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Stille und stinkende Örtchen

Stille und stinkende Örtchen

Wie schön die eigene Toilette ist, wird vielen Menschen erst beim Besuch einer öffentlichen Bedürfnisanstalt bewusst. Ganze zwei gibt es davon in der Wittlicher Innenstadt. Im etwas kleineren Bitburg sind es vier, von denen eine allerdings derzeit geschlossen ist. Doch letztlich ist nicht die Anzahl entscheidend, sondern der Zustand. Und der lässt in beiden Städten zu wünschen übrig.

Stille und stinkende Örtchen
Foto: Uwe Hentschel
Stille und stinkende Örtchen
Foto: Uwe Hentschel
Stille und stinkende Örtchen
Foto: Uwe Hentschel

Wer als Ortsfremder in Wittlich eine öffentliche Toilette aufsuchen will, benötigt entweder Kleingeld oder Geduld. Denn in Wittlich gibt es nur zwei dieser Einrichtungen, von denen die eine ihre Tür erst öffnet, wenn 50 Cent eingeworfen werden. Die andere liegt so versteckt, dass auch viele Einheimische von deren Existenz nichts wissen.

Vielleicht aber wollen sie davon auch nichts wissen, denn die öffentliche Bedürfnisanstalt in der Feldstraße, die in der hintersten Ecke eines Parkplatzes zwischen zwei unverputzten Hauswänden liegt, ist kein Ort, zu dem man jemanden schicken würde, der einem nichts getan hat. Dort ist es abends dunkel, dort gibt es keine Seife und dort sehen Waschbecken und Pissoir so aus, als käme es des Öfteren zu Verwechslungen. Zudem wurde die Klobürste mit einer Eisenkette befestigt. Möglicherweise aus gutem Grund. Doch die rostige Kette ist kaputt, und inwieweit das Einfluss auf die Einsatzmöglichkeiten der Klobürste haben könnte, will keiner wissen, der dort sein Geschäft erledigen muss.

Aber immerhin ist das „Vergnügen“ umsonst – im Gegensatz zum Schlossplatz. Dort steht ein Pavillon, und wer die Alternative in der Feldstraße kennt, zahlt gerne den halben Euro. Rechts neben der Tür wird das Geld eingeworfen. Wechselgeld gibt es keins, dafür aber im Inneren ein Edelstahlklo, das nach jeder Benutzung in der Wand verschwindet. Dort wird es gereinigt und desinfiziert. So zumindest steht es auf einem Schild. Die klatschnasse Sitzfläche deutet auch daraufhin, dass vor dem Betreten des Raums irgendetwas passiert sein muss. Was auf diesem Schild allerdings nicht steht: Das Benutzen des Waschbeckens beeinflusst den Wasserstand am Fußboden. Offensichtlich gibt es irgendwo hinter der Wand ein Leck. Und es bleibt zu hoffen, dass davon nur die Leitungen des Waschbeckens betroffen sind.

Ein Klo, das sich von selbst reinigt, gibt es in Bitburg nicht. Dafür aber die „Grüne Hölle“. Diese ist nicht am Nürburgring, sondern am Bedaplatz. 17 Stufen geht es abwärts, und was einen unten erwartet, kann schon nach kurzem Aufenthalt zum Zersetzungsprozess von Sinnesorganen führen. Ein grellgrün gekachelter Raum, kaltes Neonlicht und bestialischer Gestank. Wer dort aufs Klo geht, will es wissen. Ähnlich attraktiv waren bislang auch die öffentlichen Toiletten am Zentralen Omnibusparkplatz (ZOB), nur dass diese aufgrund des Sanierungsbedarfs seit längerem geschlossen sind. Ein wirklicher Verlust ist das nicht.

Zudem ist nicht weit davon entfernt die Anlage am Parkplatz „Grüner See“, wo vor allem die Männertoilette aber genauso gut auch „gelber See“ heißen könnte. Doch scheint das vor allem am Nutzungsverhalten der männlichen Besucher zu liegen. Denn nur so ist es zu erklären, dass zwischen der Männer- und der kombinierten Frauen- und Behindertentoilette Geruchswelten liegen. Ähnlich eingerichtet ist auch das öffentliche Klo am Borenweg, in der Nähe des Kinos. Schön ist es nicht, aber auch dort werden weibliche Nasen weitaus weniger strapaziert als männliche.

Und besser als in der Wittlicher Feldstraße ist es in Bitburg allemal. Es sei denn, das Bedürfnis quält einen auf dem Bedaplatz. In diesem Fall wäre es vielleicht ratsamer, an einem der beiden benachbarten Geldinstitute noch schnell ein Konto zu eröffnen, um dann dort die Kundentoilette aufzusuchen.

EXTRA

Ausgaben in Wittlich: Nach Auskunft der Stadtverwaltung werden für die Toiletten in der Feldstraße und auf dem Schlossplatz jährlich 17000 Euro für Reinigung ausgegeben. Hinzu kommen 5000 Euro für Strom, Wasser und Reparaturen sowie 10000 Euro Miete für die Anlage am Schlossplatz. Bei Veranstaltungen werden zusätzlich 40 mobile Toilettenkabinen sowie ein Toilettenwagen angemietet und aufgestellt. Zudem stehen während des Weihnachtsmarkts an der Feldstraße ebenfalls zwei Kabinen.