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St. Thomas überträgt Tourismus-Arbeit

St. Thomas überträgt Tourismus-Arbeit

Mit einer gehörigen Portion Skepsis und einem denkbar knappen Abstimmungsergebnis hat der Ortsgemeinderat von St. Thomas im zweiten Anlauf die Tourismus-Förderung auf die Verbandsgemeinde Kyllburg übertragen. Damit ist der Weg frei für die neue Lösung im Kyllburger "Tourismus-Streit".

St. Thomas. Der 19. Mai dieses Jahres wird vielen, die sich in den vergangenen Monaten um den Tourismus in der Kyllburger Wald eifel bemüht haben, in Erinnerung geblieben sein. Allerdings wohl überwiegend nicht in guter: An diesem Tag lehnte der Ortsgemeinderat von St. Thomas den Vorschlag ab, die Aufgabe der Fremdenverkehrs-Förderung auf die Verbandsgemeinde (VG) Kyllburg zu übertragen. Das Ende für den von den 21 Ortsbürgermeistern erarbeiteten Lösungs-Vorschlag zur Beilegung des Tourismus-Streits (siehe Extra).

Auch am Mittwochabend sah es in St. Thomas lange nicht so aus, als werde der neue Entwurf zur Lösung des Konflikts die Zustimmung der Ratsmitglieder finden. Der Fremdenverkehrsverein Kyllburger Waldeifel will künftig die Tourismus-Förderung übernehmen: Möglichst alle Ortsgemeinden sollen Mitglied im Verein werden und pro Einwohner und Bett einen bestimmten Beitrag leisten. Außerdem soll auch die VG beitreten, die dem Verein zudem einen Mitarbeiter für den Betrieb der Tourist-Info kostenlos abstellt. Da somit aber auch bei diesem Ansatz hohe Kosten für die VG anfallen, müssen dennoch zunächst alle Ortsgemeinden diese Aufgabe auf die VG übertragen. Und das wurde im Rat von St. Thomas lange kontrovers diskutiert. Nicht etwa, weil man der Ansicht war, die Aufgabe der Tourismus-Förderung sei bei der VG nicht richtig aufgehoben - sondern, weil einige Ratsmitglieder der Auffassung waren, dass die Tourismus-Förderung durch den Fremdenverkehrsverein eben nicht das optimale Modell für die Waldeifel sei. Ratsmitglied Wolfgang Neumann kritisierte, dass im Vorfeld nicht mit anderen Tourismus-Anbietern gesprochen worden war. Genau dies habe die VG aber gar nicht tun dürfen, da sie aufgrund des Gerichtsurteils dazu nicht legitimiert sei, entgegnete Christof Lichter als Vertreter der Verwaltung. Er warb um das Vertrauen, dass sowohl der VG-Rat als auch der Verkehrsverein sich zukünftig um eine optimale Lösung bemühen werden.

Ratsmitglied Rudolf Höser kritisierte insbesondere das seiner Ansicht nach antiquierte Buchungssystem, mit dem der Verkehrsverein arbeitet. Statt einem viersprachigen, nicht mehr zeitgemäßen Buchungskatalog herauszugeben, solle man besser eine moderne und ansprechende Internetpräsenz aufbauen, auf der sich alle Fremdenverkehrs-Betriebe präsentieren und Gäste direkt Buchungen tätigen können. Allerdings könne sich der Rat auch nicht davor verschließen, dass 21 Ortsbürgermeister sich für das neue Konzept ausgesprochen hätten, gab Höser zu bedenken. Seine Konsequenz: Er enthielt sich bei der Abstimmung und spielte damit das Zünglein an der Waage. Drei Ratsmitglieder stimmten für die Aufgabenübertragung, nur zwei dagegen. Damit ist ein Hindernis beseitigt auf dem Weg zu einem neuen Anlauf bei der Tourismus-Förderung in der Kyllburger Waldeifel.

Meinung

Einfluss üben!

Es war ein Paukenschlag, als der Rat von St. Thomas vor der Wahl den mühsam erarbeiteten Kompromiss scheitern ließ. Viele Freunde hat man sich damit nicht gemacht. Und dennoch: Es ist durchaus legitim, Beschlussvorlagen in den Sitzungen kritisch zu hinterfragen. Dass auch den Ratsmitgliedern von St. Thomas der Tourismus am Herzen liegt, wurde in der jetzigen Sitzung durchaus deutlich. Sie suchen nicht nach irgendeiner Lösung für den Fremdenverkehr in der Waldeifel, sondern nach der besten. Und das sollten sie weiterhin tun, indem sie ihren Einfluss durch VG-Ratsmitglieder und als Mitglied im Verkehrsverein nutzen. Denn Kyllburg braucht nicht nur irgendeine Tourismus-Arbeit, sondern eine in sich stimmige! n.ebner@volksfreund.deExtra Das gescheiterte Konzept: Laut einem Gerichtsurteil ist die Tourismus-Förderung Sache der Ortsgemeinden (der TV berichtete). Anfang März hatten sich die 21 Orts-Chefs nach langem Hin und Her darauf geeinigt, dass alle Gemeinden die Tourismus-Förderung per Ratsbeschluss auf die VG übertragen. Ihr Konzept sah vor, dass die Ausgaben für den Fremdenverkehr die Summe von 80 000 Euro nicht übersteigen sollten, damit die VG-Umlage für die Ortsgemeinden nicht erhöht werden muss. Dieser Selbstverpflichtung der VG traute der Rat von St. Thomas nicht - mit sechs zu eins Stimmen lehnte er die Aufgabenübertragung ab, anschließend sagte auch der Rat von Malbergweich "Nein". Damit war der Vorschlag der Ortsbürgermeister gekippt. (neb)