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Sozialbauten im Eifelkreis Bitburg-Prüm: Günstiger Wohnraum wird knapper

Analyse: Werden im Kreis mehr Sozialbauten gebraucht? : Sozialbauten im Eifelkreis Bitburg-Prüm: Günstiger Wohnraum wird knapper

Es gibt im Eifelkreis kaum Sozialwohnungen. Der Bedarf könnte in der Pandemie aber steigen. Denn die Menschen haben immer weniger Geld in der Tasche, und Mieten und Immobilienpreise bleiben hoch.

Wer das nötige Kleingeld hat, muss in der Eifel nicht lange nach einer Bleibe suchen. Auf Immobilienportalen im Internet finden sich Hunderte Angebote im Eifelkreis: vom Penthouse in Bitburg über die Etagenwohnung in Bollendorf bis hin zum „Traumhaus“ in Wolsfeld oder zur Villa in Waxweiler. Die Prädikate aus den Annoncen versprechen „hochwertige“, „luxuriöse“, „repräsentative“, „großzügige“ Bauten.

Wesentlich kleiner hingegen ist die Auswahl an günstigen Wohnungen und Häusern für Geringverdiener. Vor allem in den Städten und an der luxemburgischen Grenze werden zunehmend billige Altbauten zugunsten teurer Eigentumswohnungen abgerissen. Das schlägt sich seit Jahren in den wachsenden Immobilienpreisen nieder. Die Miete für eine Wohnung in Bitburg kostet heute rund 8,50 Euro pro Quadratmeter. Laut Mietspiegel sind das 30 Prozent mehr als noch vor sechs Jahren.

Dieser nach oben zeigenden Kurve konnte auch das Virus nichts anhaben. Der Bundesverband der Immobilienmakler und -verwalter geht 2020 von einer weiteren Steigerung  der Haus- und Wohnungspreise um 2,5 bis 3 Prozent aus. Von Abschwung kann beim Betongeld also keine Rede sein.

Das freut Hausbesitzer, wirft aber Probleme auf. Denn durch die Krise verlieren einerseits Menschen Jobs und Vermögen. Sie müssen aber andererseits immer mehr Geld fürs Wohnen ausgeben. Aktuell sind es im Eifelkreis 35 Prozent des Einkommens, Tendenz steigend.

Experten, etwa von der Aktion Impulse für den Wohnungsbau, schätzen daher, dass der Bedarf an Sozialbauten in der Republik wachsen wird. Gemeint sind damit Wohnungen, bei denen Mieten staatlich reguliert werden und die somit für Geringverdiener auf niedrigem Niveau bleiben.

Besonders viele solcher Wohnungen gibt es im Eifelkreis nicht. Das ergab eine TV-Umfrage bei den Verbandsgemeinden. So finden sich sämtliche vorhandene Sozialbauten in Bitburg und der VG Speicher. Im Bitburger Land, der Südeifel, der Schneifel und dem Islek gibt es überhaupt keine mietgebundenen Immobilien. Die Bürgermeister der Kommunen argumentieren: Deren Bau sei auf dem Land für Investoren nicht interessant,  bezahlbarer Wohnraum auf den Dörfern noch genügend vorhanden.

Anders rund um Speicher: In der Töpferstadt und im Umland finden sich die meisten sozial geförderten Wohnungen, nämlich 107. Bürgermeister Manfred Rodens (CDU) meint: „Insgesamt steht ausreichend günstiger Wohnraum zur Verfügung“, etwa in der ehemaligen Housing der US-Amerikaner.

In Bitburg ist das Angebot an Sozialbauten hingegen vergleichsweise gering. Neben den 36 mietgebundenen Sozialwohnungen sind immerhin noch bei der Stiftung Bürgerhospital günstige Wohnungen zu bekommen. Diese bietet  in drei Hochhäusern in der Eifelstraße, im Messenweg und in der Rittersdorfer Straße den Quadratmeter für 4,50 Euro im Monat an.

Dennoch wird Handlungsbedarf gesehen – von Parteien, aber auch Gutachtern. Der Stadtrat Bitburg hat daher beschlossen, dass die Ausweisung von Flächen für soziale Wohnraumförderung ein Ziel für die künftige Entwicklung sein soll — sowohl bei Alt- als auch bei Neubauten. Der genaue Bedarf werde derzeit ermittelt, schreibt Rathaussprecher Werner Krämer.

Auch fürs Bitburger Land gebe es keine belastbaren Zahlen was die Nachfrage angehe, sagt eine Sprecherin. Das Angebot an mietgebundenem Wohnraum lässt sich hingegen leicht bestimmen: null.

Einige Ortsgemeinden verfügten immerhin über alte Lehrerwohnungen und Gemeindehäuser, die größtenteils günstig vermietet würden, heißt es von der Verwaltung.

Solche Angebote, schreibt Bürgermeister Moritz Petry (CDU), gebe es auch in der Verbandsgemeinde Südeifel, etwa in Holsthum, Ernzen, und Niederweis. Die Verbandsgemeinde selbst habe derzeit außerdem 18 Wohnungen zu einem „annehmbaren Preis“ in der Vermietung.

Den Bedarf für weitere Sozialbauten in der Kommune, sieht der Verwaltungschef daher, „nicht gegeben“. Von den rund 19 000 Einwohnern bekämen nur etwa 150 Grundsicherung. Und selbst auf vergleichsweise teuren Pflastern wie Irrel oder Bollendorf gelinge es, bezahlbare Wohnungen, etwa für Asylbewerber, zu finden.

Auch Petrys Arzfelder und Prümer Kollegen schreiben auf TV-Anfrage: Die Frage habe sich bisher nicht gestellt. Da auch die Bürger sich nicht über zu teure Haus- und Wohnungspreise beklagten, habe man ja auch nichts unternehmen müssen.

Tatsächlich lässt es sich weiterhin kaum irgendwo günstiger leben als im Islek und in der Schneifel. Von steigenden Immobilienpreisen ist im Nordwesten kaum etwas zu spüren. Selbst in den Zentren Arzfeld, Bleialf und Daleiden lässt es sich für vier bis fünf  Euro pro Quadratmeter billig leben. In Prüm sind es sechs Euro.