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Stadt Neuerburg stellt sich dem dunklen Kapitel der Hexenverfolgung im Neuerburger Land

Stadt Neuerburg stellt sich dem dunklen Kapitel der Hexenverfolgung im Neuerburger Land

Bei einer Gedenkveranstaltung zum Thema "Hexenprozesse im Neuerburger Land" haben sich rund 60 Bürger auf eine Zeitreise vom Mittelalter bis in die Gegenwart mitnehmen lassen. Referenten waren der evangelische Theologe Hartmut Hegeler, der seit Jahren für die Rehabilitierung der Opfer kämpft, und Marita Spang, die Autorin des in Neuerburg angesiedelten Romans "Hexenliebe".

Neuerburg. Leidenschaftlich und beinahe missionarisch steht Hartmut Hegeler vor den rund 60 Interessierten in der Neuerburger Burgkapelle und zeigt in einem spannenden Vortrag auf, wie ungerecht und perfide die Hexenprozesse in der Zeit von 1500 bis 1782 waren. Auf der Suche nach einem Sündenbock für schlimme Ereignisse wie jahrelange Wetterkatastrophen und Missernten hatten die Opfer keine Chance. "Kirche, Justiz, Regierung, Bevölkerung - alle waren daran beteiligt", sagt er. "Und die Mechanismen sind heute noch aktuell: Mobbing, Diffamierung, Machtmissbrauch, Gerüchte - oftmals anonym im Internet."

60 000 Menschen wurden in Europa Opfer der Hexenverfolgung, 25 000 in Deutschland: 55 Opfer gab es allein in der damaligen Herrschaft Neuerburg. Eines davon war Magdalena Pirken, die 1613 als Oberhexe besagt, also angeschwärzt worden war. Stellvertretend für alle Opfer hat Marita Spang ihr das Buch "Hexenliebe" gewidmet. "Als Psychologin war es mir wichtig, die typische Charakteristik von Opfern, Tätern, Mitläufern und Fanatikern darzustellen und Parallelen zu den heutigen Mechanismen von Ausgrenzung und Unterdrückung aufzuzeigen", sagt sie. Beide, Hegeler wie Spang, sind sich einig: Die Opfer waren alle unschuldig und sollten rehabilitiert werden.

Die Zuhörer, darunter ein Englisch-Kurs des Neuerburger Gymnasiums, der sich gerade mit Arthur Millers "The Crucible" (deutscher Titel: Hexenjagd), befasst, sind beeindruckt. "Man kriegt Gänsehaut und Wut, wenn man sieht, wie Menschen sich verblenden lassen, wie sie mitziehen in der Masse", fasst Reimund Bleidorn aus Trier seine Gefühle in Worte. Markus Kolf, der die Veranstaltung im Auftrag der Stadt organisiert hat, ist sicher: "Was wir heute mitgenommen haben, hat ein deutliches Signal gesetzt." Der Stadtrat wird bald darüber beraten, in welcher Form die Opfer von damals heute wieder zu Ehren kommen können.

Eine Möglichkeit wäre, schlägt Volker Krump von der Jugendburg während der abschließenden Nachtwanderung vor, die Skulptur am Hexentanzplatz mit Namen zu versehen. Zudem will sich der Knaur-Verlag, bei dem "Hexenliebe" erschienen ist, dort mit 500 Euro an einer Gedenktafel beteiligen. wiw