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Skelettfunde in Bitburg: Brutale Verletzungen

Skelettfunde in Bitburg: Brutale Verletzungen

Gräber aus dem vierten bis sechsten Jahrhundert nach Christus, die bei Ausgrabungen auf dem ehemaligen Brauereigelände entdeckt wurden, geben weiterhin Rätsel auf. Die meisten der dort beigesetzten Menschen sind eines gewaltsamen Todes gestorben.

Bitburg. Dass der Bitburger Stadtrat sehr lange über die Notwendigkeit und die Kosten einer neuen Stadthalle diskutiert hat, ist kein Geheimnis. Und dass es bei diesen Diskussionen oft ziemlich zur Sache ging, ebenso. Doch verglichen mit dem, was den Menschen widerfahren sein muss, deren Knochen im Vorfeld des Hallenbaus bei den dafür notwendigen Erdarbeiten zum Vorschein kamen, war jede dieser Stadtratssitzungen ein harmonisches Kaffeekränzchen.
"Die Besonderheit dieses Gräberfelds ist, dass sehr viele Verletzungsspuren festgestellt wurden", sagt Christian Meyer vom Institut für Anthropologie an der Johannes Gutenberg Universität Mainz, der im Sitzungssaal des Rathauses die Ergebnisse der Untersuchungen vorstellt.
So erfahren die 90 interessierten Zuhörer beispielsweise, dass der Mann in Grab 29 drei schwere Kopfverletzungen hatte, von denen mindestens eine der Grund für dessen Tod war. Der Mann in Grab zwölf hatte nur eine erkennbare Verletzung, doch auch diese hat allem Anschein nach ausgereicht, sein Leben zu beenden. Ein anderer hat sogar zehn Verletzungen am ganzen Körper. Dass auch er einen gewaltsamen Tod gefunden hat, daran gibt es keinen Zweifel.
Und doch sind "Verletzungen wie die in Grab 15 ein Glücksfall", wie der Anthropologe erklärt. Zwar nicht für den Betroffenen, dafür aber für die Wissenschaft. Denn der Schädel, der in diesem Grab gefunden wurde, zeigt ganz deutlich, dass der Mann durch einen Schwerthieb getötet worden sein muss.
Insgesamt wurden in den Gräbern auf dem ehemaligen Brauereigelände nachweislich die Überreste von 15 Männern, sieben Frauen und elf Kindern gefunden.
Sie alle haben vermutlich zwischen dem vierten und sechsten Jahrhundert nach Christus gelebt. Aufschlüsse über das Geschlecht und Alter der dort Beigesetzten hat zum einen die Größe der Knochen gegeben (so ist beispielsweise der Kopf eines Mannes größer und anders geformt als der einer Frau), aber auch der Abrieb der Zähne: Je älter ein Mensch, desto abgenutzter sein Gebiss.
In der Regel sei es bei Knochenfunden so, dass man bei 95 Prozent nicht sagen könne, woran die Menschen gestorben sind, erklärt Meyer, da der Tod meistens organische Ursachen habe, von diesen Organen aber im Gegensatz zu den Knochen nichts übrig bleibe.
Was die in Bitburg gefundenen Gebeine betrifft, so zeigen sie, dass - vor allem - die Männer überwiegend durch Einwirkung von Gewalt gestorben sind. Der Grad dieser "premortalen Verletzungen" sei in Bitburg um ein Vielfaches höher als an anderen Fundstätten, sagt der Wissenschaftler. Warum das so ist, könne er allerdings nicht erklären. uhe