Speicher blickt gelassen in die Zukunft
Speicher · In den vergangenen Jahren hat sich die Verbandsgemeinde Speicher gegen den Trend gestemmt. Die Bevölkerungszahl ist - wenn auch minimal - gewachsen. Falls sich die statistischen Prognosen bewahrheiten, wird die Einwohnerzahl auch in Zukunft nicht so stark schrumpfen wie die in anderen Teilen des Eifelkreises.
Das Töpferhandwerk – das Foto zeigt das Wahrzeichen des Verbandsgemeinde-Zentrums unweit des Marktplatzes in Speicher – war in der Vergangenheit ein wichtiger Wirtschaftszweig. Doch auch vor der Zukunft muss der Verbandsgemeinde nicht bange sein. Zumindest der demografische Wandel trifft die Kommune nicht so stark wie andere. TV-Foto: Katharina Hammermann
Speicher. Entkommen kann sie ihm nicht. Allerdings kann die Verbandsgemeinde (VG) Speicher ihm verhältnismäßig gelassen entgegensehen. Denn höchstwahrscheinlich wird der demografische Wandel die Speicherer Gegend weniger hart treffen als viele andere (siehe Extra).
Der Grund: Die Ausgangslage ist günstiger. Dem Trend trotzend hat die VG in den vergangenen Jahren sogar Bewohner hinzugewinnen können. 1999 lebten in der VG - die Amerikaner nicht mitgerechnet - 7848 Menschen. Zehn Jahre später waren es 7857. Das sind zwar nur neun mehr. Aber immerhin - es sind mehr.
Bürgermeister Rudolf Becker nennt dafür mehrere Gründe. Allen voran die günstige Lage zwischen Wittlich, Bitburg und Trier und die gute Infrastruktur. "Wir sind schnell auf der Autobahn und haben eine gute Bahnanbindung", sagt Becker. Zudem könne man in Speicher alles kaufen, was man braucht - außer ein Klavier vielleicht. Auch die Nahversorgung in Orten wie Orenhofen sei verhältnismäßig gut. Ebenso wie das Gesundheitsangebot: Es gebe in und um Speicher Ärzte, Zahnärzte, Apotheken und verschiedene therapeutische Angebote.
Zudem gebe es Ganztageskindergärten und eine weiterführende Schule, deren Zukunft allerdings ungewiss ist (der TV berichtete). "Die Menschen fühlen sich wohl. Deshalb bleiben sie hier", sagt Becker.
Die Zukunft sieht allerdings auch Speicher schrumpfen: Prognosen des Statistischen Landesamts zufolge wird die Einwohnerzahl bis 2020 auf 7792 sinken. Und genau wie überall anders auch, wird sich die Altersstruktur ändern: Den Berechnungen zufolge werden 2020 nur noch 17,7 Prozent der Menschen unter 20 Jahre alt sein. 2006 waren es noch 22,4.
Dafür wird die Zahl der Älteren und der Alten steigen. Statt 20 werden dann 22 Prozent älter als 65 sein und 60,3 Prozent im Alter zwischen 20 und 65. Ein Trend, der sich nach dem Jahr 2020 noch verstärken dürfte.
Für diese Zukunft sieht Bürgermeister Becker seine Kommune gut gerüstet. Nicht nur, weil es ein modernes Altenheim mit 85 Plätzen gibt, dessen Bewohner sich laut Becker dort sehr wohlfühlen.
Man stehe auch in Verhandlungen mit einem Investor, der seniorengerechte Wohnungen bauen will. Zudem werde alles unternommen, um die Dörfer attraktiv zu halten und die Infrastruktur weiter zu verbessern. Die Frage ist nur: Gibt es die Verbandsgemeinde Speicher 2020 überhaupt noch? Gehört sie doch zu jenen Kommunen, die sich im Rahmen der Kommunalreform nach einem Fusionspartner umschauen sollen. Beckers Antwort lautet: ja. Seiner Ansicht nach wird Speicher um Teile der Verbandsgemeinden Kyllburg und Bitburg-Land wachsen. Damit würde natürlich auch die Einwohnerzahl steigen.
Daran, dass diese Einwohner absehbar immer weniger und immer älter werden, lässt sich allerdings nichts ändern. Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz hat auf der Basis der Bevölkerungsdaten des Jahres 2006 berechnet, wie sich die Einwohnerzahl der Kommunen weiterentwickeln wird. Im Eifelkreis wird bis 2020 demnach nur die Verbandsgemeinde Irrel wachsen. Alle anderen schrumpfen. Besonders hart trifft es die Verbandsgemeinden Arzfeld und Kyllburg, die voraussichtlich mehr als acht Prozent ihrer Einwohner einbüßen. In den Verbandsgemeinden Neuerburg und Prüm sind es immer noch mehr als vier Prozent. Deutlich glimpflicher sollen die Stadt Bitburg sowie Bitburg-Land und Speicher davonkommen, die der Prognose zufolge bis 2020 "nur" weniger als vier Prozent ihrer Einwohner verlieren. kah