So funktioniert Politik

Ein stahlblauer Himmel über Berlin an diesem Samstagnachmittag. Vivien Schmitz aus Niederehe betritt gemeinsam mit 313 anderen Jugendlichen aus ganz Deutschland ihren Arbeitsplatz für die nächsten vier Tage: den Deutschen Bundestag. Das große Planspiel "Jugend und Parlament" hat begonnen.

Berlin/Niederehe. (me) Vier Tage lang schlüpften die Teilnehmer des Planspiels "Jugend und Parlament" in die Rolle fiktiver Abgeordneter einer der fünf Regierungsparteien.

Deren Meinung müssen sie vertreten - unabhängig von ihrer eigenen politischen Überzeugung. Auch wenn die Parteien andere Namen tragen als in der Realität, entsprechen sie denen in Regierung und Opposition. Hier regiert die Christliche Volkspartei (CVP) mit der Liberalen Reformpartei (LRP).

Vivien heißt ab jetzt Elisabeth Vulkaneifel und engagiert sich in der LRP. Sie ist nun 40 statt 16 Jahre alt, Elektromechanikerin, verheiratet und hat zwei Kinder - eine ungewohnte Rolle.

In einem Landtagsseminar in Mainz hat sie schon einmal ein Planspiel erlebt und wollte danach eigentlich ein Praktikum bei "ihrem" Abgeordneten Patrick Schnieder machen. Der schlug ihr die Teilnahme bei "Jugend und Parlament" vor - die Einladung war gleichzeitig mit ihrer Anfrage auf seinem Schreibtisch gelandet.

Nun sitzt sie abwechselnd in Landesgruppen- und Fraktionssitzungen, Arbeitsgruppen und Ausschüssen. Dort diskutieren sich die Nachwuchspolitiker die Köpfe heiß über Themen wie die Zukunft der Rente, mehr direkte Demokratie, ein Alkoholverbot für Jugendliche oder die Vollendung der Deutschen Einheit. Von morgens neun bis spät in die Nacht. Schließlich muss am Ende zu jedem der vier Punkte ein Gesetzesvorschlag angenommen oder abgelehnt werden.

Eine so spannende wie anstrengende Zeit, aber Vivien ist begeistert. "Diese Art, Politik zu machen, ist klasse - die ganzen Diskussionen, die Streitkultur, die Kontakte, das macht mir Spaß", sagt die Zehntklässlerin.

Sie sieht sich selbst zwar eher bei der CDU als bei der FDP. Aber obwohl sie hier nicht ihre eigene Meinung vertreten kann, findet sie es gut, sich mit den Standpunkten der FDP auseinandersetzen zu müssen. "Das ist immerhin die aktuelle Koalitionspartei. Es ist wichtig, auch deren Argumente zu kennen, um konstruktiv zu diskutieren."

Für sie waren die Tage Motivation weiterzumachen. Erst mal in der Kommunalpolitik, dann vielleicht auch auf Landesebene, und wer weiß, was dann noch kommt. "Ich bin ja noch jung", sagt sie. Im Bundestag kennt sie sich jetzt jedenfalls aus.