Stadt bleibt auf Parkhaus sitzen

Stadt bleibt auf Parkhaus sitzen

Das war\'s: Jahrelang haben Stadt und Krankenhaus über einen Verkauf des Parkhauses Annenhof verhandelt, doch ohne Ergebnis. Jetzt steht fest: Das Projekt ist gescheitert. Die Stadt muss nun entscheiden, wie es mit dem Gebäude, in dem es einen Sanierungsstau von rund einer Million Euro gibt, weitergehen soll.

Bitburg. Parken in Bitburg ist ein schwieriges Geschäft. So sehen das jedenfalls die Stadtwerke, die die Parkhäuser Neuerburger Straße und Annenhof sowie die Tiefgarage am Zob bewirtschaften und damit Jahr für Jahr Verluste einfahren. 2013 droht ein Minus von fast 300 000 Euro.
Der Annenhof läuft noch am besten (siehe Extra). Dennoch hätten die Werke das Gebäude lieber gestern als heute verkauft. Der Grund: In dem Gebäude aus den 70er Jahren gibt es einen erheblichen Sanierungsstau. "Wenn man den Annenhof noch mal so hinbekommen wollte, dass er die nächsten 15, 20 Jahre gut dasteht, müsste man grob kalkuliert etwa eine knappe Million Euro in die Hand nehmen", sagt Hubert Lehnen, stellvertretender Leiter der Stadtwerke.Beton bröckelt, Metall rostet


Beim Bau des Gebäudes wurde mit großen Betonfertigelementen gearbeitet. Da, wo die aufeinanderstoßen, gibt es inzwischen undichte Stellen. Wasser läuft in die Fugen, der Beton bröckelt. Auch eine Erneuerung der Entwässerungs- und Beleuchtungsanlage wäre notwendig.
"Als das Krankenhaus Interesse gezeigt hat, den Annenhof zu kaufen, haben wir nur noch kleinere Sanierungsarbeiten gemacht, die zum Erhalt der Verkehrssicherheit unumgänglich waren", sagt Lehnen. Schließlich war der Plan, den der ehemalige Krankenhausdirektor Patrick Frey 2010 bekanntgegeben hat, den Annenhof abzureißen und an gleicher Stelle ein neues, größeres Parkhaus zu bauen (der TV berichtete). Doch die Pläne haben sich zerschlagen.
"Diese Überlegungen sind derzeit nicht mehr aktuell. Im Augenblick konzentrieren wir uns ganz auf die konzeptionelle Weiterentwicklung unseres medizinischen Angebots", sagt Hans Jürgen Krämer, kaufmännischer Direktor des Marienhaus Klinikums Eifel. Allein der neue OP-Trakt ist ein 20-Millionen-Euro-Projekt (der TV berichtete). Dass das Krankenhaus wächst und baut, war auch 2010 schon so, als die Idee mit dem Parkhaus-Kauf aufgekommen ist. Vielleicht hängt die geänderte Marschrichtung mit dem Wechsel in der Klinikleitung zusammen - aber das ist Spekulation. Über die Hintergründe des geplatzten Geschäfts ist weder bei der Klinik noch bei den Stadtwerken Genaues in Erfahrung zu bringen. Bürgermeister Joachim Kandels sagte dazu zuletzt nur: "Ich betrachte die Verhandlungen mit dem Krankenhaus zum Annenhof als gescheitert."
Was nun? Für die Stadtwerke steht fest, dass sich eine aufwendige Sanierung nicht umgehen lässt, wenn die Stadt den Annenhof langfristig erhalten will. Alternativ wäre denkbar, dass die Stadt selbst ein neues, größeres Parkhaus baut. Das würde nach einer ersten Kalkulation des Bauamts bei einer Größe von 300 Stellplätzen rund drei Millionen Euro kosten.700 kostenfreie Parkplätze


Eine dritte Möglichkeit wäre, das Parkgebäude an einen privaten Betreiber zu vermarkten. Aber der müsste erst gefunden werden. Zum großen Sanierungsstau kommt hinzu, dass fast die Hälfte der Stellplätze nur wenig Geld in die Kasse bringt. Denn das Krankenhaus, das einst den Bau des Annenhofs finanziell unterstützt hat, hat im Gegenzug Anspruch auf knapp 40 Stellplätze, und 50 weitere Stellplätze sind an Anlieger verkauft worden.
Ziel der Stadtwerke ist es, dass noch dieses Jahr ein Grundsatzbeschluss fällt. "Die Frage ist, welchen Stellenwert die Politik den Parkplätzen beimisst, ob sie sanieren, neu bauen oder vermarkten will", sagt Lehnen und spricht in dem Zusammenhang auch ein weiteres Thema an: das Parkraum-Bewirtschaftungskonzept.
Was die Autofahrer freut, vermasselt den Werken Jahr für Jahr das Geschäft. Es gibt allein in der Kernstadt 700 kostenfreie Parkplätze. Dazu sagt Lehnen: "Spätestens, wenn man über einen teuren Parkhaus-Neubau nachdenkt, sollte man auch die Parkraum-Bewirtschaftung insgesamt prüfen."Meinung

Keine halben Sachen
Das Thema Parken in Bitburg muss neu überdacht werden. Auf der einen Seite gibt es viele kostenlose Parkplätze, auf der anderen Seite stehen drei Parkgebäude, die Jahr für Jahr Verluste einfahren. Dass in Seitengassen der Fußgängerzone kostenlos Dauerparker stehen, die einfach die Parkscheibe Stunde um Stunde weiterdrehen, bringt der Geschäftswelt nichts, denn diese Parkplätze sind fast immer belegt. Hier müsste die Stadt ansetzen, wenn sie nicht weiter nur zusehen will, wie die Parkhäuser Verluste machen. Ein bisschen hier und da sanieren wäre halbherzig. Angesichts des Sanierungsstaus im Parkhaus Annenhof ist eine Grundsatzentscheidung gefragt, bei der auch Kaufleute und Gewerbeverein eingebunden werden sollten. d.schommer@volksfreund.deExtra

Die Stadtwerke Bitburg sind neben der Wasserver- und der Abwasserentsorgung auch für den Geschäftszweig Verkehrsbetriebe zuständig: die Bewirtschaftung der drei Parkgebäude sowie der Gleise zwischen Erdorf und Bitburg. "Unser Sorgenkind" nennt der stellvertretende Werke-Chef Hubert Lehnen die Verkehrsbetriebe, weil die Werke in diesem Geschäftszweig nur Verluste machen. In 2012 waren es 290 000 Euro: Parkhaus Annenhof (216 Stellplätze; 190 an Dauermieter): minus 2000 Euro; Parkhaus Neuerburger Straße (120 Stellplätze; 113 Dauermieter): minus 100 000 Euro; Tiefgarage am Zob (130 Stellplätze; 70 Dauermieter; 40 Ablöse): minus 132 000 Euro; Bahnstrecke (sechs Kilometer): minus 56 000 Euro. Die Lage: Dass der Annenhof weit weniger Verluste macht als die beiden anderen Parkgebäude, liegt daran, dass das Parkhaus Annenhof dank der Nähe zu Krankenhaus und Innenstadt von sehr viel mehr Wechselparkern genutzt wird. Knapp 20 000 Wechselparker zählen die Werke dort pro Jahr - im Parkhaus Neuerburger Straße sind es nur rund 5000 und in der Tiefgarage am Zob nur 4000 Wechselparker. scho