So will das Rote Kreuz das Birburger Flüchtlingsheim managen

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv (Januar 2020) : So will das Rote Kreuz das Bitburger Flüchtlingsheim managen

Noch ist die Ausschreibung nicht raus, aber das DRK Bitburg-Prüm plant, sich für die Trägerschaft der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende, die zum Juli in Bitburg eröffnen soll, zu bewerben.

Sie haben bereits Erfahrung, und sie haben gute Erfahrungen gemacht – vor allem auch mit den Flüchtlingen, die auf ihre Hilfe angewiesen waren und noch heute sind. Menschen, die um die halbe Welt mit ein paar Habseligkeiten ihr Glück in Europa suchen.

„Für manche ist die AfA das vierte oder fünfte Lager, in das sie kommen. Einige waren zuvor schon in Flüchtlingscamps, sind von Schleppern hierher gebracht worden“, sagt Irmgard Mminele, Leiterin des Bereichs Flucht, Migration und Integration beim Deutschen Roten Kreuz im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Sie war damals auch mit dabei, als das Rote Kreuz in Bitburg 2015 eine improvisierte Außenstelle der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) Trier aufgebaut hat.

Die Bitburger Außenstelle wurde, angefangen mit einer improvisierten Zeltstadt, Stück für Stück bis zum Abschied der vorerst letzten Flüchtlinge im Frühjahr 2018 ausgebaut. Am Ende hatte das Land die Flüchtlinge in den Gebäuden 111 und 112 auf dem Flugplatz untergebracht. Und genau dort soll nun auch wieder Platz geschaffen werden. Dieses Mal in einer AfA, die auf Dauer angelegt ist.

Das Leben in der Einrichtung will das Rote Kreuz mitgestalten. „Wir planen, uns um die Trägerschaft für den Sozialdienst und die medizinische Betreuung zu bewerben, also für unsere klassischen Bereiche“, sagt Rainer Hoffmann, Geschäftsführer des DRK. Die Leitung der Einrichtung läge dann bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier.

Noch seien die Ausschreibungsunterlagen nicht raus. Hoffmann rechnet Ende Februar, Anfang März damit: „Derzeit liegt das zur Abstimmung im Ministerium.“ Und so lange kommt das DRK auch mit seiner Bewerbung nicht voran. „Wir können ja erst mit der Personalakquise beginnen, wenn wir den Zuschlag haben“, sagt Hoffmann. Außerdem sei auch wichtig zu wissen, für welchen Zeitraum der Sozialdienst angeboten werden soll – von montags bis freitags oder auch am Wochenende? Davon und von der Frage, wie viele Stunden pro Tag abgedeckt werden sollen, hänge ja die genaue Zahl der benötigten Fachkräfte ab.

Gebraucht werden unter anderem Krankenschwestern, Notfallsanitäter, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen. 15 bis 20 Fachkräfte. „Wir haben bereits einige Initiativbewerbungen“, sagt Hoffmann. Was ihn freut, auch wenn er es nicht erwartet habe. Auch von den Ehrenamtlichen, die damals mit dabei waren, hätten einige wieder ihre Unterstützung zugesagt. Hoffmann sorgt sich nicht, genug qualifizierte Leute zu finden. Da sorgt ihn schon eher, dass bis Juli nur wenig Zeit bleibt, wenn erst im Mai feststehe, wer den Zuschlag bekommt. 

Platz soll die Bitburger Einrichtung für bis zu 600 Flüchtlinge bieten. Menschen, die in Deutschland weder arbeiten noch lernen dürfen. „Ohne Aufenthaltsgenehmigung ist das verboten“, sagt Mminele. Umso wichtiger sei es, wieder viele Ehrenamtliche zu gewinnen, die Sprachkurse anbieten, mit den Flüchtlingen nähen oder basteln, Fahrräder reparieren oder mit den Kindern spielen.

„Es wird eine andere AfA als die, die wir 2015 hier aufgebaut haben“, sagt Hoffmann. Er gehe davon aus, mit „einer anderen Klientel“ zu arbeiten. Seine Kollegin Mminele betreut solche Menschen bereits heute in der Asylverfahrensberatung des DRK: „Das sind die Ungewollten. Die, die von einem Land zum nächsten geschoben werden, die keiner haben will und die dann in Deutschland merken: Hier ist für mich nach einer langen, beschwerlichen Flucht Endstation.“

Mit dieser Erkenntnis und der Hoffnungslosigkeit müssten die Asylbewerber erst mal klarkommen. „Und das vor dem Hintergrund von allem, was sie während ihrer Flucht auf sich genommen haben“, sagt Mminele. 2015 habe man in der Übergangs-AfA „mit ganz viel Hoffnung“ gearbeitet. Sowohl was die Flüchtlinge wie auch was die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen angeht. Das sähe nun anders aus. „Die merken, dass sie ungewollt sind, dass hier ihr Traum von einem besseren Leben platzt, damit müssen die auch erst mal fertig werden.“

Eben deshalb sei die soziale und psychologische Betreuung so wichtig, die Beratung und die Gespräche. „Diese Menschen werden bis zu zwei Jahre in der AfA leben. Wir müssen uns darum bemühen, sie zu integrieren, ihnen Perspektiven aufzuzeigen, sie zu stützen, auch wenn sie wieder abgeschoben werden“, sagt Mminele.

Die Menschen, die Mminele in der Asylverfahrensberatung berät, kommen beispielsweise aus Somalia, Eritrea, viele Frauen aus Nigeria. Rund 240 solcher Verfahrensberatungen macht sie pro Jahr. „Dahinter stehen rund 500, 600 Menschen. Viele haben ja Familie.“

Auch in der Bitburger AfA werden nicht nur alleinstehende junge Männer erwartet, die für manche ja zum Sinnbild der Bedrohung geworden sind. „Gerade weil wir wegen der zwei Gebäude auf dem Flugplatz über geeignete Räume verfügen, sollen auch viele Familien hierher“, sagt Hoffmann. Ob die Menschen bleiben dürfen oder abgeschoben werden, macht für Hoffmann da, wo es um Hilfe geht, keinen Unterschied: „Diese Menschen sind in einer Notsituation und es gehört als Rotes Kreuz zu unseren ureigenen Aufgaben, solchen Menschen zu helfen.“ Für das Rote Kreuz geht es um Menschlichkeit und Würde, unabhängig von einer Aufenthaltsgenehmigung.

Was die Sorge angeht, dass Bitburg mit der AfA unsicherer werde, sagt Hoffmann: „Man muss die Bedenken ernst nehmen. In dieser Einrichtung werden Menschen leben, die Betreuung brauchen. Aber jenseits dieser professionellen Begleitung sollten wir sie auch einbinden in unsere Gesellschaft, in unser Stadtleben.“ Seine Kollegin Mminele sagt, dass sie sich noch nie von einem der Flüchtlinge bedroht gefühlt habe: „Auch nicht von den jungen Männern. Im Gegenteil. Die sind wie alle anderen auch sehr, sehr dankbar für jedes freundliche Wort.“