1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Stationen eines Romans: Mit Marita Spang durchs mittelalterliche Neuerburg

Stationen eines Romans: Mit Marita Spang durchs mittelalterliche Neuerburg

Mit ihrem in Neuerburg angesiedelten historischen Roman "Hexenliebe" hat die Schriftstellerin Marita Spang den Literaturpreis Goldener Homer gewonnen (der TV berichtete) und die Stadt weit über die Grenzen hinaus bekannt gemacht. Auf einem Stadtspaziergang hat sie unserer Mitarbeiterin Wilma Werle am Wochenende die wichtigsten Handlungsorte ihres Buchs gezeigt.

Mit Marita Spang durch Neuerburg zu spazieren, sorgt zunächst für etwas Orientierungslosigkeit. Befinden wir uns noch im Jahr 2015? Oder haben wir, ohne es zu merken, eine Zeitreise ins Mittelalter gemacht? Nicht alle Details ihres Romans sind historisch verbürgt, aber es gelingt der Autorin meisterhaft, Fiktion und Wirklichkeit miteinander zu verweben.Spuren an jeder Ecke


An fast jeder Ecke der Stadt taucht sie in ihren Roman ab: "Hier in der Hohlgasse kam Claudia von Leuchtenberg von der Burg hinunter in den Ort", begeistert sie sich. Und das wirkt ansteckend. Es ist ein Leichtes zu imaginieren, wie das Edelfräulein in feinem Gewand über die Pflastersteine schritt oder auch, wenn sie in geheimer Mission unterwegs war, verkleidet mit Haube und dicken Stiefeln, um nicht erkannt zu werden.
"Auf der anderen Seite der Enz wohnten die armen Leute im Weiherviertel. Das ist der ehemalige Friedhof neben der Eligius-Kapelle, wo der Knecht Hilarius das tote Kind der Magd ausgegraben hat. Dort drüben stand die Kate der Magdalena Pirken. Hier an den Wasserfällen waren die Walkmühlen der Tuchmacher."
Wie kommt die gebürtige Triererin, die heute in der Nähe von Bad Kreuznach wohnt, auf die Idee, ihren Debutroman ausgerechnet in Neuerburg anzusiedeln? Es begann mit einem Zufall während eines Wanderurlaubs im Jahr 2009. "Normalerweise bin ich nicht esoterisch veranlagt, aber bei dem Schild am Hexentanzplatz im Wald hat es Klick gemacht. Dieses Thema hat mich schon immer interessiert." Der Überlieferung zufolge war die Frau des Burgherrn plötzlich verstorben, die Kräuterfrau Magdalena geriet unter Verdacht und wurde hingerichtet.Halbes Jahr recherchiert


Fast ein halbes Jahr hat Marita Spang die mittelalterliche Geschichte Neuerburgs studiert, auch die Dokumente der 70 Hexenprozesse zwischen 1580 und 1635. Die Beschreibung auf dem Schild entpuppt sich zwar in Teilen als Legende, aber Spang erkennt: "Es ist ein bis heute gültiges psychologisches Phänomen, dass Menschen bei unerklärlichen Ereignissen die Verantwortlichen suchen." Schon in der Bibel ist vom Sündenbock die Rede, im Mittelalter waren es die sogenannten Hexen. "Magdalena Pirken war eine anständige Frau und ist tatsächlich hingerichtet worden. Mit meinem Roman kann ich ihr ein Denkmal setzen."
Der Spaziergang führt durch den Wald weiter zur Burg, dann hinunter zum stattlichen Pfarrhaus mit seinem Rundturm. "Im Roman ist das hier das Lehnshaus." Wen würde es nach diesem Rundgang noch wundern, wenn nun Amtmann Christoph de la Val leibhaftig aus dem Torbogen hervortreten würde?Extra

Drei Fragen an ... Anna Kling, Stadtbürgermeisterin von Neuerburg

Ein Roman über Neuerburg - das ist in Sachen Marketing wie ein Sechser im Lotto. Wie kann die Stadt diese überregionale Bekanntheit nutzen?
Anna Kling: Mit Sicherheit wollen wir hier keinen Hexenkult mit Besen, alten Weibern und Hakennasen. Wichtig ist die Auseinandersetzung mit der historischen Wirklichkeit hier vor Ort. Die Grundzüge dessen, was damals passiert ist, findet man heute noch überall.

Wie kann diese Auseinandersetzung konkret aussehen?
Kling: Wir planen, vermutlich zunächst an sechs Stationen in der Stadt, Infotafeln anzubringen, zum Beispiel an der Burg, der Eligius-Kapelle oder am Hexentanzplatz. Darauf sollen geschichtliche Informationen Platz finden, dazu Zitate oder Beschreibungen aus dem Roman. Dies könnte später auch auf andere historische Stätten ausgeweitet werden. Dabei hoffen wir auf die Unterstützung von Sponsoren.

Sie sind eben den exklusiven Rundweg mit Frau Spang auf den Spuren von "Hexenliebe" mitgegangen, haben ihre Begeisterung erlebt. Wann wird die Bevölkerung die Möglichkeit dazu haben?
Kling: Am 2. Oktober wird es in Neuerburg eine Gedenkveranstaltung geben für die als Hexen verfolgten Frauen und Männer. Damit sind wir derzeit in Planung. Fest steht, dass Frau Spang an diesem Tag vor Ort sein wird und während eines Rundwegs Auszüge ihres Romans vortragen wird. wiw