Sieben Jahre für den Spielplatz

Sieben Jahre für den Spielplatz

Beinahe wäre den Krautscheidern ihr Kinderspielplatz abhanden gekommen. Aber in einer gemeinsamen Initiative klappte es dann doch - an anderer Stelle, naturnah und mit vielen selbst gebauten Geräten. Am Sonntag, 6. Juli, wird die neue Anlage eingeweiht.

Krautscheid. Es begann vor sieben Jahren: Damals wünschten sich die Eltern der Krautscheider Kinder einen neuen Spielplatz im Dorf. Die bisherige Anlage war heruntergekommen, teils stellten die Spielgeräte bereits eine Gefahr dar, zudem hatten die Grundstücksbesitzer die Fläche mittlerweile anders verplant.
Also machten sich Eltern und Gemeinde damals auf die Suche nach einem neuen Grundstück - auch das, sagt Verena Gehrke, die als Mutter von Anfang an bei den Planungen dabei war, habe Jahre gedauert. Und als niemand mehr mit einem Erfolg rechnete, "erklärte sich 2011 die Familie Leonardy bereit, ein sehr großes Grundstück für den Spielplatz zur Verfügung zu stellen."
Erste Hürde geschafft - allerdings war da noch die Geldfrage: Spielplätze sind freiwillige Leistungen einer Kommune, keine Pflichtaufgaben, "so dass es der Gemeinde aufgrund der schlechten Haushaltssituation jetzt nicht möglich war, Geld in den Bau des Spielplatzes zu investieren".
Man ging also wieder auf die Suche, diesmal nach Spendern - und hatte das Glück aller Tüchtigen. Vom Enegieversorger bis zu ortsansässigen Firmen, Banken, Vereinen und Privatpersonen kam das dringend gebrauchte Geld.
Kinder und Eltern halfen ebenfalls kräftig mit: Anstatt am Karnevalsdonnerstag Süßigkeiten und Geld für die eigene Spardose zu sammeln, wurde 2012 zum ersten Mal für den Spielplatz geheischt. Alles in allem, schätzt Verena Gehrke, seien durch die Spenden- und Sammelaktionen etwa 10 000 Euro zusammengekommen.
Gleichzeitig arbeitete man am Konzept für die Anlage - unter Arbeitstiteln wie "kindgerecht und naturnah", "weniger ist mehr" und "mit dem arbeiten, was wir vor Ort haben und bekommen".
Wobei streng genommen von "weniger" nicht die Rede sein kann, wenn man betrachtet, was die Krautscheider alles auf die Beine stellten: Los ging es mit Erde, Steinen, Baumstämmen, einer vom alten Spielplatz gebliebenen Rutsche und einer Seilspanngarnitur. Am Ende hatte der Platz unter anderem ein Klettermikado, Balancierbalken, ein Weidentipi, Bänke aus heimischer Eiche, einen Hügel für die vom alten Platz rübergerettete Rutsche, einen Sandkasten mit Einfassung aus Eichenbalken und einem kleinen Dach und eine Feuer- und Grillstelle, für die ein Vater einen passenden Schwenkgrill gestaltete. Dank der Spenden blieb auch noch Geld übrig für eine Vogelnest- und eine Doppelschaukel, eine Wippe, ein Wipptier und Gerüste zum Anbringen der Seilspanngarnitur. Hinzu kommen ein Unterstand und Sonnenschutz und zuletzt eine Buchenhecke, die die fleißigen Ehrenamtler um das Gelände pflanzten.
Bei der Auswahl der Spielgeräte, sagt Verena Gehrke, habe man zudem auf Preis, widerstandsfähiges Holz und klare Formen geachtet. Alle Arbeiten übernahmen, viele Stunden lang, Eltern und Großeltern gemeinsam mit weiteren freiwilligen Helfern und den Kindern selbst.
"Ich freue mich, dass das so entstanden ist. Und finde es sehr wichtig, dass die Eltern die Initiative ergriffen haben. Wenn die dahinterstehen, bin ich sehr zuversichtlich, dass er auch eine Zukunft hat", sagt Ortsbürgermeister Oswald Keschtges. Und es sei auch kein Spielplatz "aus dem Katalog", sondern einer, auf dem es richtig kreativ zugehen könne.
Die Krautscheider sind stolz auf ihren neuen Platz - und feiern deshalb die Eröffnung am Sonntag, 6. Juli, von 14 Uhr an. Um 15 Uhr ist die Einsegnung, danach gibt es ein großes Programm mit dem Musikverein Ringhuscheid, Kinderschminken, dem Wettbewerb um den Titel des Spielplatzchampions und vieles mehr. fpl