Steigbach bei Hersforst soll ab 2020 renaturiert werden

Renaturierung in Herforst : Zurück zum Ursprung

Der Steigbach bei Herforst soll ab 2020 renaturiert werden. Die veranschlagten 483♦000 Euro werden zu 90 Prozent gefördert.

Mit einer Länge von rund fünf Kilometern ist der Steigbach (auch Stegbach genannt) eine recht überschaubare Angelegenheit. Und trotzdem ist dort einiges im Argen, wie die Fotos zeigen, die der externe Fachplaner Sebastian Reihsner in der Sitzung des Rats der Verbandsgemeinde (VG) Speicher auf die Leinwand projiziert.

Zu sehen sind Fichten links und rechts des Bachlaufs, dunkle, enge Durchläufe aus Beton, Rasengittersteine als Uferbebauung, ein Hochsitz, der fast im Bach steht, sowie etliche Rohre, die an der Uferböschung zum Vorschein kommen und von denen keiner weiß, wo sie alle herkommen und was durch diese Rohre dem Steigbach zugeführt wird. Den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wird das Gewässer damit nicht gerecht. Kurzum: Es besteht Handlungsbedarf.

Die VG hat das erkannt und deshalb Reihsner mit der Planung und der fachlichen Begleitung einer Renaturierung beauftragt. Und der Experte präsentiert im Rahmen der Sitzung nicht nur die Mängel, sondern auch die einzelnen Maßnahmen, mit denen diese Missstände behoben werden können.

So sollen die Durchlässe unter den Straßen und Wegen, aber auch die Furten, mittels derer das Gewässer durchquert werden kann, so geändert werden, dass sie auch von den Lebewesen des Bachs überwunden werden können. Die Fichten sollen verschwinden und durch eine andere Bepflanzung ersetzt werden. Zudem setzt der Planer auf eine „Aktivierung der Gewässerauen“.

Ein Knackpunkt dabei sind die Grundstückseigentümer. Denn um das Gewässer in einen ursprünglichen beziehungsweise naturnahen Zustand zu versetzen, ist die VG auf die Unterstützung der Eigentümer der Flächen entlang des Steigbachs angewiesen. „Die Renaturierung des Spanger Bachs hat gezeigt, wie schwierig es ist, an Grundstücke zu kommen“, sagt dazu VG-Bürgermeister Manfred Rodens. Er hofft, dass das beim Steigbach einfacher werden wird.

„Unser Minimalziel sollte sein, mindestens immer auf einer Uferseite Fläche zu bekommen“, erklärt Reihsner. „Sollte auch das auf längeren Abschnitten nicht möglich sein, ist das ganze Projekt gefährdet“, fügt er hinzu. Eine Unterstützung durch die Grundstückseigentümer sei demnach unerlässlich.

Immerhin: An der finanziellen Unterstützung hakt es nicht. 483♦000 Euro soll das Projekt kosten, und die VG geht davon aus, dass davon knapp 444♦000 Euro, also 90 Prozent, über die Aktion Blau Plus des Landes abgedeckt werden. Der entsprechende Bewilligungsbescheid soll bis Dezember vorliegen, sodass die VG zeitnah loslegen könnte.

An diesem Durchlass besteht kein Änderungsbedarf, an dem kleinen Wehr davor allerdings schon. Foto: Uwe Hentschel

„Wir rechnen mit einer Erlaubnis für den vorzeitigen Baubeginn, könnten dann also schon mal mit der Rodung beginnen“, sagt der Planer. Mit der eigentlichen Maßnahme werde dann laut Reihsner wahrscheinlich in der zweiten Hälfte 2020 begonnen.

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