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So sieht die Arbeitswelt 4.0. in der Eifel aus

AUSBILDUNG : Die Eifel stellt sich den Herausforderungen

Zwischen Digitalisierung und Fachkräftemangel: Ausbildungs-Experten des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft sehen gute Chancen für Eifelkreis.

Von Björn Pazen

BITBURG Automatisierung, Digitalisierung, Home office, neue Berufsfelder und Berufe, die es so nicht mehr lange geben wird - so sieht die Arbeitswelt anno 2022 aus. Aber wie gut ist der Eifelkreis Bitburg-Prüm auf diese Änderungen und Herausforderungen vorbereitet, speziell, was die Ausbildung junger Menschen betrifft? Damit haben sich über 60 Teilnehmer auf Einladung des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft Bitburg unter dem Motto „Sind wir bereit für die Zukunft der Arbeit?“ in der Mensa des St-Willibrord-Gymnasiums befasst. Nach zwei Jahren ohne Treffen war dies ein gelungener Neustart, organisiert von den Arbeitskreisleitern Carina Kesse (Willibrord-Gymnasium) und Christian Ahlring (Volksbank Eifel).

Und wie sich an vielen Beispielen zeigte: die Eifel ist bereit - auch wenn viele Arbeiten künftig zu einem großen Prozentsatz digital ersetzt werden können, zum Beispiel 88 Prozent der heutigen Tätigkeiten eines Bankkaufmanns. Besser sieht es für Lehrerinnen und Lehrer aus, deren Job sicher ist, weil auch künftig nur elf Prozent der Arbeiten digital ersetzt werden können, wie das Portal Futuromat berechnete.

In ihrem Impulsvortrag zeichnete Dr. Anne Otte vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ein aktuell sehr positives Bild vom Eifelkreis: Quasi Vollbeschäftigung, auch in Coronazeiten, aber auch 22,5 Prozent aller Arbeitnehmer über 55 Jahren, was bedeutet, wenn diese Menschen in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen, wird der heute schon spürbare Fachkräftemangel noch größer. „Vor allem der Bedarf an Experten und Spezialisten wird wachsen, denn in der künftigen Arbeitswelt fallen viele Helfertätigkeiten weg“, sagte Otte, denn: „70 Prozent aller Berufe sind stark von Digitalisierung betroffen, vor allem die in der Eifel sehr beliebten Berufe in der Fertigung.“ Ein Teil dieses Fachkräftemangels wird somit durch die Arbeitswelt 4.0. kompensiert werden, einige Berufe werden wegfallen und durch neue ersetzt, sagt Otte: „Der Bedarf für anspruchsvolle Tätigkeiten wird steigen, und auch die überfachlichen Kompetenzen werden immer wichtiger.“

Aber sind die Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe auf diesen Wandel vorbereitet? Die Theobald-Simon-Berufsschule sieht sich gerüstet: „Wir sind angesichts unserer Ausstattung und digitalen Lehrmittel der Indikator für die zukünftige Ausbildung“, sagt Schulleiter Ralf Loskill: „Wir sind sehr flexibel und haben technisch in den vergangenen Jahren eine klaren Schub nach vorne gemacht.“ Als Beispiel nannte Loskill die früher sehr kleinen Berufsschulklassen für Fahrradmechaniker in Bitburg: Dank der trendigen E-Bikes hat sich das Bild komplett gewandelt.

Auch Sarah Pauls-Schuh vom Willibrord-Gymnasiums, sieht ihre Schule auf dem richtigen Weg: „Wir bieten bilingualen Unterricht und MINT-Klassen mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften und Technik ab der fünften Klasse an, dann folgen Kompetenzanalysen und zwei Berufspraktika, um den Schülern das Thema Ausbildung näherzubringen.“ Ein besonderes Beispiel für die Verzahnung mit einheimischen Unternehmen sei der Exzellenzkurs für Oberstufenschüler, mit zahlreichen Betriebsbesichtigungen.

Auch wenn ihr Beruf künftig ganz anders aussehen wird, sieht Ilona Hargarten, Privatkundenleiterin bei der Volksbank Eifel, die Zukunft für Banker optimistisch: „Auch wenn der persönliche Kontakt in Corona-Zeiten fehlte, konnten wir mit unserer Beratungskompetenz punkten, das kann keine künstliche Intelligenz ersetzen. Mit der Einführung von Video-Beratungen haben wir den Schritt in Richtung Digitalisierung schon früh eingeschlagen. Unsere Kundenberater mussten sich natürlich erst an die neuen Kommunikationswege gewöhnen.“

Einer, der schon ganz früh auf Zukunftstechnologien und Digitalisierung gesetzt hat, ist Herbert Zahnen, Geschäftsführer des global players Zahnen Technik (Spezialist für Abwassertechnik) aus Arzfeld. „Das Wichtigste ist das strategische Vorgehen. Den Mitarbeiter, den ich heute einstelle, brauche ich in fünf Jahren. Wenn man so denkt und seine Mitarbeiter immer mitnimmt, ist man auch erfolgreich.“ Zahnen Technik ist auch dank Digitalisierung auf ständigem Wachstumskurs, und setzt gezielt auf die Ausbildung - auch wenn er seine jungen Mitarbeiter mittlerweile nicht nur in der Eifel rekrutieren kann, aber: „Natürlich ist es in der Eifel anders als in Ballungsgebieten, aber hier sind die Mitarbeiter dem Unternehmen enger und länger verbunden.“

Alle Beteiligten waren sich einig, dass gerade in der neuen Arbeitswelt junge Menschen mehr Verantwortung vom Chef erhalten müssten, auch um die Sozialkompetenzen zu entwickeln. Und: die Zusammenarbeit von Schulen mit Betrieben muss noch intensiviert werden, um den Einstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern. Das sieht auch Benedikt Schoperdoth so - der Duale Student der Bitburger Braugruppe repräsentierte die junge Generation in der Diskussion. Nach einer Ausbildung bei Bitburger hing er ein Studium dran, wird künftig in der Marketingabteilung der Brauerei arbeiten. „In der Berufsschule wurden wir noch nicht auf die Digitalisierung vorbereitet, aber an der Hochschule wurde nur noch digital gearbeitet. Ich denke, die Schulen haben noch Luft nach oben, aber auch als Unternehmen muss ich mich engagieren, um für die Azubis interessant zu sein.“