Statt Wasser läuft Bier

Was würden Sie sagen, wenn aus Ihrem Stadtbrunnen plötzlich Bier plätschert? Und das auch noch ganz kostenlos? Die Bitburger Brauerei macht es am Sonntag, 12. Juli, auf dem Folklore-Festival möglich. Dann strömt für eine Stunde Gerstensaft statt Wasser aus dem Bierbrunnen.

Sie stehen in fast jeder Stadt, sie dienen als beliebter Platz für ein schönes Urlaubsfoto, und Wanderer freuen sich meist über ihre Abkühlung: Brunnen. Groß, klein, reichlich verziert, imposant oder einfach nur pragmatisch zur kleinen Wasserspende gedacht. Doch wie wäre es mit einer Bierspende? Das dachte sich auch der Bürgermeister von Bitburg, Ernst Diedenhofen, Mitte der 1930er Jahre. Er hatte sich die Idee von den Traubenliebhabern geklaut, die bereits die Weinbrunnen ins Leben gerufen hatten. Aus einer Idee wurde Realität: Bei der Einweihung des Brunnens 1937 konnte man sich ein Bier zapfen (siehe Extra).

Heute steht er auf einem kleinen Platz vor dem Brauerei-Ausschank Zum Simonbräu. Und es plätschert? Wasser. Das soll sich am 12. Juli auf dem Folklore-Festival ändern. Für eine Stunde lang gibt es Freibier. Schanktechniker Michael Nösges von der Bitburger Brauerei hat den Zapfhahn am Sonntag in der Hand: "200 bis 250 Liter Bier. Die kriegen wir auf jeden Fall in dieser Zeit durch. Es wird keiner verdursten." Nösges macht es möglich, dass statt Wasser Gerstensaft fließt. Doch leider nicht wie bei einem Schokobrunnen - eintunken und genießen!

Der Techniker steht direkt neben dem alten Bierbrunnen, zückt den Krug in seiner Hand und hält ihn exemplarisch in Richtung Wasser. "Keine Selbstbedienung mit dem Humpen", sagt er, "wäre 'ne schöne Variante, aber das ist zu unhygienisch". Der Wasserbehälter des Brunnens wird deswegen komplett abgedeckt. Die Wasserrohre werden durch Bierleitungen ersetzt, die wiederum in den Keller unter der Brauerei zu mehreren 50-Liter-Fässern führen. Eine enge Angelegenheit. Denn Nösges muss innerhalb des Brunnens die Säule an einer kleinen Leiter hochkrabbeln, um die Rohre auszutauschen.

Ein Wasserspeier muss einem Zapfhahn weichen. Dort steht Nösges dann am Sonntag auf einem kleinen Podest und zapft mit einem Arbeitskollegen, so viel er kann und vor allem so schnell er kann. "Es kommen noch Beistelltische hinzu, und dann wird hier von ein paar netten Damen Bier ausgegeben", sagt er und lacht. Ein großer Aufwand sei diese Aktion nicht. Nösges spricht von einem Tagewerk.

Doch warum wurde der Brunnen seit seiner Errichtung so selten für den Bier-Ausschank genutzt? Jürgen Brans, Gebietsverkaufsleiter, erklärt: "Es soll etwas Besonderes bleiben. Wenn wir das öfter machen würden, würde der Reiz verloren gehen." 1300 Jahre Bitburg sei der perfekte Anlass. Er erwarte mehr als 500 Besucher, und mit 700 Bierkrügen sei die Brauerei gut vorbereitet.

Ob der Umbau des Brunnens auch wirklich funktioniert hat, können die Besucher am Sonntag um 11.30 Uhr für eine Stunde testen. Und so kleinlich sei die Brauerei mit der Uhrzeit auch nicht …
"Wir wollen jeden glücklich machen. Doch irgendwann muss dann auch Schluss sein. Schließlich kommt ja noch der Festumzug!", sagt Brans. Ab dann reiht sich der Brunnen wieder in den Alltag ein. Zur Abkühlung oder für ein nettes Foto. Mit Wasser.Extra

 An heißen Tagen ein Ort der Frische: der Bierbrunnen in Bitburg.
An heißen Tagen ein Ort der Frische: der Bierbrunnen in Bitburg. Foto: (e_bit )
 An diesen Ort werden beim Folklore-Festival viele Bitburger und ihre Gäste strömen. Dann strömt auch der Gerstensaft. TV-Fotos (3): Sarah Jasmin Schmidt
An diesen Ort werden beim Folklore-Festival viele Bitburger und ihre Gäste strömen. Dann strömt auch der Gerstensaft. TV-Fotos (3): Sarah Jasmin Schmidt Foto: (e_bit )

Aus dem Brunnen fließt Bier: Mitte der 1930er Jahre hatte Ernst Diedenhofen, Kreisleiter und Bürgermeister von Bitburg, die Idee, einen Bierbrunnen errichten zu lassen. Carl Burger, Gründer und Direktor der Steinmetz-Fachschule in Mayen, fertigte den Entwurf an. Da Diedenhofen aus Mayen stammte, wurde der Brunnen aus Mayener Basaltstein gebaut. 6000 Reichsmark kostete die Realisierung der Idee. Zunächst stand der Brunnen auf dem Marktplatz in Bitburg. 1959 war der Bau des neuen Sudhauses fertig, und der Brunnen zog auf die andere Straßenseite. Wie oft der Brunnen zum Bier-Ausschank genutzt wurde, ist unklar. Sicher ist, dass er bei der Einweihung 1937 in Betrieb war. Auch 1967 lief Bier statt Wasser. Zum 175-jährigen Bestehen der Brauerei wurde im Jahr 1992 ebenfalls aus dem Brunnen gezapft. 2006 gab es dann zum letzten Mal einen Ausschank wegen des 77. Geburtstags der Werbefigur Genießer. sjs