bewährung und 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, weil er einige Insassen des anderen Wagens ins Freie gezerrt hat. Wie es zu dem Vorfall an einem Sonntagnachmittag gekommen ist, bleibt aber auch nach der mehrstündigen Verhandlung vor dem Dauner Amtsgericht unklar.
Offenbar hatten sich die beiden Angeklagten von den Insassen des vor ihnen fahrenden Autos provoziert gefühlt: Fünf junge Männer aus dem Vulkaneifelkreis, die ebenfalls auf der Landesstraße 27 unterwegs waren, hatten an diesem 20. März bei einem Gerolsteiner Schnellrestaurant gegessen (der TV berichtete).
Vieles bleibt unklar


Einer der Insassen hatte, während die beiden Angeklagten hinter dem Wagen der Eifeler herfuhren, eine Papiertüte aus dem Dachfenster geworfen.
Ob diese Tüte das andere Auto getroffen hat, ist auch nach der Beweisaufnahme nicht klar - die Zeugenaussagen und die der Angeklagten gehen in diesem Punkt auseinander. So oder so: "Auch das hat unter Umständen eine eigene strafrechtliche Qualität", sagte Richter Schrot zu dem jungen Mann, der die Tüte aus dem Auto geworfen hatte.
Auch unklar ist, ob einer der Angeklagten den Eifelern damit gedroht hat, sie umzubringen, falls sie ihnen nicht mit dem Wagen folgen würden. Der Gelsenkirchener sagte, er habe lediglich gemeinsam zur Polizei fahren wollen. Die Eifeler, die allesamt als Zeugen auftraten, widersprachen sich teilweise, welcher der Angeklagten sie in welcher Art und Weise bedroht habe. Von einer Hells-Angels-Mitgliedschaft und Drohgebärden mit einem Drehmomentschlüssel ist die Rede.
Ebenso offen ist, ob die Beteiligten des Vorfalls sich gegenseitig durch unflätige Gesten - welcher Art auch immer - beleidigt haben. Auch hier: zum Teil widersprüchliche Aussagen der Zeugen. "Die jungen Männer, die eine Papiertüte aus dem Auto geworfen haben, haben mit Sicherheit keine Belobigung verdient, und das wissen sie auch", sagte Schrot. Dennoch erklärte er, dass die Angeklagten sie nicht hätten ausbremsen dürfen: "Sie dürfen nicht einfach halten und Polizei spielen!"
Das Urteil gegen den Gelsenkirchener ist rechtskräftig. Das gegen den Luxemburger, der das Fahrverbot bekommt, noch nicht: "Sie können heute sonst nicht mehr nach Hause fahren", so Richter Schrot.

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