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Stoff für echten Eifel-Nachwuchs

Stoff für echten Eifel-Nachwuchs

MONSCHAU. (dpa) Im Nationalpark Eifel haben Mitarbeiter die Ernte aus insgesamt 20 000 Quadratmetern Buchenwald eingefahren: Bucheckern. Sie werden für die Aufzucht verwendet.

Gerd Ahnert ist zufrieden. Es ist eine extrem gute Buchecker-Ernte in diesem Jahr. "Es gab eine Blüte und eine Frucht, wie ich es noch nicht erlebt habe", sagt er. Mit satten 300 Kilogramm rechnet der Forstmann des Nationalparks Eifel in diesem Jahr. Das ist richtig viel Masse, und die braucht der Nationalpark auch. Pro Jahr werden in dem Schutzgebiet 60 000 bis 90 000 junge Buchen gepflanzt. Die Bäumchen sind echter Eifel-Nachwuchs. Sie tragen das viele tausend Jahre alte Erbgut ihrer Eifeler Mutterbäume in sich. Sie werden aus den in der Eifel bei Monschau geernteten Bucheckern gezogen. "Wir wollen das genetische Material der Buche aus den ganz seltenen Mittelgebirgslagen erhalten", sagt Ahnert, Dezernent für Waldentwicklung im Nationalpark. Ausschließlich Früchte heimischer Bäume

Für die Nachzucht werden ausschließlich die Früchte heimischer Bäume genommen. Die Waldarbeiter Ralf Hermanns und Armin Warbel haben engmaschige große Netze unter den stattlichen Bäumen ausgelegt. In der Zeit ist das reingefallen, was die Bäume abgeworfen haben: Bucheckern, aber auch Laub und Äste. Wenn die Frucht aussortiert ist, wird sie in Baumschulen gebracht. Aus den Bucheckern werden Buchen gezogen. Nach zwei Jahren holt der Nationalpark die Pflanzen aus der Kinderstube ab und pflanzt sie zu tausenden an. Es ist eine Starthilfe für die Buche, die sich in den nächsten Generationen gegen die jetzt noch im Nationalpark übermächtige Fichte durchsetzen soll. "In freier ,Wildbahn' wird aus 10 000 bis 20 000 Bucheckern ein Baum", sagt Ahnert. Es gibt viele Widersacher: hungrige Zugvögel, Wildtauben, Pilze, Frost, Schnecken. Auch wenn der Mensch den Nationalpark Eifel per Definition langfristig in Ruhe lassen soll, greifen die Forstleute jetzt noch ein, um den Wandlungs-Prozess zum Buchen-Urwald zu beschleunigen. Die dreikantigen Nüsse, die an diesem Tag geerntet werden, werden in zwei Jahren als Pflanzen zwei Kilometer weiter an der belgischen Grenze gesetzt. Sie werden dann 500 bis 600 Meter über dem Meeresspiegel wachsen und gedeihen. Für eine heutige Durchschnittsbuche liegt der Standort ungewöhnlich hoch. Eifeler Bäume sind daran gewöhnt. Für die Fachleute ist es auch deshalb wichtig, dass bei den Pflanzungen kein fremdes Erbgut aus irgendeinem Winkel Deutschlands oder der Welt untergemischt wird. Die Buchen in dem "Ernte-Wald" sind junge 100 Jahre alt. Ihre Ursprünge reichen weit zurück. "Wir wissen, dass ihre Vorfahren 4000, 4500 Jahre überlebt haben. Sie stammen in gerader Linie vom Urwald ab", sagt Ahnert.