Soldaten retten Hab und Gut

Soldaten retten Hab und Gut

Es war gegen Ende September 1944, als ich aus dem Lazarett in die Eifel nach Hause zu einem längeren Urlaub fuhr. Weihnachten würde ich diesmal wieder mit den Eltern verleben können, die damals in der Neuen Kolonie in Jünkerath wohnten. Der Aufmarsch zur Ardennenoffensive war in vollem Gange, doch ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was da los war.Wir richteten wir uns auf den bevorstehenden Heiligen Abend ein. Ein geschmückter Weihnachtsbaum stand im Wohnzimmer, und eben wollten wir es uns richtig gemütlich machen, als es an die verschlossenen Fensterläden klopfte.Ich öffnete die Haustür. Vor mir standen zwei Landser mit Gepäck und baten um Quartier. Im Laufe des Nachmittags hatte eine Kolonne in unserer Straße Halt gemacht. Von den beiden erfuhr ich, dass ein Teil in einer Scheune in der Nähe untergebracht war. Da eine kalte Nacht zu erwarten war, bat ich die beiden ins Haus, zumal aus früheren Einquartierungen noch zwei Betten im Wohnzimmer standen.Nachdem sich die Landser frisch gemacht hatten, nahmen sie auf dem Sofa Platz. Einer der beiden bat darum, auch noch ihren dritten Kameraden aufzunehmen. Für ihn wurde das Sofa reserviert.Ich ging in besagte Scheune und war nach kurzer Zeit in Begleitung eines weiteren Soldaten zurück. Wir setzten uns alle an einen Tisch, um besinnlich den Heiligen Abend zu feiern. Eine Flasche Cognac konnte ich noch beisteuern, und es wurde spät, ehe wir uns zur Ruhe legten.Der erste Weihnachtstag brach an, wolkenlos und klar, für die feindlichen Flieger wie geschaffen. Die Eltern brachen zur nahe gelegenen Escher Mühle auf, mich zog es zur Jagdhütte, wo ich den Tag abwarten wollte.Die Hütte war aber schon von anderen Einwohnern aufgesucht worden, als am Nachmittag die Kunde aufkam: Die Neue Kolonie steht in Flammen. So schnell mich die Beine trugen, eilte ich heimwärts und bemerkte schon von weitem, dass unser Haus brannte. Am Brandort angekommen, sah ich einen Feuerwehrmann, der sich mühte, mit einem Schlauch die noch stehenden Teile unter Wasser zu halten. Auf meine Frage, wer die Möbel zum Teil gerettet und in den Hof gestellt habe, gab er zur Antwort, das seien drei Soldaten gewesen, die während des Angriffs im Keller gewesen seien. Ich wollte mich bei den dreien bedanken, doch die Kolonne war zwischenzeitlich Richtung Front abgerückt. Von den drei Wohltätern habe ich nie wieder etwas in Erfahrung bringen können. TV-Leser Herbert Hardt ist 80 Jahre alt. Er wurde in Pronsfeld geboren. Seit 1930 wohnt er in Jünkerath.

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