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Stinkende Brühe auf Bitburgs Feldern - Aufregung um Gülle-Entsorgung im Gewerbegebiet

Stinkende Brühe auf Bitburgs Feldern - Aufregung um Gülle-Entsorgung im Gewerbegebiet

Der Import von Gülle, die dann auf deutschen Feldern verteilt wird, sorgt immer wieder für Diskussionsstoff. Auch in Bitburg wurde ein vermeintlicher Fall beobachtet und dem Ordnungsamt gemeldet. Doch solange die Richtlinien eingehalten werden, ist das legal.

Lastwagen mit niederländischem Kennzeichen pumpen stinkende Gülle von der Ladefläche in den Wagen eines hiesigen Landwirts - und der verteilt den ganzen Mist dann auf dem Bitburger Boden. Ein TV-Leser, der dieses Schauspiel beobachtet hat, ist da misstrauisch geworden. Was geht da vor sich? Gülle-Schmuggel über die Grenze aus den Niederlanden? Pfusch auf Bitburgs Feldern? Auch wenn das alles fesselnd klingen mag - in der Realität, die oft eben doch weniger spannend als der durchschnittliche Sonntagabendkrimi ausfällt, ist das alles völlig legal. Dies bestätigt auch Michael Horper vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau auf Anfrage des TV: "Wenn die Düngebilanz für die Fläche noch nicht ausgeschöpft ist und alles richtig vermerkt und gemeldet wird, ist das völlig legal." Nur die Sperrfrist, die auf Grünland vom 15. November bis zum 31. Januar gelte und auf Ackerland vom 1. November bis zum 31. Januar, müsse eingehalten werden. Das war bei diesem Vorfall in Bitburg der Fall.

Gülle enthält viel Nitrat, das zwar das Pflanzenwachstum unterstützt, in größeren Mengen aber auch Krebs verursachen kann (siehe Extra I). Friedhelm Fritsch von der Abteilung Landwirtschaft des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz sagt: "Nitrat ist kein Schadstoff, auch wenn das in den Medien oft behauptet wird. Nitrat ist in gewissen Mengen notwendig, damit die Pflanzen wachsen." Die heute oft hohen Nitratwerte im Grundwasser seien ein Resultat der übermäßigen Düngung bis in die 80er Jahre, heute würde ausreichend Rücksicht auf die Umwelt genommen. 170 Kilogramm organischer Stickstoff (ein Bestandteil von Nitrat) dürfe pro Hektar gedüngt werden - das Dreifache dessen, was in Rheinland-Pfalz im Durchschnitt auf die Felder komme. "Die Leute sind da oft zu unbedarft. Wenn wir gerne Fleisch, Eier und Käse essen, gehört die stinkende Gülle eben auch dazu." Er gibt aber zu: Das Wasser im Raum Bitburg gehört zu den stärker belasteten Bereichen im Land. Hier wurden bei aktuellen Messungen an manchen Messstationen schon Nitratwerte um die 35 Milligramm pro Liter Wasser gemessen. Der Grenzwert liegt laut EU bei 50 Milligramm (siehe Extra II).

Michael Hahn vom Naturschutzbund (Nabu) Südeifel kritisiert den Umgang mit der Gülle. "Das ist rechtlich in Ordnung, ich sehe das aber sehr kritisch. Da ist Handlungsbedarf. Das Grundwasser ist ein allgemeines Gut und muss im Interesse aller geschützt werden." Und der Landwirt selbst? Er will nicht namentlich genannt werden, gibt aber an, dass die versprühte Gülle auf dem Feld sowieso nicht aus den Niederlanden, sondern von einer Biogasanlage komme. Er wisse aber, dass manche Betriebe durchaus Gülle aus den Niederlanden importierten. Laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden im Jahr 2014 rund 90?000 Tonnen Gülle, vor allem Hühnerkot, aus den Niederlanden nach Rheinland-Pfalz importiert. "Die Leute ärgern sich, aber irgendwie müssen wir ja unsere Pflanzen düngen", sagt der Bitburger Landwirt. "Wir dokumentieren alles per Düngeplan, einmal jährlich wird das von einem Institut durchgerechnet. Bisher gab es keine Beanstandungen." Die strengen Richtlinien der EU sieht er mit Sorge: "In Zukunft wird das alles komplizierter und die Arbeit für uns schwerer - und wenn die Tomaten im Laden dann teurer werden, ärgern sich die Leute auch."Meinung

Bitte keine Hexenjagd! Von David Falkner


Bei allen berechtigten Bedenken über das Nitrat in Grund- und Trinkwasser sollte man doch auf dem Boden bleiben. Hexenjagden haben noch niemandem geholfen. Die gebeutelten Landwirte in unserem Land brauchen eher stärkere Unterstützung, als dass man ihnen noch mehr Knüppel zwischen die Beine wirft. Ja, man darf die Belastung des Wassers nicht aus den Augen verlieren, ja, der Umweltschutz ist enorm wichtig. Aber die Landwirte können nicht als Buhmänner herhalten. D.FALKNER@VOLKSFREUND.DE

Extra I
Nitrate sind wasserlösliche Salze, die in der Natur häufig vorkommen. Nitrat entsteht beim Abbau von organischen Stoffen - ist also beispielsweise auch in Gülle enthalten. In der Landwirtschaft wird Nitrat als Dünger eingesetzt. Im menschlichen Körper wird Nitrat zu krebserregenden Nitrosaminen umgebaut. Deshalb ist eine übermäßig hohe Nitratbelastung von Trink- und Grundwasser gefährlich. daf

Extra II
er Nitratgrenzwert im Grundwasser liegt nach Richtlinie der Europäischen Union bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser. Allerdings wird dieser Wert im deutschen Wasser nach Angabe der EU teilweise um bis zu 50 Prozent überschritten. Daher hat die EU-Kommission Klage gegen die Bundesrepublik beim Europäischen Gerichtshof eingereicht. Bei einer Verurteilung drohen hohe Geldstrafen.daf Gülle auf einem Bitburger Feld: Solange die gesetzlichen Vorgaben nicht überschritten werden, ist die Düngung mit Gülle legal. Foto: privat