Splitter aus der Vergangenheit

Splitter aus der Vergangenheit

BITBURG. Der Zweite Weltkrieg ist seit mehr als 60 Jahren vorbei. Doch nach all dieser Zeit sind seine Folgen in der Region gelegentlich immer noch zu spüren. In der vergangenen Woche wurden sechs US-Splitterbomben im Bitburger Wald gefunden (der TV berichtete).

Ende Februar 1945. Bitburg wird von Einheiten der fünften US-Infanteriedivision eingenommen. Die deutschen Truppen beziehen hinter der Kyll Stellung und erwarten den Angriff der Amerikaner. Die US-Jagdbomber melden: Entlang der Kyll ist alles mit deutschen Panzern und anderem feindlichen Gerät voll gestopft. Am 2. März 1945 wird das andere Kyll-Ufer für den in der Nacht geplanten Übergang bei der Mettericher Mühle durch Artillerie und Jagdbomber sturmfrei geschossen. Gegen 9.50 Uhr tauchen die ersten amerikanischen Jagdbomber am Himmel über Gondorf auf. Bomben fallen, Menschen sterben. Weitere Bomben explodieren in Oberkail und Beilingen. Wenige Tage später ist für die Menschen in der Eifel der Krieg vorbei. Relikte aus einer anderen Zeit

61 Jahre später. Der Zweite Weltkrieg lebt in den Erinnerungen vieler älterer Menschen weiter. Doch hin und wieder holt die dunkle Vergangenheit die Gegenwart ein. Beispielsweise in der vergangenen Woche. Manfred Christian, Leiter des Forstreviers Sefferweich, geht seiner Arbeit im Waldstück an der L 32 nördlich der Autobahnanschlussstelle A 60 nach. Dann sieht er etwas, was ihn aufmerksam werden lässt. Schnell erkennt er: Hier liegt eine Bombe auf der Erde. Christian verständigt den Kampfmittelräumdienst in Trier. Das Team von Horst Lenz ist schnell zur Stelle und untersucht das Fundstück. Es handelt sich um eine 90 Pfund schwere US-Splitterbombe. Vermutlich eine Bombe, die Anfang März 1945 die Truppen der Deutschen treffen sollte, aber nicht gezündet hat. "Bei Sefferweich gab es damals auch eine Werkstatt, um Panzer in Stand zu setzen. Möglicherweise wollten die Amerikaner die treffen", vermutet der Eifeler Heimatforscher Horst Weber. Die Tatsache, dass die Bombe vor sechs Jahrzehnten nicht explodiert ist, bedeutet nicht, dass sie heute ungefährlich ist. "Die Funktionsfähigkeit solcher Fundbomben hat im Laufe der Jahrzehnte meist nur geringfügig nachgelassen", erklärt Lenz. Höchste Vorsicht sei also geboten. Die Bombe muss vor Ort entschärft werden. Obwohl das für den Kampfmittelräumdienst Routine ist, trifft die Bitburger Polizei Sicherheitsvorkehrungen. Das Gelände wird in einem Radius vom 300 Metern abgesperrt. Das Entschärfen funktioniert problemlos. Zum Abtransport des "Weltkriegsüberlebenden" muss jedoch die L 32 vorsichtshalber gesperrt werden. Die Untersuchung der Experten ergibt, dass es sich bei der Fundbombe um eine Clusterbombe (siehe Hintergrund) handelt. Da liegt die Vermutung nahe, dass sich in diesem Waldstück noch mehr Munition verbirgt. Mit Tiefensonde auf der Suche

Zwei Tage nach dem Fund der ersten Bombe machen sich Willi Wehrhausen und sein Team vom Kampfmittelräumdienst mit einer Tiefensonde auf die Suche. Sie werden schnell fündig. Nur unweit des ersten Fundorts stellt das Suchgerät eine Veränderung des Erdmagnetfelds fest. In einem Erdloch liegen fünf weitere Bomben vom selben Typ wie die erste. Auch sie werden vor Ort entschärft. Diese sechs US-Bomben sind laut Hauptkommissar Klaus Schnarrbach von der Polizei-Inspektion Bitburg die ersten, die in diesem Waldstück gefunden worden sind. Eine Gefahr für die Bevölkerung oder Waldspaziergänger habe nicht bestanden. "Solange man die Bombe nicht anfasst, kann da nichts passieren", erklärt Schnarrbach. Dass noch weitere im Erdreich schlummerten, könne aber nicht ausgeschlossen werden. Die Schilderung der letzten Kriegstage in der Eifel entstammen dem Buch "Zielpunkt Südeifel" von Horst Weber.