So viel Kunst muss sein: Zum 75. Geburtstag von Michael Dietzsch lädt die Stadt ins Haus Beda ein

So viel Kunst muss sein: Zum 75. Geburtstag von Michael Dietzsch lädt die Stadt ins Haus Beda ein

Was wäre Bitburg ohne Haus Beda? Und was wäre Haus Beda ohne Michael Dietzsch? Nun, die Stadt wie auch die Kulturstätte wären wohl ein gutes Stück ärmer. Der Kunstliebhaber, der gestern seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, bringt mit seinen Ausstellungen Farbe in Bitburgs gute Stube. Dort gibt die Stadt heute ihm zu Ehren einen Empfang.

Haus Beda gehört zu Bitburg wie das Bier. Bier und Kunst bilden in diesem Haus eine unzertrennliche Einheit. Den Grundstein für die 1976 eröffnete Kulturstätte hat der damalige Brauerei-Chef Hanns Simon mit seiner Stiftung gelegt, die er mit Geschäftsanteilen an der Brauerei ausgestattet hat. So finanziert die Stiftung, an deren Spitze seit 20 Jahren Michael Dietzsch steht, den Betrieb von Haus Beda allein aus den Erträgen dieser Anteile.Wie Picasso nach Bitburg kam


Wenn heute beim offiziellen Empfang, zu dem Bürgermeister Joachim Kandels geladen hat, mit einem frischen Pils auf den 75. Geburtstag des Stiftungs-Vorsitzenden angestoßen wird, ist das so betrachtet auch ein Beitrag zur Kulturförderung. Die Stadt nimmt den Geburtstag zum Anlass, den Verdienst des Mannes zu würdigen, der es geschafft hat, Haus Beda weit über die Eifel hinaus bekannt zu machen.

Zu den Ausstellungen, die Michael Dietzsch zusammen mit seinem Team in der neuen Galerie auf die Beine stellt, reisen Kunstliebhaber aus der ganzen Region, Luxemburg und Nordrhein-Westfalen an. Ob Picasso oder Beuys, Nolde oder Matisse: Dietzsch bringt sie alle nach Bitburg. Für ihn gehört Kunst so selbstverständlich zum Leben wie ein gutes Bier.

Seine Leidenschaft für Malerei kennzeichnet längst unverkennbar das insgesamt mehr als 70 Veranstaltungen zählende Jahresprogramm von Haus Beda. Dietzsch wollte das Haus für moderne Kunst öffnen - und hat mit dem Bau der neuen Galerie für 250 000 Euro dafür eine Plattform geschaffen. Eine Investition, die sich lohnt. 2000 Besucher und teils noch mehr zieht es in die hochkarätigen Ausstellungen.

Erst am Sonntag standen die Gäste bei der Vernissage der aktuellen Schau von Beuys-Schüler Fernand Roda dicht an dicht. Mittendrin: Michael Dietzsch, der es genießt, wenn der Funke überspringt. "Wenn man nach dem Beruf etwas für die Gemeinschaft tun kann, und das auf einem Gebiet, was einem liegt, zusammen mit so einem fantastischen Team, dann ist das einfach erfüllend", sagt der langjährige Brauerei-Chef. In Anspielung auf sein Alter ergänzt er schmunzelnd: "Ich sitze hier zwar im Museum, aber so lange ich das noch mitveranstalten kann, will ich mich nicht beklagen."

Der Mann, der der Bitburger Brauerei als Marketing-Experte mit Slogans wie "Ein Besonderes unter den Besten" zu weltweitem Erfolg verhalf, hat definitiv auch Haus Beda zu etwas Besonderem gemacht. Stifter Hanns Simon wünschte sich einst, dass dort Menschen zusammenkommen, "die an geistiger Weiterentwicklung und schöpferischem Tun interessiert sind. Menschen, die durch die Begegnung mit Kunst und Musik Freude und Entspannung finden".

Dass dieser Gedanke Jahr für Jahr in Haus Beda mit Leben gefüllt wird, ist ein Verdienst von Michael Dietzsch. Er führt das Haus ganz im Sinne des Erfinders - mit einer sehr persönlichen, unverkennbaren Handschrift. Frei nach dem Motto: "Ein Leben ohne Kunst ist möglich, aber sinnlos."Extra

Michael Dietzsch, Vorsitzender des Stiftungsrats der 1968 gegründeten Dr. Hanns Simon Stiftung, die das Haus Beda betreibt: Was macht für Sie die Faszination Kunst aus? Dietzsch: Das ist was fürs Auge. Ich bin ein Augenmensch. Für mich muss Kunst nicht immer schön sein. Es geht um die individuelle Verarbeitung von Eindrücken. Kunst kann auch anklagend, verstörend, aufrüttelnd und politisch sein. Kunst öffnet den Blick und damit auch den Geist. Das setzt voraus, dass man sich selbst öffnet, seine Sinne schult und sich darauf einlässt. Was sind es für Bilder, die Sie beeindrucken? Dietzsch: Jene von Matisse und Monet zum Beispiel. Diese beiden Maler hatten den Mut, sich von der verstaubten Ateliermalerei zu lösen und sind raus in die Natur gegangen. Die Darstellung des Lichts, das Spiel mit dem Licht - das fasziniert mich. Das war damals neu und sehr mutig. Gibt es ein Bild, das Sie mit auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würden? Dietzsch: Alle meine Familienbilder. Familie ist mir sehr wichtig. scho

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