Stiller Ort, schauriger Ort - Ein Toiletten-Test in Bitburg und Wittlich

Stiller Ort, schauriger Ort - Ein Toiletten-Test in Bitburg und Wittlich

Während es in Bitburg noch drei öffentliche Toilettenanlagen gibt, wurde das Angebot in Wittlich weiter reduziert. Dort gibt es noch ein einziges Klo, für das der Nutzer auch noch zahlen muss. Dafür jedoch wird die Toilette nach jeder Nutzung automatisch gereinigt. So heißt es zumindest.

Wittlich/Bitburg. "Die Empfindung der Zeit hängt davon ab, auf welcher Seite der geschlossenen Klotür man sich befindet." Dieses Zitat stammt von Albert Einstein und lässt vermuten, dass aus Sicht des Physikers der Bereich, in dem auch die Toilette ist, die gute Seite ist, auf der die Zeit schneller vergeht.
Für öffentliche Toiletten gilt jedoch der Zusatz: "Die Empfindung der Zeit hängt auch davon ab, was einen hinter der geschlossenen Klotür erwartet." Um das zu erfahren, müssen Neugierige in Wittlich zunächst investieren. Dort gibt es in der Innenstadt nur eine öffentliche Toilette. Damit also auch nur eine Klotür. Und die lässt sich nur öffnen, wenn man 50 Cent in den Schlitz neben dieser Tür einwirft. Wer es nicht passend hat, darf auch mehr reinschmeißen, bekommt aber kein Wechselgeld. Dafür aber eine frisch gereinigte Toilette.
Damit zumindest wirbt der Hersteller des Toilettenhäuschens, das gegenüber der Wittlicher Schlossgalerie steht. Demnach verschwindet das Edelstahlklo nach jeder Benutzung in der Wand, wird dort gereinigt. Das alles passiert hinter verschlossener Tür. Nutzern soll an dieser Stelle nicht die Illusion geraubt werden. Nur eine Frage: Wenn alles gereinigt wird, warum schwimmt dann im Klo noch die Hinterlassenschaft des Vorgängers?
Ein Klo, das nach Gebrauch in der Wand verschwindet, gibt es in Bitburgs nicht. Dafür aber ist die Sanitärdichte größer und das Angebot umsonst und an jedem der drei Standorte sind die Toiletten für Männer und Frauen getrennt. Wobei es in allen drei Fällen besser ist, eine Frau zu sein.
Frauen haben es besser


Fangen wir mit Bitburgs "Grüner Hölle" am Bedaplatz an. An diesen unterirdischen Ort hat Einstein sicher nicht gedacht: Hier ist die Zeit auf beiden Seiten der Klotür stehengeblieben. Überall grellgrüne Kacheln und dazwischen schimmelige Fugen.
In der rechten Kabine der Männerabteilung ist ein Loch in einer der Fliesen. Dahinter ein Hohlraum, in dem Zigarettenstummel liegen. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, den an diesem Ort die Lust aufs Rauchen packt?
Im Vergleich dazu ist die Toilettenanlage im Borenweg, in der Nähe des Kinos, eine Wellnesskur. Doch das Gefühl von Geborgenheit will auch hier nicht so recht aufkommen, was in der Herrenabteilung auch an den angetrockneten Dingen liegen mag, die an der Tür kleben. Immerhin: Die Damentoilette ist behindertengerecht, was auch für die Anlage am Parkplatz "Grüner See", zwischen Rathaus und Stadthalle, gilt.
An dieser Stelle ein Tipp der TV-Redaktion: Falls Sie die Wahl haben, greifen Sie auf die Anlage "Grüner See" zurück und zögern Sie diesen Besuch bis nach 18 Uhr hinaus! Denn laut Protokoll, das an der Wand hängt, wird die Anlage täglich am späten Nachmittag gereinigt. Die Empfindung der Zeit kann schließlich mancherorts auch davon abhängen, um wieviel Uhr man auf der einen oder anderen Seite der Klotür ist.Extra

Neben den drei getesteten Bitburger Toiletten, für deren Unterhaltung die Stadt im vergangenen Jahr laut Verwaltung insgesamt rund 25 000 Euro ausgegeben hat, gibt es noch eine weitere Anlage am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Diese wurde jedoch im Jahr 2004 von Randalierern komplett zerstört und ist seitdem geschlossen. Auf eine Erneuerung der Toilette hat die Stadt bislang verzichtet, da der ZOB ohnehin in den kommenden Jahren komplett neu gestaltet werden soll. Für die Umgestaltung sind laut Investitionsplan Baukosten von 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Dabei sollen auch neue Toiletten installiert werden. uhe

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