Speicher again and again and again

Kultur : Speicher again and again and again

Der Kultursommer ist zu Ende gegangen. Keramik, Kunst und Musik haben im Plein-Wagner-Haus viele inspiriert.

Beim Anblick der Installation von Lisa Bauer „I am just a concept“ im Plein-Wagner-Haus bricht es aus einer Besucherin geradezu heraus: „ Wie kommt man nur auf solche Ideen?“ Die Frage ist berechtigt. Man braucht wohl kreative Menschen, Inspiration, Material und Raum, viel Raum für Ideen eben. Das alles wurde den jungen Künstlern bei der zweiten Auflage des internationalen Festivals „again speicher“ im Rahmen des Kultursommers im Merscheider Weg 3 geboten.

Auch Irmgard Michels und Maria Blum betrachten  die Installation von Lisa Bauer. Die beiden Frauen haben eine Beziehung zum Plein-Wagner-Haus. Der Vater von Irmgard Michels, Heinrich Michels, hat als Speditionskaufmann dort gearbeitet. Und er hat seine Tochter früher vor Dienstbeginn in den Kindergarten auf der anderen Straßenseite gebracht, erinnert sich Irmgard Michels. Der Vater von Maria Blum, Josef Blum, war in der Keramikproduktion tätig. Auch Gaby Moersch schaut sich die Ausstellung an. Sie arbeitet seit 40 Jahren bei Plewa.

„Es ist schön, dass nicht nur Kunstinteressierte hierhin gekommen sind, sondern auch Leute, die eine Verbindung zu diesem Ort haben“, sagt Lisa Bauer. Die 26-jährige Kunstpädagogin setzt sich in ihren Arbeiten mit den sozialen Komponenten von Räumen auseinander. Die Materialien für ihre Installation hat sie – wie auch die anderen jungen Künstler – in der Plewa-Industriebrache gefunden. „Der industriell geprägte Raum, das Material aus der Brache, die Lichtverhältnisse – da passiert viel mit der räumlichen Wahrnehmnung“, erklärt Lisa Bauer. In den zwei Wochen, die sie in der Eifel gearbeitet hat, ist Speicher zudem zum Ruhepol geworden. Raus aus der Hektik der Großstadt, in der sich junge Künstler zudem keinen Raum leisten können, in dem sie tätig werden können. „Ich weiß, wovon ich rede“ , sagt die Frankfurterin. Anregend sei auch das Miteinander unter den Kunstschaffenden im Plein-Wagner-Haus. Das bestätigt Florian Leible, der am letzten Tag des Festivals noch über seiner Kunstmappe sitzt, die als kleines Geschenk im Plein-Wagner-Haus bleibt, wie auch die der anderen Festivalteilnehmer. „Meine Thematik wird erweitert durch den Kontakt zu anderen Künstlern. Das ist wertvoll, das gibt’s im Alltag nicht“, sagt der Kommunikationsdesigner mit Schwerpunkt Illustration, der in Trier studiert. Seine künstlerische Entwicklung in den zwei Wochen in Speicher sei sehr intensiv gewesen. Hinzu komme der anregende Kontakt mit den Musikern, die während des Kultursommers auftraten, und das Gespräch mit den Besuchern. Florian Leible und Lisa Bauer möchten im nächsten Sommer wieder nach Speicher kommen, sagen sie. Und dass es eine neue Auflage von again speicher geben wird, das ist sicher.

Marie Senftleben-Gudrich (rechts)  unterhält sich mit Ausstellungsbesuchern am letzten Tag des Festivals. Foto: TV/Maria Adrian
Florian Leible arbeitet an seiner Abschlussmappe. Foto: TV/Maria Adrian
Faceliftung für alte Fassade: Christian Böhmer hat dieses Kunstwerk gestaltet. Den Kolibri hat Lea Gudrich ergänzt. Foto: TV/Jürgen Gudrich
Irmgard Michels und Maria Blum betrachten die Installation von Lisa Bauer. Foto: Tv/Maria Adrian

„Die Veranstaltung ist super gut gelaufen. Und toll war auch die Beteiligung der  Vereine, der Schulen und der Band  Flott Fott“, resümiert Bürgermeister Manfred Rodens. Die Verbandsgemeinde investiere 23 000 Euro in drei Jahren, das Land über das Leader-Programm 27 000 Euro, so der Verwaltungschef. Und er fügt hinzu: „ Die Begeisterung ist spürbar, das Netzwerk wird immer größer.“ Das sei gut für Speicher. Dem schließt sich Michael Plein an. Der zweite Vorsitzende von again speicher ist für die Finanzen zuständig und sagt: „Wir haben uns mächtg gesteigert: Drei Monate Kultursommer sind eine schöne Leistung.“ Auch mit dem Geld sei man glatt durchgekommen. Dass Speicher regional eine kulturelle Aufwertung erfahre, freue ihn auch als Vertreter der Firma Jacob Plein-Wagner Söhne GmbH und Co KG. Und als Ziel sieht er, dass die Töpferei und das Museum ganzjährig betrieben werden. Marie-Senftleben-Gudrich, erste Vorsitzende des Vereins again speicher, die während des Kultursommers den Keramikworkshop betreut hat, formuliert ihr Ansinnen  für die Zukunft so: „Ich wünsche mir, dass ein Bewusstsein für das wunderbare Material Ton entsteht. Für die Elemente, für die Erde, die unsere Mutter ist und die uns trägt. Das klingt jetzt sehr pathetisch“, sagt sie. Das klingt doch richtig gut.