Steinernes Zeugnis einer Existenz

Steinernes Zeugnis einer Existenz

Mehr als fünf Jahrzehnte nach ihrem Abriss ist jetzt der wohl einzige materielle Überrest der Synagoge Bitburg aufgetaucht: Eine Marmortafel, die in hebräischer Schrift Namen eines Stifter-Ehepaares trägt. Anlässlich der Ausstellung "Ansichten jüdischen Lebens", in deren Zentrum die Geschichte der Synagoge steht, wird der bedeutende Fund morgen um 15 Uhr erstmals im Kreismuseum Bitburg gezeigt.

Bitburg. Um einer Tankstelle Platz zu machen, wurde die durch einen Bombenangriff im 2. Weltkrieg beschädigte Bitburger Synagoge 1952 dem Erdboden gleich gemacht.

Glaubhafte Schilderung über Ursprung der Tafel



Unwiederbringlich verloren schien jedes bauliche Zeugnis ihrer Existenz - bis Ende 2008 ein überraschender Fund auftauchte. Anlässlich der aktuellen Sonderausstellung "Ansichten jüdischen Lebens" im Kreismuseum Bitburg-Prüm erhielt dessen Leiter, Burkhard Kaufmann, eine 14 mal 20 Zentimeter große Marmortafel mit hebräischer Inschrift. Der Überbringer, der ungenannt bleiben will, berichtete ihm, sie sei beim Abbruch der Synagoge durch das Bauunternehmen seines Vaters aus deren Trümmern geborgen worden.

Gebäude entstand im Klima der Toleranz



Die von Burkhard Kaufmann als "glaubhaft" eingestufte Schilderung über den Ursprung der Tafel bestätigte sich, als Ane Kleine, Jiddistin an der Universität Luxemburg, die Inschrift als "Josef, Sohn des Elieser Levy und seine Frau Sara, Tochter des Mordechai Levy" übersetzte. "Es ist belegt, dass diese beiden genannten Personen unter den Familien waren, die 1876 das Grundstück Ecke Rautenbergstraße und Römerstraße kauften", sagt Burkhard Kaufmann, "sie waren Förderer des Baus". Ob die Tafel eine unter mehreren mit Stifternamen war, kann er nur vermuten.

Tatsache ist jedoch, dass sie als steinernes Dokument die Erkenntnisse ergänzt, die Kaufmanns jüngste Forschungen über die Entstehungsgeschichte der Synagoge zutage gebracht haben: Dass Kreisbaumeister Peter Julius Wolf honorarfrei die Pläne der Synagoge anfertigte, dass ihr Grundstein 1877 in einem Klima der Toleranz gelegt wurde, sie mit Hilfe von Spenden der sieben Familien der jüdischen Gemeinde fertiggestellt und 1878 eingeweiht wurde. Diese und andere bis jüngst völlig im Dunkeln liegenden Einzelheiten - auch das Aussehen des Gebäudes - sind im Rahmen der vom Dokumentationszentrum für Migrationen in Düdelingen (Luxemburg) entsandten Ausstellung "Ansichten jüdischen Lebens zwischen Maas, Mosel und Rhein vom Ende des 19. Bis 20. Jahrhunderts" im Kreismuseum Bitburg-Prüm dokumentiert. Den Anstoß zu den Forschungen hatte eine bislang unbekannte historische Postkartenansicht der Synagoge aus der Sammlung des Franzosen Gérard Silvain gegeben (der TV berichtete). Morgen, Sonntag, 15 Uhr werden das rund 100 Jahre alte Postkartenoriginal und die Marmortafel im Rahmen einer Führung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Es werden auch der Sammler Gérard Silvain, die Kuratorin des Düdelinger Dokumentationszentrums Antoinette Reuter und Jiddistin Ane Klein anwesend sein.

Die Ausstellung ist noch bis 15. März zu sehen. Öffnungszeiten: Januar und Februar nur sa und so von 14 bis 17 Uhr, ab März täglich, außer dienstags, 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung, Telefon 06561/683888.