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Sorge im Eifelkreis vor steigenden Corona-Infektionen nach den Ferien

Corona-Rückblick – Juli im Eifelkreis : „Diese Pandemie bekommen wir nur global in den Griff“

Sie befürchtet steigende Infektionszahlen nach der Urlaubssaison und hält Corona noch lange nicht für überstanden: Das sagt Gesundheitsamtsleiterin Virginie Ruvet im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie baut nun auf eine hohe Impfbereitschaft – und ein weiter besonnenes Verhalten der Eifeler.

(de) Die Pandemie ist noch nicht überstanden. Und: Nach der Urlaubssaison könnten auch im Eifelkreis die Corona-Infektionen wieder steigen. Das sagt Dr. Virginie Ruvet, kommissarische Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises Bitburg-Prüm, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Hätten Sie damit gerechnet, dass die Corona-Zahlen im Juli dauerhaft so niedrig bleiben?

Dr. Virginie Ruvet: Bereits im vergangenen Jahr waren die Fallzahlen im Monat Juli eher niedrig. Aufgrund der zunehmenden Impfquote und der auch bei den neuen Varianten niedrigeren Infektiosität im Freien hatten wir es erhofft.

Hat das Hochwasser und das dadurch stärkere räumliche Zusammenrücken in Gemeindehäusern nach Räumaktionen einen erkennbaren Einfluss auf die Corona-Fallzahlen?

Ruvet: Bislang nicht. Das Hochwasserereignis liegt nun vier Wochen zurück. Die Fallzahlen steigen langsam, jedoch parallel zu den bundesweiten Zahlen.

Gehen Sie davon aus, dass im Eifelkreis die Impfquote vor einem neuen größeren Corona-Ausbruch schützt?

Ruvet: Eine Lücke der Impfungen besteht bei Kindern, da es für die noch keinen Impfstoff gibt, sowie Jugendlichen und jungen Erwachsenen, wo das Interesse an einer Impfung noch zu gering ist. Insofern sind hier weitere Ausbrüche zu erwarten.

Aufgrund der schlechteren Immunantwort bei geimpften älteren Menschen kann es auch hier zu Ausbrüchen kommen. Durch die Impfungen wird dies jedoch, so hoffen wir, zu weniger schweren Verläufen führen.

Wird der Eifelkreis bis September eine Impfquote von 70 Prozent erreichen? Das wurde ja Anfang des Jahres mal als Ziel angepeilt...

Ruvet: Wir liegen derzeit mit den Erst- und Zweitimpfungen bei etwa 70 000 Impfungen zu 100 000 Einwohnern. Das ist noch zu wenig, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Wir können nur stetig an alle Bürger appellieren, sich zum Wohle der eigenen Gesundheit und der Gesundheit Anderer impfen zu lassen.

Lassen viele Eltern aus dem Eifelkreis ihre Kinder impfen?

Ruvet: Zu bisher geimpften Kindern liegen uns derzeit keine belastbaren Daten vor. Die meisten Eltern wenden sich an ihre Kinderärzte und nur wenige an das Landesimpfzentrum.

Ist Corona aus Ihrer Sicht überstanden?

Ruvet: Nein. Solange wir die Pandemie nicht global in den Griff bekommen, wird auch bei guten Fortschritten in Deutschland und Europa die Corona-Pandemie noch weiter andauern.

Befürchten Sie, dass die Zahlen nach der Urlaubssaison wieder steigen?

Ruvet: Ja, das ist zu befürchten.

Müssen wir uns sorgen, dass das Virus Mutanten entwickelt, die auch Geimpfte angreifen?

Ruvet: An Spekulationen zu möglichen neuen Mutationen und deren Auswirkungen möchten wir uns nicht beteiligen.

Kommt die Dritt-Impfung?

Ruvet: Die Dritt-Impfung ist bereits durch die Bundesregierung und die Gesundheitsminister besprochen. Vulnerable Gruppen wird eine dritte Impfung zeitnah zur Verfügung stehen. Studien werden in Zukunft zeigen wie lange genau der Impfschutz anhält.

Was ist Ihre Hoffnung im Zusammenhang mit der Pandemie?

Ruvet: Ich würde mir wünschen, dass wir mehr über den Tellerrand hinausschauen und das Problem globaler sehen.

Was raten Sie den Menschen im Eifelkreis, wie diese sich verhalten sollen?

Ruvet: Die allermeisten Menschen im Eifelkreis haben sich bislang vorbildhaft verhalten. Unsere Impfquote ist insgesamt gut, kann jedoch verbessert werden. Weiterhin sollte sich jeder Bürger vorsichtig verhalten und die bekannten AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, (Alltags-) Maske einhalten, ergänzt um regelmäßiges Lüften. Diese Regeln werden uns wohl noch länger erhalten bleiben.

Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz?

Ruvet: Auf ein, seit Beginn der Pandemie täglich, sowohl am Wochenende und an allen Feiertagen, engagiert arbeitendes Team des Gesundheitsamtes.

Das Gespräch mit Dr. Virginie Ruvet führte Dagmar Dettmer