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Stadtkyll: Das Ende des Waldfreibads im Wirfttal 2014

Freizeitanlagen : Das trübe Ende nach 44 Jahren

In wenigen Tagen ist es nur noch eine Erinnerung: Das Waldfreibad der Verbandsgemeinde Obere Kyll. Im Wirfttal bei Stadtkyll haben gestern die Abrissarbeiten begonnen. Die Kommune kann das Bad nicht mehr bezahlen.

Aus, vorbei, Vergangenheit: Am Waldfreibad in Stadtkyll sind die Bagger angerückt, füllen die Becken mit Erdaushub und fressen sich in die Gebäude. Nicht mehr lange, und das Bad wird verschwunden sein – es bleiben nur noch die Erinnerungen seiner vielen, am Ende mehr als zwei Millionen Besucher in den 42 Jahren, in denen es geöffnet war. Egal, ob sie dort ihren ersten „Köpper“ vom Fünf-Meter-Sprungturm oder vielleicht, noch gefährlicher, ihren ersten jugendlichen Flirt wagten.

„Es ist eine traurige Sache“, sagt Manfred Müller aus Stadtkyll, der in den Anfangsjahren das Bad beaufsichtigte und die Technik bediente. „Das ist ja wirklich hier herum das schönstgelegene Bad.“ Den Abriss findet er ärgerlich, zumal er glaubt, dass man die Einrichtung „schon noch hätte retten können“.

Seit dem Sommer 2012 aber ist die Anlage bereits geschlossen. Sie hätte umfassend saniert werden müssen, für einige Millionen Euro – Geld, das die hochverschuldete Verbandsgemeinde Obere Kyll nicht hat.

 Und weil die Gäste im Landal Green Park von ihren Bungalows im Hang über dem Bad nicht mehr auf eine Anlage schauen sollen, die sie nicht benutzen dürfen, muss alles verschwinden. Der niederländische Betreiber bezahlt den Abriss (der TV berichtete).

 Alles wird entfernt: Hauptgebäude mit Restaurant, Wohnung und Terrasse, die Umkleide, der Sprungturm, die Riesenrutsche. Die Becken werden abgebaut, die Löcher mit Erde verfüllt. Am Ende wird eine grüne Fläche bleiben, auf der dann etwas Neues entstehen soll: „Der Gedanke wären Freizeitmöglichkeiten, die für die Gäste von Landal und gegebenenfalls auch für die Bürger in der Verbandsgemeinde interessant sind“, sagt VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz. „Zum Beispiel Wellnesslandschaften, Kletterlandschaften etcetera.“

Genauere Vorstellungen bestehen noch nicht. Die VG hat bereits mögliche Investoren angesprochen, allerdings sei das alles noch nicht weit gediehen bisher – zumal es im Moment keine Aussicht auf Landesförderung gebe. Denn dafür würden derzeit neue Richtlinien erarbeitet – „sodass man erst Mitte nächsten Jahres wissen wird, was gefördert werden kann.“

 „Es ist natürlich auf der einen Seite schade“, sagt die Bürgermeisterin. „So ein Abriss ist etwas Endgültiges. Aber es ist gleichzeitig ein Neuanfang, bei dem wir hoffentlich andere Dinge hinbekommen, die für unsere Region Gewinn bringen.“

Eröffnet wurde das Waldfreibad zur Amtszeit des VG-Bürgermeisters Otto Friedrich im Juli 1970. 1,2 Millionen Mark hatte der Bau in schönster Lage gekostet, es folgten viele Jahre mit hohen Besucherzahlen – zu den stärksten Zeiten rund 50 000 im Jahr, einmal waren es sogar 87 000. Das ist alles lange vorbei, zuletzt konnte man froh sein, wenn es noch 25 000 waren, der jährliche Verlust für die Kommune lag bei 180 000 Euro.

 Zwar hatte die Landesregierung noch vor einiger Zeit eine Förderung für Sanierung und neues Konzept in Aussicht gestellt – am Ende aber zog Mainz zurück (der TV berichtete). Auch eine verkleinerte Variante mit nur noch einem Schwimmbecken wurde diskutiert, blieb aber lediglich Entwurf.