So langsam wird ein Stück draus

So langsam wird ein Stück draus

Auf dem Papier sitzt die Sache schon: Im November berichtete der TV über das neue Bühnenwerk des früheren Prümer Musiklehrers Christopher Meux. Jetzt haben die Proben begonnen - und der TV schaute dabei zu.

Es ist zum Haareraufen - aber nicht aus Verzweiflung: Die Geste gehört bei Regisseur Florian Burg einfach dazu, der an diesem ersten Probensamstag das Ensemble mit mindestens so viel Körpereinsatz anleitet, wie dabei von den Akteuren verlangt wird.

Messerich, alte Schule: Wir erleben die ersten Schritte auf dem Weg zur Aufführung von "Der Wind auf der Heide", dem neuen musikalischen Bühnenwerk von Christopher Meux (der TV berichtete). In Messerich proben die Beteiligten auch deshalb, weil etliche Sänger von dort kommen, aus dem Chor Cantado.

Die Stimmung? Bestens, auch wenn bis zur Bühnenreife der, wie Meux sie nennt, "Musical-Oper" noch viel Arbeit vor allen Beteiligten liegt. "Der Wind auf der Heide" ist das dritte große Werk des 70-Jährigen, nach den Musicals über den Prümer Zeughaussturm (2009) und die Mission der Trinitarier im Erzbistum Luxemburg ("Gesprengte Ketten", 2012).

Jetzt erlebt der Komponist mit, wie sich sein neues Stück im Zusammenspiel der Akteure mit Leben füllt. "Das für mich Faszinierende ist: Da kommen Sachen raus, die ich nicht berücksichtigt hatte. Ich stelle schon fest, dass das Ganze sehr auf ein Gemeinschaftsereignis hinausläuft." Überraschungen inklusive, denen er aber gern ihren Lauf lasse: "Es ist, wie wenn das eigene Kind groß wird. Es macht Sachen, die man nicht erwartet hat. Das ist aufregend und interessant."
Gestern Rock, heute Oper


Auch für Barbara Spoo, die eine der Hauptrollen (siehe Extra) übernommen hat. Die Sängerin ist auf vielen Bühnen in und außerhalb der Region und in nahezu allen Stilen zu Hause: "Gestern hab' ich noch mit den Roxxbusters geprobt", erzählt sie mit einem Lachen.

Meux habe sie schon früh auf die Rolle der Cassie angesprochen und sie auf sie zugeschnitten - eine Figur, die ihr sehr zusage: Kess, frech und wild, die lasse sich nichts vorschreiben. "Und am Ende brennt sie durch."

Das Stück findet sie "toll - und anspruchsvoll". Gesanglich sei das eine Herausforderung, der sie sich aber gerne stellt, zumal sie die Kombination mit Schauspiel und Tanz sehr anspreche: "Das ist voll mein Ding. Und meine heimliche Leidenschaft."

Die spürt man auch beim Regisseur, der bereits die beiden vorigen Meux-Musicals inszenierte und dessen Arbeit sehr schätzt: "Wenn ich nicht von Chris' musikalischen Fähigkeiten überzeugt wäre", sagt Florian Burg, "hätte ich nicht angestrebt, mit ihm ein drittes Projekt zu machen."

Tatsächlich gab Burg sogar den Anstoß dafür, kurz nachdem das Trinitarier-Werk über die Bühne gegangen war: "Im Grunde hab' ich Chris angestiftet, sich doch mal um dieses Thema zu kümmern."

Denn es geht in "Der Wind auf der Heide" um die englischen Gypsies, fahrende Völker mit eigener Kultur, ähnlich der Sinti und Roma auf dem Kontinent. Meux, selbst Brite, habe sich von Burgs Anregung inspiriert gefühlt, recherchiert und dann die Entscheidung getroffen, das Stück auf der Insel spielen zu lassen. "Was ich begrüße", sagt Florian Burg, "denn hier ist das doch ein sehr klischeebehaftetes Thema." Durch den Schauplatz England, zumal von einem Briten behandelt, "können wir hier ein bisschen unbefangener damit umgehen."

Auch auf der musikalischen Ebene sage ihm "Der Wind auf der Heide" sehr zu, sagt Florian Burg: "Am besten gefallen mir die balladen-artigen Nummern, in denen die Legenden, die zur erzählten Gypsy-Kultur gehören, in die Geschichte eingewoben wurden."

Interviewpause vorbei, die Probe geht weiter, wir stehlen uns davon. Im Juli ist Premiere in Prüm, danach reist das fahrende musikalische Volk weiter nach Luxemburg und Bitburg (siehe Extra rechts). Der TV wird vorher noch einmal darüber berichten, wie es um die Messericher Gypsies steht.Extra

"Der Wind auf der Heide" befasst sich auf der übergeordneten Ebene mit Geschichte, Kultur und Mythen der englischen Gypsies, auch Romani genannt. Die Hauptfigur ist der Clan-Chef Jasper Petulengro, gespielt von Nico Wouterse. Jaspers Tochter Cassie (Barbara Spoo) verliebt sich in Ben, der nicht dem Gypsy-Volk angehört, darf ihn aber nicht heiraten. Die Ehe scheitert, Cassie verlässt ihre Familie, Jaspers Frau Dorabella (Danièle Patz) stirbt, der Clan zerfällt. Jaspers Enkelkind, so heißt es in der Zusammenfassung, "wird in ein Lager gebracht, seine Frau stirbt; das Echo des Holocausts ist unüberhörbar".Extra

Foto: (e_pruem )
Foto: (e_pruem )
Foto: (e_pruem )

Bislang sind neun Aufführungen geplant und terminiert: Die Premiere ist am Freitag, 1. Juli, 19 Uhr, in der Karolingerhalle Prüm, weitere Aufführungen dort folgen am Samstag, 2. Juli, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 3. Juli um 17 Uhr. Dann zieht die Aufführung weiter nach Luxemburg, ins Amphitheater Berdorf. Termine: Freitag, 26. August (19 Uhr), Samstag, 27. August (19 Uhr), Sonntag, 28. August (17 Uhr). In der Stadthalle Bitburg wird das Stück ebenfalls drei Mal aufgeführt: am Freitag, 16. September (19.30 Uhr), am Samstag, 17. September (19.30 Uhr), und am Sonntag, 18. September um 17 Uhr. Die einzelnen Verkaufsstellen, darunter Ticket regional, werden noch bekanntgegeben. Alles weitere unter www.neues-musiktheater.de

Mehr von Volksfreund