Streitpunkt Sülmer Steinbruch: Werk soll wachsen

Wirtschaft : Streitpunkt Sülmer Steinbruch

Das Unternehmen soll größer werden – doch die Bevölkerung hat Sorgen wegen der Auswirkungen.

Es ist laut, es staubt – schlicht, der Steinbruch in Sülm macht sich durchaus bemerkbar für die Bewohner des kleinen Ortes in der Verbandsgemeinde Bitburger Land. Seit über 40 Jahren gehört die Natursteinwerke Burkel GmbH südwestlich des Dorfes fest dazu. 2008 stieg der luxemburgische Geschäftsmann Guy Feidt mit in die Firma ein. Knapp sechs Jahre später, 2014, wurde der Steinbruch bereits erweitert, die umliegenden Gemeinden hatten keine Einwände. Heute besitzt das Unternehmen eine Fläche von etwa 49 Hektar.

Seit einiger Zeit möchte Feidt den Steinbruch nochmal erweitern. Dieses Mal um 45 Hektar. Im vergangenen Winter wurde bereits eine Raumverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Da sich in der Bevölkerung und insbesondere bei den Umwelt- und Naturschutzgruppen Sorgen und Widerstand regen, informierte das Unternehmen bei einem öffentlichen Termin im Sülmer Jugendheim über das Vorhaben, das Ergebnis der Untersuchungen und beantwortete Fragen der Anwesenden.

Unternehmenspläne Die geplanten rund 45 Hektar erstrecken sich westlich von Sülm und nördlich von Trimport. Dabei soll je nach Bodenbeschaffenheit zwischen 20 und 25 Meter tiefer gegraben werden als bisher. Durch eine effektivere Nutzung soll zudem die verwertbare Menge deutlich erhöht werden. Hierfür wird allerdings auch mehr Wasser benötigt. Die Landschaft soll frühzeitig renaturiert und rekultiviert werden. Um die entstandenen Aushube zu füllen wird eigenes Material und unbelastetes Fremdmaterial verkippt. Auf diese Weise schafft der Steinbruch für weitere 20 bis 25 Jahre nicht nur Arbeitsplätze, sondern kann auch weiterhin natürliche Baustoffe liefern und entsprechend Steuern zahlen.

Sorgen Die Bevölkerung macht sich insbesondere über das Grundwasser Gedanken. Durch den erhöhten Wasserbedarf soll der Grundwasserspiegel um einige Meter abgesenkt werden. Die Sülmer sorgen sich um Auswirkungen auf ihren Tiefbrunnen. Zudem befürchten sie Risse in ihren Häusern – nicht nur durch die Grundwasserabsenkung sondern auch durch die Sprengungen. Insbesondere der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fürchtet zudem eine Verseuchung des Grundwassers durch PFC. Das sind gesundheitsschädliche Chemikalien, die unter anderem beim Bitburger Flugplatz vorkommen sollen. Die Naturschützer vom Nabu haben Bedenken wegen der Moore, die eventuell austrocknen könnten, wodurch der Lebensraum einiger Tierarten bedroht wäre.

Auch die Frage ob weitere Flächen für den Abbau in Frage kommen, steht im Raum.

Antworten Seit 2008 werden kontinuierlich Gutachten der Firma erstellt, die verschiedene Dinge untersuchen. Darunter auch das für die Bevölkerung wohl wichtigste Thema: das Wasser. Wie Christoph Möbus, ein Geologe aus Gießen, der mit den Untersuchungen betraut ist,  den Interessierten erklärt, habe man bei den Untersuchungen festgestellt, dass das Grundwasser von Sülm weg fließt, also in Richtung Westen abläuft. Diese Tatsache sorgt dafür, dass die Sülmer keine Auswirkungen von einer vorübergehenden Absenkung des Grundwasserspiegels spüren sollten.

Auch Risse in den Häusern seien sehr unwahrscheinlich. Das Beispiel, das die Sülmer an dieser Stelle anbrachten, sei eine „ganz andere hydrogeologische Situation“ und man könne solche Probleme aus anderen Gebieten nicht übertragen. Wasser vom Bitburger Flugplatz sei nicht nachweisbar und die gemessene PFC-Belastung läge deutlich unter den Grenzwerten. Auch später sei keine Schadstoffbelastung, etwa im Zuge der Renaturierung, zu erwarten, da das Auffüllmaterial aufwendig geprüft werde.

Weitere Flächen sind für das Unternehmen in diesem Gebiet nicht interessant, da es nicht rentabel sei, über die jetzt neu gesetzten Grenzen hinweg zu fördern. Das Unternehmen legt viel Wert darauf, seine Renaturierungsmaßnahmen in den Vordergrund zu stellen. „Wir möchten möglichst wenig offene Flächen und kümmern uns rechtzeitig darum, die Abbaugebiete für die Landwirtschaft oder die Natur aufzubereiten“, sagt Martin Kirschbaum, der stellvertretend für das Unternehmen spricht. Dafür steht für die aktuelle Fläche ein Budget von 2,4 Millionen Euro zur Verfügung.

Bei bisherigen Beschwerden habe der Steinbruchbetreiber zeitnah nach Lösungen gesucht, um die Belastung für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Daher schließt auch die Informationsveranstaltung mit dem Wunsch: „Wir wollen langfristig gute Nachbarn sein.“ Dafür wird auf Transparenz gesetzt und eine enge Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden.

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