Städteduell: Wie Bitburg und Wittlich die Konversion meistern

Städteduell: Wie Bitburg und Wittlich die Konversion meistern

Zwei Städte, zwei unterschiedliche Wege zur zivilen Nutzung: Sowohl Bitburg als auch Wittlich haben vor der Herausforderung gestanden, eine einst vom Militär genutzte Fläche zu erschließen. Der TV vergleicht den Prozess der Veränderung – von der Garnison zum Vitelliuspark, von der Airbase zum Gewerbezentrum.

Auf dem Flugplatz Bitburg floriert das Gewerbe, dank der mutigen Pioniere. Foto: Portaflug. Foto: (e_bit )
Um 1979: Tag der offenen Kaserne in Wittlich. Foto: Peter Mußweiler
Foto: Stadtverwaltung Wittlich

Fangen wir doch bei dem an, was sich gleicht: Wenn das Militär abzieht, hinterlässt es eine Fläche, die erst einmal völlig nutzlos geworden ist. Die neu entwickelt und wieder mit Leben gefüllt werden will: mit Bürgern, die dort wohnen, arbeiten und einkaufen oder ihre Kleinen in den Kindergarten bringen. Das nennt man Konversion. Und vor dieser Herausforderung standen sie beide, Bitburg und Wittlich - wenn auch auf ganz unterschiedliche Art. Wittlich hat sein Gesicht am südlichen Stadtrand völlig verändert. An die Vergangenheit mit den Franzosen erinnert dort heute kaum mehr etwas. Auch die Bitburger haben ihren Weg zur zivilen Nutzung der Airbase so erfolgreich beschritten, dass er sogar als "Bitburger Modell" in die Geschichte einging - allerdings ebenso wie die Eskapaden mit Frank Lamparski. Der Versuch eines Vergleichs:

Das war damals: Von 1951 bis 1999 war Wittlich Garnisonsstandort der französischen Armee. Eine Stadt in der Stadt, umgeben von Mauern und Zäunen, eineinhalb Mal so groß wie die Kernstadt. Unmittelbar daran grenzten Wohnblocks, in denen ein Teil der Soldaten mit ihren Angehörigen lebten. 18 Hektar umfasste der Kasernenbereich - ziemlich groß? Naja, die Bitburger hatten es mit 484 Hektar zu tun, als die Amerikaner 1994, nach 42 Jahren, ihre Airbase verließen. Während die Wittlicher den Großteil der Anlagen in der ehemaligen Garnison abrissen, blieben in Bitburg viele der Bauten stehen: Sie sind heute zu Produktionshallen oder Firmenbüros geworden.

Das kostete: Es machte Schule, das Bitburger Modell, geregelt in einem städtebaulichen Vertrag von 1995, nach dem der Bund 50 Prozent der Erschließungskosten, das Land 45 Prozent und der Zweckverband, bestehend aus Eifelkreis, Verbandsgemeinde, Stadt sowie den Ortsgemeinden Scharfbillig und Röhl, fünf Prozent zahlten. Seit 1994 wurde dort mehr als 33 Millionen Euro investiert. In Wittlich steckte man in die Erschließung des Geländes insgesamt 10,6 Millionen Euro. Die Stadt zahlte bereits 2009 sowohl die aufgenommenen Kredite als auch die Fördermittel des Landes zurück. Nach Angaben der Verwaltung sind alle Ausgaben durch Erlöse aus den Grundstücksverkäufen gegenfinanziert.

Das war schwierig: Wittlich hatte es mit dem Eigentümer der Kaserne zunächst schwer. Mehr als fünf Jahre verhandelte die Stadt mit dem Bund, bis im Juni 2004 endlich der Kaufvertrag unterschrieben werden konnte. Erst dann ging das Gelände in den Besitz der Stadt über - für zwei Millionen Euro. Ein anderer Vertrag kam erst gar nicht zustande - der in Bitburg, wo 18 Jahre in den Plan investiert wurden, Rollbahn und die Flächen ringsum zu einem Fracht- und Passagierflughafen zu entwickeln. Doch am Ende konnte der luxemburgische Projektentwickler Frank Lamparski weder die 1,2 Milliarden Investorengeld noch das versprochene Startkapital von 30 Millionen Euro fristgerecht vorlegen. Übrig geblieben ist heute nur noch die Flugplatz GmbH, die die Infrastruktur inklusive Tower weiter erhalten will.

Das ist heute: Auf dem Flugplatz arbeiten heute 1700 Menschen in 160 Unternehmen. 180 von dem rund 500 Hektar großen Areal sind vermarktet, gerade neu erschlossen wurde der B-Shelter-Bereich, mit dem nun insgesamt noch 50 Hektar Gewerbeflächen im Angebot sind. Statt Kasernen der französischen Armee stehen in Wittlich heute Wohnhäuser. Am Rand des Vitelliusparks ist das Haus der Vereine entstanden. Die Stadt hat im Vitelliuspark einen Kindergarten errichtet. Auch siedeln dort insgesamt 16 Unternehmen, vom Ein-Mann-Betrieb bis zum großflächigen Einzelhandel mit mehr als hundert Beschäftigten. Vier Großhändler gibt es - Edeka, Aldi, Expert (ehemals Promarkt9 und Globus. Und es geht weiter: Das Angebot soll um einen Matrazenmarkt, Netto, Burger King, Dunkin Donuts sowie einen Möbel-, Drogerie- und Tierfachmarkt plus Back-Shop und Café ergänzt werden.

Das kommt noch: Das nächste Großprojekt ist in Bitburg bereits in vollem Gange - und verspricht auch ohne flower power (englisch für Blumenkraft) ein Erfolg zu werden. Die Kaserne an der Mötscher Straße ging 2012 an den Bund zurück, 14 von 21 Gebäuden stehen unter Denkmalschutz. Im Nullkommanichts hatten elf Bieter im vergangenen Jahr für 2,8 Millionen Euro alle gekauft. Nun siedeln sich die ersten Firmen an, die Bauarbeiten für Büros und Wohnungen laufen.

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