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So kommt die Musik in Bitburgs Glockenspiel

Ein Stick, ein Steuergerät und kostenloses Liedgut : So kommt die Musik in Bitburgs Glockenspiel

Wir haben schon oft über das Glockenspiel in der Fußgängerzone berichtet. Doch noch immer sind nicht alle Geheimnisse gelöst. Wie kommt zum Beispiel die Musik in den Turm?

Es ist genau 15.03 Uhr. Wer in der Fußgängerzone wohnt oder arbeitet, weiß, was jetzt geschieht: Die Klappen am Glockenturm öffnen sich langsam und geben den Blick auf einen Brauer, Schreiner, Bäcker, Fleischer, Schlosser und Zimmermann frei, die zu einem traditionellen Lied ihre Runde drehen. Und das heute nicht zum letzten Mal. Denn das Glockenspiel präsentiert sieben Mal am Tag seine größten Hits – außer an stillen Feiertagen, da bleiben auch die 18 Bronzeglocken stumm.

Die Lieder werden den Jahreszeiten angepasst und teilweise im zwei-Monatsrhythmus gewechselt. So spielen also im Januar und Februar Lieder wie „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ oder „Horch was kommt von draußen rein“. Im Juni und Juli können sich Besucher in einem Umkreis von 500 Metern an „Tulpen aus Amsterdam“ erfreuen, im Dezember spielt das Glockenspiel „Lasst uns froh und munter sein“. Nur der Mai hat sein eigenes Programm. Vermutlich, weil „Der Mai ist gekommen“ im März nicht die gleiche Wirkung hätte.

Klaus Becker, ehemaliger Vorsitzender des Gewerbevereins Bitburg, hat das Projekt initiiert: Zwischen 1996 und 1997 wird der Bitburger Glockenturm gebaut und aus privaten Spenden und öffentlichen Mitteln finanziert. Die Einweihung des neun Meter hohen Turms ist am 14. März 1997.

Insgesamt sechs Tonfiguren, allesamt Bildnisse von Bitburger Handwerkern, tanzen und drehen sich um den Turm. Erstellt wurden sie von dem Bitburger Künstler Roger Delleré. Dann ist es eine Zeitlang still: Von 2015 bis 2017 wird das Glockenspiel saniert und geht im September 2017 wieder in die Vollen – musikalisch sowie technisch, denn auch die Uhr war zwischenzeitlich stehen geblieben und ist repariert worden.

Doch wie kommt die Musik nun in den Turm? „In dem grauen Stromkasten neben dem Glockenspiel gibt es ein Steuergerät“, verrät Werner Krämer, Pressesprecher der Stadtverwaltung.  Der funktioniert wie ein Computer und wird mit den Dateien der gewünschten Musik gespeist. „Die Noten werden an die Fachfirma Perrot in Calw geschickt, die programmieren das in eine Datei und schicken sie uns als E-Mail zurück.“

Diese Datei werde dann auf einen Stick gezogen und vor Ort ins Steuergerät gesteckt. So wird das gewünschte Programm übertragen und letztendlich von den Glocken gespielt. Die Lieder sind jedoch seit vielen Jahren gleich und schon 1996 gemeinschaftlich von vom Gewerbeverein und der Stadt festgelegt worden. Gibt es also Überlegungen, andere Stücke zu spielen?

„Zurzeit nicht“, sagt Krämer. Zwar gab es schon die ein oder andere Idee, besondere Lieder zu besonderen Anlässen zu spielen, doch durch die Auflagen der Gema sei das ein problematisches Unterfangen. Zwei Kriterien erfüllen jedoch alle Lieder: Sie sind traditionell und gemafrei. „Sonst wird es zu teuer.“