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Steinbruch in Wallersheim rückt ans Dorf

Steinbruch in Wallersheim rückt ans Dorf

Im Steinbruch bei Wallersheim soll sich einiges ändern, die Anlage wird in Richtung Dorf verlagert. Das Abbau-Unternehmen Reichle verspricht, sich an Auflagen zu halten und die Belastungen durch Lärm und Staub zu verringern.

Wallersheim. Im Steinbruch bei Wallersheim stehen Änderungen an (siehe Extra): Die Brecher-Anlage der Firma Reichle und ihr "Klassierer", der das abgebaute Dolomitgestein sortiert, rücken näher ans Dorf.

Viele Bürger befürchten deshalb mehr Lärm und Staub. Zumal bereits jetzt die Belastung durch die täglich durchrauschenden LKW hoch ist - im Ort an der Hauptstraße und für die Anwohner der Gartenstraße, die zur Anlage führt.

Dort will die Gemeinde Abhilfe schaffen, durch den Ausbau eines Wirtschaftswegs. Er soll von der parallel verlaufenden Hersdorfer Straße hinter den letzten Häusern die Zufahrt zur Grube ans Straßennetz anbinden. Dann müssten die LKW nicht mehr durch die schmale Gartenstraße mit ihrer schlecht einsehbaren Einmündung in die Hauptstraße fahren.

"Wir haben zwei Problemfälle", sagt Josef Hoffmann, seit vorigem Jahr Ortsbürgermeister der Gemeinde mit rund 750 Einwohnern. "Die Straße, die dringend notwendig ist, und die Änderungen im Steinbruch - der rückt näher ans Dorf." Die Ortsgemeinde ließ inzwischen auch die Bürger mitreden bei einer Versammlung Ende August: "Wir haben darauf gedrängt", sagt Hoffmann. Es sei besser, "die Fragen heute zu stellen, morgen am Biertisch ist es zu spät."

Insgesamt zu spät ist es dennoch für Walter Thelen, der in der Hersdorfer Straße wohnt, er sieht die Belastung nur vor seine Haustür verlagert. In der Gartenstraße habe man immer sehr langsam fahren müssen: "Aber wenn die jetzt über die Hersdorfer Straße fahren, dann weiß ich nicht, ob die da nicht mit 60, 70 Sachen runterkommen."

Diese Sorge hat der Bürgermeister nicht: Auch in der Hersdorfer Straße werde man langsam fahren müssen, da ja dort abgebremst werden müsse, um auf die neue Zufahrt abzuzweigen. Dennoch: Auch jetzt sei der Krach schon sehr belastend, sagt Thelen: Viele LKW "rauschen schon um halb sechs morgens hier vorbei. Das ist auch nicht angenehm. Und es wird in den nächsten Jahren noch zunehmen."

Beim Reichle Dolomitsteinwerk ist man unterdessen bemüht, Bedenken auszuräumen: "Wir kommen den Bürgern schon insoweit entgegen, als wir einen Teil, der für den Abbau vorgesehen war, stehen lassen", sagt Jürgen Heinz, der kaufmännische Leiter. So werde ein Waldstück, das zwischen Dorf und Steinbruch liegt, nicht geopfert, obwohl man dafür eine Abbaugenehmigung habe. "Die Folge wäre gewesen, dass die ganze Gemeinde in einen tiefen Steinbruch guckt."

Außerdem wolle man durch Bewässerung an trockenen Tagen die Staubentwicklung bremsen. Den zulässigen Lärmpegel (60 Dezibel/A, etwa Gesprächslautstärke, ein LKW erzeugt 80 bis 100 dB/A) werde man nicht überschreiten. Stattdessen versuche man, ihn noch zu verringern.

Auch wenn das alles funktionieren sollte: Ein Problem wird bleiben. Denn etliche LKW-Fahrer sind den Bürgern deutlich zu schnell unterwegs, ein gefährliches Ärgernis vor allem an einer der Bushaltestellen, an der auch die Schüler ein- und aussteigen. Das aber sei nur mit Polizeikontrollen zu lösen, sagt Gemeindechef Josef Hoffmann. Extra Der Steinbruch bei Wallersheim: Die Anlage, gut 600 Meter Luftlinie vom Dorf entfernt, besteht bereits seit 60 Jahren. Heute arbeiten dort zwei Firmen: Thelen und das Reichle Dolomitsteinwerk, das zur Baugruppe Groß im saarländischen St. Ingbert gehört. Erst seit wenigen Jahren wird auch auf der dem Dorf zugewandten Seite des Höhenzugs Material abgebaut. Die Brecher-Anlage war ebenfalls auf der abgewandten Seite errichtet worden. Abgebaut wird Dolomit: Zu Splitt zerkleinert, kommt der Stein unter anderem bei der Herstellung von Asphalt und Beton zum Einsatz. Jedes Jahr, sagt der kaufmännische Leiter Jürgen Heinz, werden davon in Wallersheim etwa 100 000 Tonnen abgebaut - das sind umgerechnet rund 3700 LKW-Ladungen. Künftig sollen es bis zu 200 000 Tonnen werden. Rund zwölf Millionen Tonnen Gestein sollen sich auf dem Gelände befinden. (fpl)Ausflugstipp Steine schauen: Der bundesweite "Tag des Geotops" ist am Sonntag, 19. September. Geotop des Jahres im Gerolsteiner Land ist die Gesteinsfalte bei Densborn. Um 15.30 Uhr wird dazu am Bahnhof eine Exkursion angeboten. Die Teilnahme ist kostenlos. Information und Anmeldungen bei der Tourist-Information Gerolsteiner Land, Telefon 06591/949910. In der Nähe der Kasselburg bei Gerolstein findet man außerdem den "Geoacker", auf dem die Tourist-Information unterschiedliche Gesteinsarten zeigt. (fpl)