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Streit und Probleme ohne Gewalt lösen - Das lernen Kindergartenkinder in Niederprüm

Prävention : Streit und Probleme ohne Gewalt lösen - Das lernen Kindergartenkinder in Niederprüm

Die Kindertagesstätte St. Marien in Niederprüm nimmt am Programm „Kindergarten plus“ teil. Vier- und Fünfjährige lernen dort, wie sie mit anderen Menschen und ihren Gefühlen umgehen und Probleme ohne Gewalt lösen.

Wenn man mal so richtig wütend ist, dann schnappt man sich den „Brülleimer“ und schreit da laut und kräftig rein oder boxt feste auf das rote Wutkissen. Das sind nur zwei Möglichkeiten, um mit seinen Gefühlen umzugehen.  Bei „Kindergarten plus“, einem Programm der Deutschen Liga für das Kind, lernen Vier- und Fünfjährige, wie sie zum Beispiel Streit und Probleme ohne Gewalt lösen, mit ihren Gefühlen umgehen oder widerstandsfähig gegen Gefahren werden.

Seit 2018 nimmt die Kindertagesstätte St. Marien in Niederprüm an diesem Programm teil. Die Anschubfinanzierung (1500 Euro) haben der Lions Club Bitburg-Beda und der Kita-Förderverein (2200 Euro) übernommen. Die Folgekosten übernimmt der Förderverein.

Entwickelt hat das Programm der Verein Deutsche Liga für das Kind mit Sitz in Berlin. Ziel ist, soziale und emotionale Kompetenzen von vier- und fünfjährigen Kindern zu fördern.

Und so funktioniert die Umsetzung: An mehreren Tagen lernen die Kinder zu verschiedenen Themen, aufgeteilt auf neun Bausteine, etwas über sich und ihre Gefühle kennen. Bei einem Baustein geht es unter anderem um ihren Körper und ihre Sinne. Auch das Zusammenleben, Freundschaft, Grenzen und Regeln spielen eine Rolle.

Die Kinder lernen alle Themen durch Spiele, Übungen, Gespräche und Lieder kennen. Immer mit dabei: Tula und Tim – zwei Handpuppen. Mit deren Hilfe spielen die Erzieher den Kindern auch mal bestimmte Situationen vor.

Mechthild Kuhn, Leiterin der Kita Niederprüm, ist von dem Programm begeistert: „Die Kinder nehmen im Alter von vier und fünf Jahren schon ganz viel auf. Da ist wichtig, sie im emotionalen Bereich zu fördern, damit sie lernen mit ihren Gefühlen umzugehen.“ Alle Erzieher wurden geschult. Jutta Backes und Marlene Looso sind zwei davon. Auch sie erleben, wie ihre Arbeit Früchte trägt. „Wir haben die Rückmeldung der Eltern bekommen, dass ihr Kind offener geworden ist und besser mit Streit umgehen kann“, sagt Jutta Backes. So lernen die Kleinen, auch die Gefühle ihres Gegenübers zu erkennen und damit umzugehen. Ihr  Einfühlungsvermögen wird gestärkt. „Wir entwickeln mit den Kindern zusammen Regeln und hoffen, dass die auch im Alltag eingehalten werden“, sagt die Erzieherin.

Besonders die Spiele kommen gut an. Sich mit verbundenen Augen durch einen Raum führen lassen oder sich einen Bilderrahmen vor das Gesicht halten und Gefühle darstellen, die die anderen Kinder erraten müssen. „Wir merken, dass die Kinder sensibler reagieren, als vorher“, sagt Jutta Backes.

Aber es wird auch vorgelesen, gesungen und gebastelt. So haben die Erzieher mit den Kindern zusammen Angsthasen gefertigt, die sie mit nach Hause nehmen durften. Bei Xenia liegt das Stofftier in ihrem Bett: „Der beschützt mich“, sagt sie. „Der Angsthase macht uns stark“, sagt Helena.

Die Teilnahme am Programm ist für die Kinder freiwillig. Sie dürfen auch mitbestimmen, sagen, was ihnen Spaß macht und was ihnen nicht so gut gefällt. „Bisher wollten alle mitmachen“, sagt Mechthild Kuhn. 132 Kinder besuchen aktuell die Einrichtung. Ab Mai wird die Kita mit 145 Kindern voll belegt sein.

Zurzeit ist die Kita in Niederprüm die einzige im Eifelkreis Bitburg-Prüm, die das Programm „Kindergarten plus“ anbietet. Doch auch andere Kitas interessieren sich dafür. Einige Erzieherinnen aus Niederpüm werden die Arbeit damit demnächst anderen Kitas in Trier vorstellen. In Niederprüm soll es auf jeden Fall fortgeführt werden. Die Folgekosten von jährlich etwa 250 Euro übernimmt der Förderverein.

Erzieherin Jutta Backes spricht zusammen mit den Handpuppen Tula und Tim zu den Kindern. Foto: TV/Stefanie Glandien

Auch Monika Weimann und Walburga Weinbrenner vom Lions Club Bitburg-Beda sind begeistert und können sich vorstellen, dass der Club noch eine weitere Kita finanziell unterstützt, die Interesse an diesem Programm hat.