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Stadt versilbert Mietshäuser

Stadt versilbert Mietshäuser

BITBURG. Tafelsilber oder Ladenhüter? Sieben Mehrfamilienhäuser aus ihrem Besitz will die Stadt Bitburg verkaufen. Rund 1,4 Millionen Euro sind die Gebäude laut Gutachten wert.

Grüner Rasen, hohe Bäume und quitschblaue Briefkästen: Einen netten, friedlichen Eindruck macht die Wohnsiedlung in der Ludwig-Jahn-Straße in Bitburg an diesem warmen Sommermorgen. Autos parken vor den Häusern, mit seinem postgelben Fahrrad ist ein Briefträger unterwegs. Fünf der Mehrfamilienhäuser, die das Bild der Straße prägen, gehören der Stadt Bitburg. Und die möchte sie gerne verkaufen. Insgesamt sieben Mietshäuser mit 26 Wohnungen hat die Stadt in ihrem Besitz. Zu den Häusern in der Ludwig-Jahn-Straße kommen ein Haus in der Eifelstraße und eins in der Franz-Mecker-Straße. Diese Häuser sollen den Besitzer wechseln - sofern sich ein Käufer für sie findet. Die von 1935 bis 1937 gebauten, ursprünglich von Militärangehörigen bewohnten Gebäude kaufte die Kommune Anfang der 50er Jahre vom Bauverein. Damals herrschte Wohnungsmangel. Zwei Etagen, Treppenhaus in der Mitte, links und rechts je zwei Wohnungen - sechs der sieben Häuser sind nach dem gleichen Muster gebaut. "Es sind Zweckbauten, keine städtebaulichen Wunderwerke", sagt Helmut Thielgen von der Bitburger Stadtverwaltung. Zwischen 60 und 100 Quadratmetern sind die Wohnungen groß, vermietet sind sie alle. In den Jahren 1995 und 1996 ließ die Stadt die Häuser für knapp 800 000 Euro modernisieren - laut Thielgen die erste große Sanierung seit dem Bau in den 30er Jahren. Gas-Zentralheizungen bauten die Handwerker ein, neue Fenster, Bäder, Eingangs- und Wohnungstüren und eben die quietschblauen Briefkästen. Außerdem wurden die Treppenhäuser renoviert, die Dächer geflickt und die Grünflächen verschönert. Die Wohnungen seien "auf dem üblichen Stand", sagt Thielgen, nicht luxuriös, aber zweckmäßig.Verkauft wird einzeln oder als Gesamtpaket

Verkaufen will die Stadt die Häuser entweder als Gesamtanlage oder auch einzeln. Nach einem Gutachten sind sie zusammen rund 1,4 Millionen Euro wert - eine Summe, die die klamme Kommune gut gebrauchen könnte. Etwas weniger, rund 1,2 Millionen Euro, sind im aktuellen Haushalt als Verkaufseinnahmen vorgesehen. Werden die Häuser verkauft, fallen dafür natürlich Mieteinnahmen weg. Aufgrund des Bauzustands gehen Experten aber davon aus, dass mittelfristig die Häuser in ihrer derzeitigen Form zu Zuschussobjekten werden könnten. Das Haus in der Franz-Mecker-Straße hätte bereits den Besitzer wechseln können. "Wir hatten das Gebäude einzeln inseriert", berichtet Thielgen. Ein Kaufinteressent sei bereit gewesen, mehr als die 237 000 Euro, die das Gebäude nach Gutachten wert ist, zu zahlen. Doch, der Bauausschuss der Stadt habe den Verkauf abgelehnt. Zwischen 160 000 und 250 000 Euro sind die anderen Häuser je nach Größe und Lage laut Gutachter wert. In den kommenden Wochen will die Stadt diese Gebäude öffentlich anbieten. "Wir werden sehen, was die Ausschreibung bringt", sagt Thielgen. "Dann müssen die politischen Gremien entscheiden." Für die Bewohner der sieben Häuser wird sich voraussichtlich nicht viel ändern. Die Wohnungen in Eigentumswohnungen umzuwandeln sei nicht geplant, sagt Thielgen. "Die Funktion als Mietwohnraum bleibt erhalten."