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So viel ist schon mal klar: "Es gibt nicht Nichts"

So viel ist schon mal klar: "Es gibt nicht Nichts"

Zwei aufeinander geschraubte Flaschen mit roter Flüssigkeit und 17 faszinierte Teilnehmerinnen aus den Kitas, die fleißig drehen und schütteln: Dieses Bild hat sich beim Fachtag "Sprache und MINT. Wer forscht, der fragt, wer fragt, der forscht" für pädagogische Fach- und Lehrkräfte geboten. Was es wohl damit auf sich hat?

Bitburg-Masholder. Die "Stiftung Zukunft- Familie Simon" unterstützt den Fachtag, der vom Netzwerk "Kleine Forscher Rheinland-Pfalz" mit der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" als Träger veranstaltet wird. In den Räumen des DRK in Masholder sind viele pädagogische Fach-und Lehrkräfte aus den Kitas der Region. Norman Stricker vom "Haus der kleinen Forscher" erklärt, warum es die Stiftung gibt: "Wir möchten den Fachkräften die Angst vor Themen nehmen, vor denen sie selbst Vorbehalte haben, wie zum Beispiel Mathe. Vor allem wollen wir zeigen, dass im Alltag das Schulwissen meistens gar nicht von Nöten ist - die Neugierde zählt. Die Lehrkräfte sollen mit den Kindern zusammen Antworten entwickeln, statt diese vorweg zu nehmen."
Mut zum Lernen


Veronika Meiwald vom Deutschen Bundesverband für Logopädie arbeitet seit sieben Jahren eng mit dem Haus der kleinen Forscher zusammen und untersucht mit den Teilnehmerinnen, welche Auswirkungen Blickkontakt und verschiedene Frageformen auf ein Gespräch haben. "Es ist wichtig, dass wir Kindern den Raum geben, sich sprachlich zu entwickeln. Das können wir durch unser Verhalten begünstigen, indem wir eine sprachfördernde Haltung einnehmen", erklärt sie. Wie das in der Praxis funktionieren soll, zeigt Stephan Gühmann an einem Beispiel. Er gibt den Lehr-und Fachkräften die Flaschen mit der Flüssigkeit und teilt sie in Gruppen auf. Die Aufgabenstellung: Sie sollen Fragen überlegen, die sie als Lernbegleitung den Kindern stellen würden und überlegen, welchen Alltagsbezug der Versuch hat.
Die Teilnehmerinnen beobachten den Versuchsaufbau: Mal läuft das Wasser von einer in die andere Flasche, mal bleibt es in der oberen Flasche. Mal stürzt es nach unten, mal fließt es ganz langsam. Brigitte Wanken-Leibisch von der zertifizierten Kindertagesstätte Lasel überlegt: "Dazu würde mir jetzt vorerst kein Alltagsbezug einfallen. Ich bin gespannt, was es damit auf sich hat." Gühmann klärt auf: "Hier geht es um ein ganz einfaches Prinzip: Es gibt nicht Nichts! Wenn Flüssigkeit nach unten läuft, nimmt die Luft ihren Raum ein. Durch den Oberflächendruck läuft es teilweise schwer ab. Wäre das Loch im Durchlauf größer, würde es schneller laufen. Das kann man den Kindern schön erklären - wenn zum Beispiel das Wasser im Waschbecken oder der Badewanne abläuft: es läuft ja nicht einfach so weg, es tauscht sich mit der Luft aus." Der Aha-Effekt im Raum ist spürbar. "Wir wissen ja auch nicht alles, aber man muss einfach Mut haben und mit den Kindern etwas lernen", sagt Wanken-Leibisch. "Das Forschen ist so wichtig und auch ein gutes Mittel zur Integration - ein Regenwurm ist auch in anderen Ländern ein Regenwurm. Wenn die Kinder sich darüber austauschen, kommen sie ins Gespräch."
Wie der Fachtag den Teilnehmerinnen gefallen hat? Sie habe viele neue Impulse bekommen und der Fachtag sei ganz nah an der Praxis, sagt Helma Olinger von der Kita Bitburg. Wanken-Leibisch ergänzt: "Ein wirklich guter und gelungener Tag!" sast