1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Sonnenverwöhnt und unabhängig

Sonnenverwöhnt und unabhängig

Das erste Solarheizkraftwerk (SHKW) Deutschlands entsteht in der Eifel. Es ist ein Beispiel für die gemeinsame und umweltfreundliche Wärmeversorgung, die sich das "Netzwerk Nahwärme und Energiemix" für die ganze Region vorstellt.

Roth an der Our. Sie haben eine Vision: Die Eifel soll nicht länger von Energie-Importen aus anderen Regionen oder Ländern abhängig sein. Stattdessen möchten die Mitglieder des "Netzwerks Nahwärme und Energiemix" erreichen, dass die einzelnen Gemeinden sich selbstständig mit Strom und Wärme versorgen und dazu erneuerbare Energien verwenden. Was sie sich für die ganze Region vorstellen, wird in Roth an der Our (Verbandsgemeinde Neuerburg) derzeit Wirklichkeit. Denn dort realisiert das luxemburgische Unternehmen "Innovat" das fünfeinhalb Hektar große Neubaugebiet "Brodschrank", in dem für die Wärmeversorgung rein rechnerisch kein Gramm des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) entsteht.

Wie das funktionieren soll, erläutert der "Innovat"-Geschäftsführer Ewald Schares dem "Netzwerk Nahwärme und Energiemix" bei einer Begehung vor Ort. "Man muss mal was tun", bringt er seine Motivation auf den Punkt und präsentiert der Gruppe die Baustelle des ersten SHKWs in Deutschland. Es soll über ein Nahwärmenetz die 47 Häuser im Baugebiet beheizen und bedient sich dazu vor allem der Energie der Sonne. Sie wird auf dem Dach des Kraftwerks sogenannte Vakuum-Röhrenkollektoren auf Temperatur bringen und gleichzeitig sicherstellen, dass die zusätzlich montierten Fotovoltaik-Anlagen jährlich rund 40 000 Kilowattstunden Strom produzieren.

Während die Röhrenkollektoren das Wasser für die Nahwärme über Wärmetauscher direkt erhitzen, wird die elektrische Energie überwiegend benötigt, um zwei Wärmepumpen zu betreiben, die die Wassertemperatur bei Bedarf zusätzlich erhöhen.

Sonne sorgt für klimaschonende Mobilität



Obschon das SHKW als Herzstück des CO2-neutralen Baugebiets gilt, findet die Sonnenkraft auch an anderer Stelle Verwendung. So erfolgt die Straßenbeleuchtung ebenfalls mit Hilfe von Sonnenenergie, indem die Laternen tagsüber ihre Akkus für die dunklen Stunden aufladen. Zudem können die Häuslebauer auf ihren Dächern Photovoltaik-Anlagen montieren lassen und damit nach Berechnungen von "Innovat" im Normalfall weit mehr Strom produzieren, als sie im eigenen Haushalt verbrauchen.

Wie sich mit Hilfe der Sonnenkraft klimaschonende Mobilität umsetzen lässt, will das Luxemburger Unternehmen im nächsten Schritt zeigen. Elektroautos sollen mit Sonnenenergie aufgeladen werden und von den Bewohnern des Baugebiets "Brodschrank" gemeinschaftlich genutzt werden. Gerade wenn es um elektrische Energie geht, erfolgt die CO2-freie Produktion allerdings eher rechnerisch. Denn der Strom wird zunächst ins Stromnetz eingespeist und dann bei Bedarf wieder entnommen.

Extra Das "Netzwerk Nahwärme und Energiemix" ist ein Zusammenschluss von Fachleuten, der auf Initiative des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Hendrik Hering beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel angesiedelt wurde. Er soll Konzepte entwickeln, wie sich Energie nachhaltig vor Ort erzeugen und nutzen lässt. Neben dem Baugebiet in Roth an der Our wurde den Mitgliedern des Netzwerks bei ihrer jüngsten Sitzung auch die energetische Sanierung der Grundschule Körperich sowie weitere Klimaschutz-Projekte in der Verbandsgemeinde Neuerburg vorgestellt. Das Netzwerk möchte in den kommenden Monaten Vorträge ausarbeiten, die den Mitgliedern kommunaler Gremien das Basiswissen über die Nutzung erneuerbarer Energien wie Sonne, Holz oder Biogas vermitteln sollen. (jk)