1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Stille in Wolsfeld: Das Bergrennen fällt aus.

Motorsport : Pfingsten ohne Bergrennen: „Wolsfeld, wir kommen wieder!“

Spaziergang durch ein ungewöhnlich ruhiges Dorf: Wo sonst an diesem Wochenende die Motoren aufheulen, herrscht erstmals nach Jahrzehnten Stille.

Gespenstische Stille statt dröhnendem Motorenlärm: Kaum einmal jemand auf der Straße, wo sie sich sonst zu Hunderten im Dorf und zu Tausenden an den Hängen drängten. Nein, das gab es im Ort seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht mehr. Ein Besuch in Wolsfeld an Pfingsten 2020.

„Wir wollten einfach zeigen, dass es uns noch gibt. Und dass wir die Leute hier im Dorf nicht vergessen haben. Und dass wir im nächsten Jahr wiederkommen.“ Immer noch ein bisschen fassungslos und ungläubig zeigt uns Christoph Schackmann den Zettel mit ein paar erklärenden, fast entschuldigenden Worten und dem Logo des Eifel Motorsportclubs Bitburg darauf. Dass halt in diesem Jahr wegen Corona alles anders ist. Dass eben nichts ist. Dazu eine Packung mit lila Schokoladen-Herzchen.

Foto: Jürgen C. Braun

Am Abend zuvor waren Helfer und Mitglieder des Vereins, der seit 58 Jahren das Bergrennen ausrichtet, von Haus zu Haus gegangen. Ein kleines Dankeschön dafür, dass sie in all den Jahren zum „Großen Preis der Südeifel“ gestanden hatten. Dass sie Teilnehmern und Gästen Tor und Tür, Wiese und Hof geöffnet hatten, ein Teil dieses Spektakels waren, das den Namen der Gemeinde weit über ihre Grenzen hinaus getragen hat.

Buntes Gewimmel: So sieht es in Wolsfeld aus, wenn dort Bergrennen ist. Foto: TV/Jürgen C. Braun

„Die meisten“, sagt Schackmann, seit 32 Jahren Präsident des EMSC, „vermissen unser Rennen. Pfingsten ohne Bergrennen, das ist in Wolsfeld wie Weihnachten ohne Tannenbaum.“ Auch für ihn ist es eine vollkommen neue Situation. Seit 1974, erzählt er uns, „habe ich jedes Jahr Pfingsten hier an der Strecke verbracht“. Und dieses Jahr? „Machen wir in Familie.“ Sein Lächeln wirkt fast ein wenig gequält. Aber er gibt auch zu: „Wir wollen das nicht beschönigen. Es gibt auch Leute, die sind froh, dass sie ihre Ruhe haben. Nicht jeder kann sich mit dem Motorsport anfreunden, aber jeder ist ein Teil davon. Auch die, die es vielleicht lieber nicht wären.“ Die Menschen im Dorf trifft es als Gemeinwesen besonders hart. Viele Vereine leben von den Umsätzen an den Pfingsttagen. Einnahmen, die jetzt fehlen, die sonst immer fest eingeplant waren für Dinge, die im Lauf des Jahres anstanden. Vereins-Feierlichkeiten, Reparaturen, die erledigt werden mussten. Irgendwas war immer zu tun. An Pfingsten, beim Bergrennen, wurde der finanzielle Grundstock dafür gelegt, weil (fast) jeder mithalf.

Auf unserem kleinen Gang über die Holsthumer Straße bis ausgangs Wolsfeld, wo sonst der Start ist, begegnen wir keiner Menschenseele. Die große, ans Haus grenzende Wiese des Grundstücks von Adolf Jakoby, wo sonst das VIP-Zelt steht, ist verwaist. Leer, nur viel sattes, geschnittenes Grün. „Morgen“, sagt der Hausherr und zwinkert mit den Augen, „morgen setze ich mich mit meinem Schwiegersohn vor die Tür, und dann applaudieren wir den Teilnehmern, die im Geist vorbei fahren.“ Galgenhumor, was bleibt ihnen übrig, den Menschen in Wolsfeld. Höchstens die Hoffnung auf 2021. Und auf ein Bergrennen ohne Corona.