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Stadthalle Bitburg: Jetzt soll Ralf Britten ran

Stadthalle Bitburg : Jetzt soll Ralf Britten ran

Der Gründungsdirektor des Trifolions in Echternach soll bei der Vermarktung der Bitburger Stadthalle als Berater helfen. Das haben Stadtrat und Aufsichtsrat der Bitburger Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft mehrheitlich beschlossen.

Es muss etwas passieren. Daran besteht in der Runde kein Zweifel. Und in welche Richtung diese Entwicklung gehen soll, auch darin sind sich alle einig. Bei der Vorgehensweise gehen die Meinungen allerdings auseinander.  Die einen wünschen sich mehr Transparenz, die anderen mehr Tempo. Und wie scheint, lässt sich beides nicht vereinen. Der Antrag, den die Bitburger SPD-Fraktion zur gemeinsamen Sondersitzung des Stadtrats und des Aufsichtsrats der Bitburger Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft (BVB) einreicht, erhält jedenfalls nicht die erforderliche Zustimmung.

Es geht um die Bitburger Stadthalle. Zum 30. September dieses Jahres endet der Vertrag mit dem bisherigen Pächter, der Firma Schneider Promotion aus Speicher. Danach wird die Stadt das bislang ziemlich glücklose Kapitel Verpachtung schließen und die Vermarktung der Halle selbst in die Hand nehmen. In der gemeinsamen Sitzung, die aufgrund der corona-bedingten Hygiene- und Abstandsregeln, nicht im Sitzungssaal des Rathauses, sondern passend dazu in der Stadthalle stattfindet, soll nun um die weitere Vorgehensweise beschlossen werden.

Die städtische BVB, die für die Geschäftsbereiche Cascade, Eissporthalle und Stadthalle zuständig ist, hat dazu eine Beschlussvorlage erarbeitet. Darin wird empfohlen, dass die Stadt zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle eines Veranstaltungs- und Projektmanagers ausschreibt und darüber hinaus einen externen Berater für die Erstellung eines Betreiberkonzepts engagiert.

Desweiteren schlägt die BVB vor, neben der Umsetzung des Betreiberkonzepts auch die Entwicklung eines Stadtleitbildes und die schrittweise Etablierung eines Stadtmarketings voranzutreiben und dafür auch Mittel im städtischen Haushalt bereitzustellen. Es geht also nicht nur um ein Zukunftskonzept für die Halle, sondern um ein Gesamtkonzept, in dem die Halle ein Baustein ist. Und hier kommt Ralf Britten ins Spiel.

Der in Bitburg lebende Jurist und Direktor des Trifolions in Echternach wird im öffentlichen Teil der Sitzung zwar namentlich nicht erwähnt. Dass der CDU-Mann und derzeitige Europabeauftragte des Eifelkreises aber derjenige ist, der die Beratertätigkeit übernehmen soll, ist für die Mehrheit im Rat gesetzt und wird im anschließenden nichtöffentlichen Teil der Sitzung mit dieser Mehrheit schließlich auch beschlossen. Zuvor aber wird im öffentlichen Teil noch eifrig diskutiert.

So fordert die SPD in ihrem Antrag, zunächst ein mit den örtlichen Vereinen und Kulturschaffenden abgestimmtes Konzept erstellen zu lassen, bevor ein Berater engagiert wird. Zudem wünschen sich die SPD-Fraktionsvorsitzende Irene Weber als auch ihre Parteikollegen Heiko Jakobs und Celestino Gombo mehr Transparenz im gesamten Verfahren. Das fordert auch Alexander Jutz von den Grünen. Er stellt nicht die Eignung des Kandidaten für den Beraterposten infrage, kritisiert aber, dass es „bereits seit den ersten Gesprächen im Januar immer nur um diese eine Person“ gegangen sei.

Für CDU-Fraktionssprecher Andreas Gerten hingegen wirft genau das die Frage auf, warum der Antrag der SPD erst so spät kommt. „Ich verstehe die Diskussion nicht“, sagt Gerten. „Wir beschäftigen uns damit doch schon seit Januar“. Einen solchen Antrag, so der CDU-Mann, hätte er sich bereits vor vier Monaten gewünscht.

Ähnlich sieht das auch Patrick Nora. „Es ist schon viel zu viel Zeit ins Land gegangen“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende, der dem Antrag der SPD eine klare Absage erteilt und im Gegenzug den Beschlussvorschlag der BVB lobt. „Wir brauchen Hilfe von außen, weil wir das Know-how nicht haben“, so Nora. „Und ich denke, dass wir da einen sehr guten Kandidaten ausgewählt haben.“

Dieser Meinung ist auch Manfred Böttel, Chef der FBL-Fraktion. „Wir sind froh, jemanden gefunden zu haben, der diese besondere Qualifikation hat“, sagt Böttel. Und wer ihn (also Britten) kenne, der wisse, dass die Stadthalle für ihn eine Herzensangelegenheit ist. Andere Befürworter argumentieren ähnlich, wohingegen das Herz von Petra Streit (Liste Streit) mit dieser Vorgehensweise nicht erobert wird. „Was jetzt hier passiert ist für mich ein absolutes No-Go“, sagt Streit und ergänzt: „Ich habe da ein anderes Demokratieverständnis.“

Wie auch immer: Am Ende siegt die Demokratie insofern, dass das gemacht wird, was die Mehrheit wünscht: Britten wird als externer Berater der Stadt beauftragt. Und das für einen Zeitraum bis Ende 2022. Interessenskonflikte mit seinem derzeitigen Arbeitgeber gibt es dabei aber nicht. Vor einem halben Jahr hat der Echternacher Bürgermeister und Trifolion-Verwaltungsratsvorsitzende Yves Wengler in einer Presseerklärung mitgeteilt, dass Britten das Kultur- und Kongresszentrum zum 30. Juni 2020 verlassen werde. Der Gründungsdirektor, so Wengler, wolle seine Tätigkeit in Echternach aufgeben, um sich neuen Herausforderungen zu stellen.  Von einer Aufgabe geht es also nahtlos zur nächsten. Besser könnte das Timing nicht sein.