Sie pusten in eine Richtung

Sie pusten in eine Richtung

Die Verbandsgemeinde Arzfeld hat ihr erweitertes Windkraft-Konzept vorgestellt. Zu den 30 bereits laufenden Anlagen in der Kommune könnten 14 neue kommen, an deren Erträgen alle Ortsgemeinden mitverdienen sollen.

Arzfeld. Konsens statt Gegenwind: In der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld sollen, von Ende 2016 an, im Rahmen der Energiewende bis zu 14 weitere Windräder aufgestellt werden. Wird das Vorhaben genehmigt, könnten sie in gut zwei Jahren Strom für 90 000 Menschen produzieren. Und kräftig Geld bringen.
Nicht nur der VG-Rat steht einstimmig hinter den Plänen: Auch in den 43 Ortsgemeinden scheint sich bisher kein Protestlüftchen zu regen.
Wie hat man das hinbekommen? Zumal alle vorgesehenen Flächen insgesamt 120 privaten Eigentümern gehören? Ganz einfach, sagt Bürgermeister Andreas Kruppert: indem man alle davon profitieren lasse.Laufzeit von 20 Jahren


Denn die VG will sämtliche Flächen pachten. Und nicht nur an die Eigner Geld überweisen: Diese ließen sich davon überzeugen, einen Teil der Einnahmen an die jeweilige Ortsgemeinde abzugeben. Die fünf Windkraft-Gemeinden wiederum zahlen ein Drittel dieses Gelds in einen gemeinsamen Topf, von dem dann auch die anderen 38 etwas haben sollen.
Dazu seien im vergangenen Jahr rund 50 Ortstermine nötig gewesen - in Arzfeld, Großkampenberg, Kesfeld, Lichtenborn und Lünebach. Denn dort liegen die geeigneten Flächen: "Wir haben alle angesprochen", sagt Kruppert, "Eigentümer, Ortsgemeinden - und sie davon überzeugen wollen, dass das wichtig ist, um höchstmögliche Akzeptanz zu bekommen."
Das habe auch geklappt - bis auf eine Handvoll Besitzer zeigten sich alle einverstanden. Konsequenz: Auf deren Grundstücken wird nun eben nichts aufgestellt.

Partner der Kommune ist das Wiesbadener Unternehmen ABO Wind, das ein europaweites Ausschreibungsverfahren für sich entscheiden konnte: Rund 100 Millionen Euro, sagt Pressesprecher Alexander Koffka, werde man in die Anlagen investieren. Betreiben wird sie ABO Wind aber nicht: Das sollen die RheinWerke übernehmen, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Düsseldorf und der Kölner RheinEnergie. Sollte der Vertrag nicht zustande kommen, hat wiederum die VG Arzfeld die Möglichkeit, über einen anderen Betreiber mitzuentscheiden.

Die Verbandsgemeinde kann außerdem selbst bis zu drei der Anlagen kaufen und betreiben. Sollte sie das tun, erhält sie pro Windrad ein Vierzehntel der Einnahmen. Denn auch das ist Teil des Konzepts: Man werde nicht nach Einzel-Anlage abrechnen, sondern alle Erträge gleichmäßig aufteilen.
Die Pachtverträge sollen über 20 Jahre laufen, mit einer Option für weitere zehn Jahre. Kruppert erwartet für die VG "mehrere Millionen Euro" in dieser Zeit.

Aktuell, sagt der Bürgermeister, werden die naturschutzfachlichen Gutachten erstellt. Denn jeder, der durch die VG streife, habe ja bestimmt schon einmal "den Kollegen mit dem roten Schwänzchen" gesehen - den Rotmilan. Nicht der einzige Vogel, der den Planern vielleicht noch einen Federstrich durch die Rechnung machen kann.
Gegen Ende dieses Jahres sollen der Flächennutzungsplan fortgeschrieben, die Träger öffentlicher Belange beteiligt und die Genehmigung für die Anlagen auf dem Weg sein.
Diese will man bis Ende 2016 haben - wer bis dahin seine Windräder genehmigt habe, errichte sie zu klaren Rahmenbedingungen, sagt Kruppert. Denn vom 1. Januar 2017 an gilt die Reform des Gesetzes zu erneuerbaren Energien, in der unter anderem die bisher festgelegte Einspeisevergütung entfällt.
VG und ABO Wind haben eine Internetseite freigeschaltet, auf der man sich über das Vorhaben informieren kann. Die Adresse: www.windenergie-vg-arzfeld.deMeinung

An alles gedacht
Die Verantwortlichen in der Verbandsgemeinde Arzfeld zeigen, wie man das knifflige Thema Windkraft auch angehen kann: mit Plan. Und sie sorgen dafür, dass alle mitverdienen und niemand allzu neidisch aufs Nachbargrundstück schauen muss, weil er leer ausgeht. Es war nicht der einfache Weg, den man da eingeschlagen hat. Aber der richtige. f.linden@volksfreund.deExtra

In der VG Arzfeld sollen nach Angaben von ABO Wind bis zu 14 Anlagen des deutschen Herstellers Vestas aufgestellt werden. Die Nabenhöhe beträgt 137 Meter, die Gesamthöhe an der Rotorenspitze 200 Meter. Die Windräder sollen 131 600 Megawattstunden Strom produzieren und den Ausstoß von 99 Tonnen Kohlendioxid ersparen. Preis pro Windrad: etwa sechs Millionen Euro. fpl