Stadt erwägt Abriss des Bitburger Obdachlosenheims

Bitburg · Nach dem Feuer im städtischen Obdachlosenheim sind in Bitburg nun Diskussionen um dauerhafte Unterkünfte für Menschen, die ansonsten kein Dach über dem Kopf haben, entbrannt. Mehrere Möglichkeiten zur Unterbringung der Obdachlosen sind im Gespräch.

Auf der Straße schlafen muss in Bitburg niemand. Nachdem Anfang des Monats im Keller des städtischen Obdachlosenheims aus ungeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen war, hatte die Stadt die Bewohner des Gebäudes sofort in die alte Schule in Bitburg-Mötsch umquartiert. Doch nicht erst seit dem Unglück, bei dem erfreulicherweise niemand verletzt wurde, macht man sich in der Stadt über eine neue Unterbringungsmöglichkeit für Obdachlose Gedanken. Denn den baufälligen Zustand des Gebäudes habe er bereits im März thematisiert, sagt Bürgermeister Joachim Kandels. Im Juni sei auch im Ältestenrat darüber gesprochen und die Verwaltung beauftragt worden, nach Alternativen zu suchen. Bauamtsleiter Berthold Steffes erklärt: "Auch wenn die Schadenshöhe, die der Brand im Keller des Obdachlosenheims verursacht hat, noch nicht feststeht, erscheint uns eine Sanierung des Gebäudes wenig wirtschaftlich." Denn das zweistöckige Haus sei nahezu abrissreif.
Man müsse Decken, Böden, die Versorgungsleitungen und auch die Heizungsanlage erneuern, erklärt Steffes, wenn man das Haus an der ehemaligen Bahnlinie wieder in Schuss bringen wolle.
Daher lote man im Rathaus derzeit Alternativen aus. Auch im Stadtrat macht man sich Gedanken. Zunächst steht zur Diskussion, was man mit dem beinahe abgebrannten Obdachlosenheim in der Mötscher Straße vorhat. "Dieses eigentlich sehr schöne und erhaltenswerte Gebäude solle verkauft werden, schlägt Stadtratsmitglied Stefan Garçon (SPD) in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung vor. "Vorher sollte mit der Denkmalpflege über eine Unterschutzstellung gesprochen werden, damit dort niemand ein 38-Familienhaus baut."

Container: Doch bei der Stadtverwaltung sieht man diesen Vorschlag kritisch. Steffes: "In der Innenstadt ist dieser Standort für uns zur Unterbringung von Obdachlosen eigentlich alternativlos." Heißt: An anderer Stelle ist dafür kein Platz. Von einem Verkauf will man deshalb im Rathaus nichts wissen. Das marode Bahngebäude aus dem Jahr 1910 sei zudem nicht erhaltungswürdig, sagt Steffes, das habe er bereits mit dem Denkmalschutz abgeklärt. Die Stadt würde es am liebsten abreißen und an gleicher Stelle Wohncontainer aufstellen, um den Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Die Containerlösung sei günstig, meint Steffes, und zudem sicher, da sie wenig Angriffsfläche für Vandalismus biete. Denn viele Scheiben, Türen und auch sonst alles "was sich einschlagen, eintreten oder beschmieren" lasse, sei im Obdachlosenheim der Zerstörungswut einiger Bewohner zum Opfer gefallen. Der Vandalismus, sagt Steffes, sei auch der Hauptgrund dafür, weswegen das städtische Obdachlosenheim solch einen desolaten Eindruck mache. Da das Land derzeit Wohncontainer, die ehmals zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt wurden, ausmustere, könne man solche eventuell günstig beschaffen, meint Steffes. Die Stadt kalkuliere dabei mit Kosten von 130 000 Euro für Wohn- und Sanitärcontainer zuzüglich der Abrisskosten von 50 000 Euro. Die Containersiedlung ließe sich je nach Bedarf erweitern. Derzeit biete die Stadt zwölf Menschen ein Dach über dem Kopf, sagt Steffes.
Nach einem Abriss des alten Obdachlosenheims könnte man dort zunächst Wohncontainer für 15 bis 20 Personen und einen Sanitärcontainer aufstellen und vorsorglich weitere Fundamente für mögliche weitere Container gießen. Kandels: "Wir müssen den Menschen auch keinen Luxus bieten. Zumal viele nicht in der Lage sind, Wohnungen, die man ihnen bietet, auch zu reinigen." Die CDU-Fraktion präferiert ebenfalls die Containerlösung: "Damit möglichst schnell vernünftig Abhilfe geschaffen wird", sagt Michael Ludwig, CDU-Fraktionsvorsitzender.

Alternative: Die Verwaltung prüfe derzeit auch noch die Möglichkeit, Obdachlose in Gebäuden auf dem Flugplatz unterzubringen, sagt Steffes. Letztlich muss der Stadtrat ein neues Konzept zur Unterbringung von Obdachlosen billigen. Deshalb ist das Thema auch schon als Tagesordnungspunkt der nächsten Ratssitzung, die am Donnerstag, 27. Oktober, um 17 Uhr beginnt, festgelegt.Extra

Das alte Obdachlosenheim mag zwar marode sein, aber es ist immerhin geräumig und möbliert. Den Menschen wurde dort nach Angaben der Stadt damit aber viel mehr Wohnraum und auch Komfort geboten, als vom Gesetz gefordert. Denn die minimalen Anforderungen, die der Gesetzgeber für die Unterbringung von Obdachlosen fordert, seien dagegen recht spartanisch, erklärt Werner Krämer, Pressesprecher der Stadt Bitburg. "Der Obdachlose hat keinen Anspruch darauf, den heute üblichen Wohnkomfort zu erhalten." Die Stadt müsse Obdachlosen keine eigene Wohnung, sondern nur ein auf die einfachsten Verhältnisse abgestelltes Obdach mit Zugang zu Wasser und Strom, das menschenwürdig sei, zur Verfügung stellen. Derzeit biete die Stadt zwölf Menschen in drei Gebäuden ein Obdach, sagt Krämer. Die Zahl der Obdachlosen variiere jedoch ständig. cmo