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Speicher töpfert an einem Konzept

Speicher töpfert an einem Konzept

Obwohl Speicher für seine Töpfertradition in der ganzen Region bekannt ist, profitieren Stadt und VG davon touristisch bislang so gut wie gar nicht. Mit Hilfe von EU- und Landesmitteln, die nun im Rahmen des Leader-Programms beantragt werden, soll sich das ändern. Erster Schritt wäre zunächst die Erstellung einer Machbarkeitsstudie.

Speicher. Ginge es nach Helmut Berscheid, dann wäre der gebrannte Ton schon in trockenen Tüchern. Denn der Leiter der Abteilung für Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung bei der Kreisverwaltung ist begeistert. "Der Ansatz ist sehr innovativ", sagt er. "Ein wirklich tolles Thema."Gute Chancen auf Förderung


Es geht um das Speicherer Land, zu dessen Besonderheiten bereits seit der Römerzeit die bekannten Vorkommen von weißem und grauem Ton gehören. Über Jahrhunderte hinweg haben die daraus hergestellten Keramik- und Töpferwaren die Menschen in Speicher und Umgebung mit Arbeit versorgt. Heute ist davon nicht mehr viel übrig. Bis auf die Kunstkeramischen Werkstätten der Gebrüder Plein existieren in der Verbandsgemeinde keine Produktionsstätten mehr. Die große Töpfer-Ära neigt sich damit endgültig dem Ende.

Was aber nicht bedeutet, dass dieses Kapitel damit dann komplett abgehakt sein muss. Genau aus diesem Grund ist Helmut Berscheid gemeinsam mit Otmar Banz zur Sitzung des VG-Rats Speicher erschienen. Die beiden Mitarbeiter der Kreisverwaltung sind auch Ansprechpartner der so genannten Lokalen Aktionsgruppe (LAG). Diese LAG, der insgesamt 36 stimmberechtigte Mitglieder aus allen möglichen Bereichen wie beispielsweise Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Handwerk, Bildung, Kunst oder aber erneuerbare Energien angehören, entscheidet darüber, welche Projekte im Eifelkreis über das EU-Förderprogramm Leader (siehe Extra) bezuschusst werden. Und das Projekt "Töpfer Erlebnis Welt VG Speicher" hat laut Berscheid gute Chancen, in den Genuss dieser Förderung zu kommen.

"Das Thema ist geradezu prädestiniert, um hier eine erlebnisorientierte Form der Produktinszenierung aufzubauen", heißt es dazu auch in der Sitzungsvorlage, in der zudem auf konkrete Beispiele einer möglichen Inszenierung eingegangen wird. So befindet sich laut Verwaltung in den Fabrikationshallen der Firma Plewa noch eine in Teilen vorhandene Tonwerkstatt, die für eine touristische Nutzung zur Verfügung stünde.

Um Ideen zu sammeln und um herauszufinden, welche dieser Vorschläge sich auch umsetzen lassen, will die VG Speicher nun ein externes Büro mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie beauftragen. "Das Thema hat Potenzial", betont Berscheid. "Und um dieses Potenzial zu heben, halten wir den Weg über eine Machbarkeitsstudie für vernünftig."
Im Haushalt 2016 der VG Speicher, der noch von der Kommunalaufsicht abgesegnet werden muss, sind bereits 38 000 Euro für diese Studie eingeplant. Um diese Kosten nicht allein zu tragen und um die Machbarkeitsstudie überhaupt in Auftrag geben zu können, soll nun auf Grundlage eines einstimmigen Ratsbeschlusses ein Leader-Antrag eingereicht werden.

Sollte die LAG dem Antrag entsprechen, so wäre mit einer 70-prozentigen Förderung zu rechnen.Extra

Hinter der Abkürzung Leader verbirgt sich die Bezeichnung "Liaison entre actions de développement de l'économie rurale" (Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der Ländlichen Wirtschaft). Leader ist ein EU-Förderprogramm, das die Entwicklung und Stärkung des ländlichen Raumes verfolgt. Das Programm ist eingebettet in den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und das rheinland-pfälzische Entwicklungsprogramm Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung (EULLE).

Mit Hilfe der Förderanreize der Programme bietet sich für die Leader-Gebiete die Möglichkeit, innovative Strategien und Projekte umzusetzen, um neue Akzente für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu setzen. Der Eifelkreis Bitburg-Prüm ist seit 2008 eine von 20 anerkannten Leader-Regionen in Rheinland-Pfalz. In der aktuellen bis 2020 geltenden Förderphase stehen im Eifelkreis knapp drei Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Neben EU-Mitteln (zwei Millionen Euro) und dem Anteil des Landes (700 000 Euro) beteiligen sich auch die Kommunen mit 195 000 Euro. uhe