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Sparen in der Krise: In Prüm ist man schon dabei

Krise : Runter vom Gas, aber zügig – wie in Prüm Energie gespart wird

Stadtbürgermeister, Ratsfraktionen, Gewerbe und Pfarrei leiten die ersten Schritte zum Energiesparen ein oder haben sie bereits unternommen. In Bitburg ist man noch nicht ganz so weit.

Man muss nicht immer auf Anweisungen warten, bis man eine Entscheidung trifft. Auch und gerade nicht in der aktuellen und sich verschärfenden Energiesituation.

So denken sie jedenfalls in Prüm: „Von oben, also vom Land oder der ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, Anm.), kam noch nichts“, sagt Stadtbürgermeister Johannes Reuschen. „Wir haben also noch keine Order, aber wir wollen uns schon mal unsere Gedanken machen.“ Und selbst erste Schritte einleiten.

Kurz nach dem Gespräch mit Reuschen verkündet Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung: Alle öffentlichen Gebäude sollen nur noch auf 19 Grad geheizt werden, neben weiteren Sparvorgaben – per Energie-Sicherungsgesetz.

Energiesparen: Prüm ist vorbereitet

Immerhin dann doch eine Anweisung, sogar von ganz oben. Die aber die Prümer eben nicht unvorbereitet trifft: Denn jeder, sagt Reuschen, höre doch Nachrichten, lese die Zeitung, das Ziel angesichts der Gasverknappung, des drohenden Lieferstopps und der Verteuerung nicht nur dieses Energieträgers, sei längst allen bekannt: Mindestens 15 Prozent weniger verbrauchen, um einigermaßen durch zumindest den anstehenden Winter zu kommen.

Reuschen wandte sich deswegen an alle Stadtratsmitglieder, die Beigeordneten, Vertrauensleute der Stadtteile, er spannte Gewerbe, Bauhof, Haus der Jugend, Touristiker und Naturparkzentrum ein.

Schnell lagen Vorschläge auf dem Tisch: Gebäude wie die Kalvarienbergkapelle oder die Skulpturen im Gerberweg nicht mehr anstrahlen, Heizungen runterfahren, immer mit der Frage, wie Reuschen sagt: „Können wir das machen, machen wir es direkt oder warten wir?“

Aber, schiebt er gleich nach: „Warum sollen wir warten? Einer muss ja anfangen. Natürlich tut das weh.“ Dennoch sei es, ehrlich gesagt „auch ein Luxus, nachts Skulpturen anzustrahlen“.

 Karl der Große im Gerberweg, Basilika dahinter: Die Kaiser-Skulpturen in Prüm sollen nicht mehr angestrahlt werden.
Karl der Große im Gerberweg, Basilika dahinter: Die Kaiser-Skulpturen in Prüm sollen nicht mehr angestrahlt werden. Foto: Fritz-Peter Linden

Damit ist es vorerst vorbei: Am Samstag verschickt der Stadtbürgermeister eine Anweisung an den Bauhof, dass „ab sofort nachts keine öffentlichen Gebäude, Denkmäler und Statuen von städtischen Leuchten angestrahlt werden. Hierzu zählen dann auch das Bürgermeisteramt (Hahnplatz 1), die Kalvarienbergkapelle und die Basilika.“ Ein Ratsbeschluss liege vor „und die Bundesregierung wird dies ohnehin in der Novelle des Energiesicherungsgesetzes anordnen“.

Energiesparen: Was die Stadt ohnehin schon tut

Auch jenseits der aktuellen Krise habe man bereits Verbesserungen erreicht: Die Straßenlampen in der gesamten Stadt haben LED-Technik und sparen dadurch 30 Prozent Strom im Vergleich zu früher. Die zusätzliche Nachtabsenkung, sagt Reuschen, spare weitere 20 Prozent. Im Bürgerhaus Weinsfeld ersetzte man die Nachtspeicheröfen, die mit Strom liefen, durch Flüssiggas. Das Haus der Jugend werde im Winter nicht beheizt, zumal dort die Generalsanierung nach der Flutkatastrophe noch nicht angegangen ist.

Auch die Basilika, sagt Willi Husch, der Vorsitzende des Pfarrverwaltungsrats, sei infolge der Innensanierung schon auf einem deutlich besseren Energie-Stand als früher: Allein die LED-Leuchten und deren Steuerung – „das haben wir damals schon auf den Weg gebracht, damit wir Strom sparen“. Auch die Heiztemperatur in der Kirche sei bereits um zwei bis drei Grad gesenkt. Und wärmer wird’s drinnen nicht mehr werden: „Die Leute müssen dann im Winter einen Mantel anziehen“, sagt Husch.

Und das Abschalten der Strahler? Nimmt er gelassen: „Dann bleibt die Basilika eben dunkel.“

Energiesparen: Was noch möglich ist

Weitere Vorschläge für städtische Einrichtungen kamen aus den Reihen des Rats und anderer Beteiligter – und sind schon beschlossen: Die Heiztemperatur wird in allen städtischen Gebäuden und Einrichtungen um zwei Grad gesenkt werden (Ersparnis: sechs Prozent); die Dauer-Ausstellung im Rathaus mit Werken von Künstlern der Europäischen Vereinigung aus Eifel und Ardennen soll nicht mehr beheizt werden. Im Bauhof will die Stadt die Heizung in der Fahrzeughalle nur im Notfall, das heißt bei Frost, einschalten. Die Werkhalle soll ebenfalls weniger beheizt werden, beim Bauhof hofft man dadurch auf eine Ersparnis von 15 bis 25 Prozent.

Auch der Gewerbeverein macht sich Gedanken – vor allem wegen der Weihnachtsbeleuchtung. Nun ist es zwar noch etwas hin bis Dezember – und wer weiß, wie die Situation dann sein mag. Dennoch sagt Hans-Peter Fuchs, der im Verein derzeit die Geschäfte führt: „Jeder muss sich an der eigenen Nase packen und tun, was nötig ist. Man kann ja nicht warten, bis man alles vorgeschrieben kriegt.“

Siehe Weihnachtsbeleuchtung: Da hat der Verein bereits weitgehend auf LED-Dekoration (die Prümer Sterne vor allem) umgestellt. Allerdings, sagt Fuchs, „haben wir noch ein paar Altbestände“, also herkömmliche Leuchten, die bisher noch am Regino-Gymnasium und anderen Bauten rund um den Hahnplatz angebracht wurden. „Die werden wir noch erneuern müssen. Aber wenn das dieses Jahr nicht geht, dann werden wir sie auslassen.“

Kurz: Da läuft schon viel. Rechne man alles beieinander, sagt Johannes Reuschen, sei er überzeugt, „dass wir die 15 Prozent erreichen können“. Dass solche Schritte jenseits des Städtchens keine großen Auswirkungen haben, ist dem Bürgermeister auch klar. „Wir werden die Welt nicht retten“, sagt Reuschen. „Oder die Gasbestände. Aber man muss ja mit gutem Beispiel vorangehen.“