Straßenlärm in der Eifel - Bund und Land sehen keinen Handlungsbedarf

Kostenpflichtiger Inhalt: Lärmschutz : Eifeler fürchten mehr Krach durch mehr Verkehr auf der A60

Nach Eröffnung des Hochmoselübergangs werden wohl 4000 Autos mehr über die A60 brettern. Eifeler befürchten, dass es deshalb lauter wird, und fordern eine Lärmschutzwand. Der Bund sieht keinen Bedarf.

Wenn Doris Pauels aus dem Küchenfenster schaut, blickt sie direkt auf die Autobahnbrücke Spanger Bach. Und bei geöffnetem Fenster kann die Frau die A 60 auch hören. Denn kein Kilometer liegt zwischen Gransdorf (Bitburger Land) und der Schnellstraße, über die täglich rund 12 500 Autos fahren.

Und es könnten noch mehr werden. Im November soll der Hochmoselübergang eröffnen, eine gigantische Brücke, die die Eifel mit dem Hunsrück verbindet. Dadurch verkürzt sich auch der Weg aus Belgien, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen Richtung Rhein-Main-Gebiet. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Trier rechnet dadurch mit einem Anstieg von rund 4000 Wagen am Tag auf der Strecke (der TV berichtete).

Dauerrauschen: Im Hintergrund von Gransdorf ist die A 60 zu sehen. Foto: TV/Christian Altmayer

Doris Pauels beunruhigt das. Denn schon jetzt ärgert sie sich über den Lärm. Wie soll es erst ab November werden? „Das ist ein ständiges Gebrumme, unterbrochen von einem Knallen, wenn die Autos über die Brückenfugen fahren“, sagt die Gransdorferin.

Tatsächlich rauscht es tagsüber im ganzen Ort. Besonders nervig, sagen Anwohner: Das Rollen der Reifen über die Fugen erzeugt ein Knacken, wie ein entfernter Zug, der über einen Gleisstoß brettert. Auf den Höhen und rund um das Neubaugebiet „Im Flürchen“ ist der Geräuschpegel am höchsten. Ohrenbetäubende Lautstärke erreicht er zwar nirgends im Dorf. Pauels würde sich trotzdem eine Lärmschutzwand an der Autobahnbrücke wünschen.

Und sie ist nicht die einzige – auch wenn die Meinungen im Dorf durchaus auseinandergehen. Bei einem Rundgang durch die Gemeinde kommt unser Reporter mit einigen Gransdorfern ins Gespräch.

„Gerade nachts ist die Straße laut“, sagt ein Anwohner: Manchmal werde er sogar vom Lärm sogar geweckt. Ein Passant bestätigt: „Wenn der Wind von Westen weht, trägt er den Krach zu uns rüber. Vor allem abends ist die Straße dann gut zu hören.“

Eine junge Mutter sagt hingegen, sie habe sich inzwischen an den Lärm gewöhnt, nehme das Rauschen kaum noch wahr. Ein anderer Bürger gibt ihr Recht: „Die Jets, die über unseren Köpfen fliegen, sind schlimmer als die A 60.“ Klar wird aber: Ein Thema ist die Dauerbeschallung bei den Gransdorfern schon.

Auch Ortsbürgermeister Timo Willems hat hin- und wieder schon Klagen gehört. Er hat aber nicht den Eindruck, dass die Nähe zur Autobahn für die Bürger besonders belastend ist. Auch ihn selbst stört das beständige Rauschen und das Klacken kaum. Willems glaubt daher auch nicht, dass es Chancen für den Bau einer Lärmschutzwand gibt.

Und damit hat er Recht, wie eine Anfrage beim Landesbetrieb Rheinland-Pfalz ergibt. Behördensprecherin Birgit Küppers stellt klar: „Die A 60 gehört nicht zu den hochbelasteten deutschen Autobahnen“ – auch nicht auf Höhe von Gransdorf. Lärmschutz sei daher nach der Verkehrslärmschutzverordnung nicht erforderlich.

Und Küppers kann das auch mit Grenzwerten belegen. Demnach wurde in Gransdorf eine Belastung von 50 Dezibel am Tag und 45 Dezibel in der Nacht gemessen. Das entspricht laut einer gängigen Skala etwa der Lautstärke eines Gesprächs oder dem Geräusch von „leichtem Regen“.

Erst wenn der Straßenlärm 64 Dezibel am Tag und 54 Dezibel in der Nacht überschreitet, muss der Bund eingreifen. Es geht hier zwar nur um 10 bis 15 Dezibel. Allerdings entspricht dies mindestens einer Verdopplung der Lautstärke.

Nach Erfahrungswerten der LBM-Sprecherin würde der Immisionswert nicht mal bei einer Verdopplung des Verkehrsaufkommens erreicht, geschweige denn bei einem Anstieg von 4000 Autos am Tag. Es müssten schon Zehntausende Wagen mehr über die A 60 brettern, um eine Lärmschutzwand zu rechtfertigen. Was laut Küppers „vollkommen unrealistisch erscheint.“

Und das gilt nicht nur für Gransdorf. Derzeit stehen an der Autobahn 60 gar keine Lärmschutzwände. Und das wird sich, sagt Küppers, auch so bald nicht ändern. Denn „aufgrund der Abstände der Ortschaften zur Autobahn sind bei keinen Ortschaften derzeit die Anspruchsvoraussetzungen für solche Maßnahmen erfüllt.“

Auf anderen Eifeler Straßen hat der Bund Wände hochziehen lassen – etwa nahe der B 51 bei Bitburg, der B 257 bei Wolsfeld oder an der A 1 neben Esch im Wittlicher Land. Der Baulastträger versucht aber auch auf andere Weise für Ruhe zu sorgen. Kein Wunder: kostet der Quadratmeter Schutzwand laut LBM doch 450 Euro.

Da kann es weit günstiger sein, ein Tempolimit zu verhängen oder einen schallmindernden Straßenbelag aufzutragen. Aber auch dies komme auf der A 60, wegen der Unterschreitung der Grenzwerte nicht infrage, schreibt Küppers. Was genervten Bürgern wie Pauels bleibt: privat tätig zu werden. Bürger können etwa schalldichte Fenster verbauen oder selbst Mauern hochziehen.

Mehr von Volksfreund