FILM: So oft ausgemistet, bis es passt

FILM : So oft ausgemistet, bis es passt

Filmstudenten aus Berlin und Karlsruhe haben mit Laiendarstellern aus Schönecken und Oberweiler Szenen für einen semidokumentarischen Kurzfilm gedreht.

Ernst und sein Neffe Adam stehen im Stall und schaufeln Mist in ihre Schubkarren. Sie unterhalten beziehungsweise streiten sich, bis die Schubkarre des einen voll ist. Wenig später schaufeln beide ihre Schubkarren wieder leer, um mit der gleichen Prozedur und der gleichen Unterhaltung wieder von vorne zu beginnen. „Der Dialog hat mir schon sehr gut gefallen, aber ich möchte, dass ihr während eurer Unterhaltung noch etwas mehr arbeitet“, sagt Aart Steinmann zu den beiden Männern. Mehr arbeiten also. Dabei sieht Ernst so aus, als sei er bereits am Ende seiner Kräfte: Seine Stirn glitzert im Licht der spärlichen Stallbeleuchtung und auf seinem T-Shirt bewegen sich die Grenzen gewaltiger Schweißflecken aufeinander zu.

Letzteres liegt allerdings nicht an der Arbeit oder den Temperaturen im Stall, sondern an der Regieassistentin. Jedes Mal, bevor die Szene aufgenommen wird, sprüht sie Ernst eine Mischung aus Wasser und Glycerin auf das Gesicht und unter die Arme.

Das Gemisch eignet sich hervorragend zur Nachbildung von Schweiß, weil Glycerin nicht so schnell verdunstet. Und während Ernst, der im wahren Leben Johannes Arenth heißt, erneut ein paar Pumpstöße aus der Sprühflasche über sich ergehen lässt, gibt Regisseur und Drehbuchautor Steinmann letzte Anweisungen. Dann wird die Szene ein weiteres Mal gedreht.

„Wir haben die Geschichte etwas umgeschrieben und den Gegebenheiten vor Ort angepasst“, sagt Till Gombert. Der Filmstudent der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ist für die Produktion des Films zuständig. Er und Steinmann haben gemeinsam in Karlsruhe studiert, bevor Steinmann zur weiteren Ausbildung an die Deutsche Film- und Fernsehakademie in Berlin wechselte. Entsprechend gemischt ist deshalb auch das insgesamt fast zehnköpfige Filmteam, das sich ebenfalls aus Filmstudenten aus Berlin und Karlsruhe zusammensetzt.

Gedreht wird ein Kurzfilm, der sich mit dem Generationenkonflikt einer bäuerlichen Hofübergabe befasst. Und weil es sich dabei um einen semi-dokumentarischen Kurzfilm handelt, haben Gombert und Steinmann in der Eifel gezielt nach einem Bauernhof mit den dazu passenden Darstellern gesucht (der TV berichtete). Dazu haben die beiden Filmstudenten dann auch mehrere Theatervereine des Eifelkreises kontaktiert. Bei der Theatergruppe Burgenzauber in Schönecken fiel diese Anfrage schließlich auf fruchtbaren Boden.

„Ich hatte bis 2012 selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb, der inzwischen aber verpachtet ist“, sagt Johannes Arenth, der Mitglied der Schönecker Theatergruppe ist und zum Kurzfilm nicht nur den Hof als Drehort, sondern auch noch die Hauptrolle beisteuert. „Ich habe in der Zeit einiges gelernt, wie zum Beispiel, dass man sich als Schauspieler etwas zurückhalten muss“, sagt Arenth nach Abschluss des gut einwöchigen Drehs. Beim Theaterspielen sei er es gewohnt, viel zu gestikulieren, was ihm der Filmregisseur dann während der Dreharbeiten erst Mal abgewöhnen musste, erklärt der ehemalige Landwirt lachend.

Zudem hätten ihn die Professionalität des Filmteams, deren Ausstattung und der enorme Aufwand beeindruckt. „Es ist ja nur ein Kurzfilm, für den aber sieben bis acht Stunden Material gedreht wurden“, sagt der Schönecker. Er hatte viel Spaß, ist aber froh, sich nach Abschluss der Dreharbeiten dann endlich wieder richtig ausruhen zu dürfen.

Außer Arenth haben auch noch drei weitere Laienschauspieler bei dem Dreh mitgewirkt: Stefan Hermes, ebenfalls Mitglied der Theatergruppe Burgenzauber, der in dem Film den Neffen Adam spielt, die ebenfalls aus Schönecken stammende Anja Görres-Biewald in der Rolle der Schwester Klara sowie Martin Steinbach aus Oberweiler. Er ist Mitglied der Theatergruppe Biersdorf und übernimmt im Film die Rolle eines Landmaschinenmechanikers.

Die Dreharbeiten sind abgeschlossen, nun folgt die eigentliche Herausforderung. „Der Film entsteht letztlich erst im Schnitt“, erklärt Produzent Gombert. „Wir werden also zunächst das ganze Filmmaterial sichten und müssen es dann auf zehn bis 15 Minuten komprimieren“, so Gombert.

Geplant sei, den Film im kommenden Jahr bei einem Kurzfilmfestival einzureichen. Und im Idealfall werde er dann auch prämiert.

Gedreht wurde der Film überwiegend auf dem Hof von Arenth. Drehort der Stallszene ist allerdings nicht Schönecken, sondern der Nachbarort Hersdorf. Das hat besser gepasst. Zudem wurde auch am Drehbuch während der Dreharbeiten viel verändert und der Film um eine Besonderheit erweitert, die ihn letztlich authentischer macht: Die Darsteller reden nämlich alle platt. Damit sie später auch von den Besuchern des Kurzfilmfestivals verstanden werden, erhält der Film einen (hoch-) deutschen Untertitel.

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