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Strom und Wärme aus Gras und Mist

Strom und Wärme aus Gras und Mist

2,4 Millionen Euro hat Manfred Theilen in den Bau eines neuen Biogaskraftwerkes im Blankenheimer Industriegebiet investiert. Rund eine weitere Million wird bezahlt sein, wenn alles fertig ist.

Blankenheim. Er möchte die Region, in der er lebt, nicht "durch Produkte verschandeln", die hier nicht wachsen. Stattdessen baut Ingenieur Manfred Theilen zum Betrieb seiner Biogasanlage im Blankenheimer Gewerbegebiet auf das, was er hier vorfindet: Gras und Kuhmist. "Mais wächst hier in Blankenheim nun einmal nicht", konkretisiert Theilen.

Im Mai vergangenen Jahres hatte Theilen das drei Hektar große Gelände der ehemaligen belgischen Kaserne für 120 000 Euro von der Kreisjägerschaft gekauft, um die Biogasanlage, deren Fertigstellung kurz bevorsteht, zu bauen. Mit seinem Partner Karl Josef Dyck, Landwirt und Pächter des Forstwalder Hofs, gründete er als technischer Geschäftsführer die "Naturalenergie Blankenheim GmbH". Dritter im Bunde ist die Gruppe "B2B", die als kaufmännische Geschäftsführerin die finanzielle Verwaltung der Firma übernimmt.

Der Forstwalder Hof hält eine Nutzfläche von 500 Hektar Grasland vor, Karl Peter Dyck hat zudem 450 Rinder. Beides sind die ersten Faktoren für die ökologische Energieerzeugung durch Methangas in einem sogenannten Blockheizkraftwerk (BHKW). Doch wie ist der Weg vom Gras zum Strom? Theilens prompte Antwort: "Eine Biogasanlage funktioniert wie der Magen einer Kuh."

Er erläutert: "Das Gras wird drei Mal im Jahr gemäht und kommt ins Silo, wo es acht bis zehn Wochen siliert wird." Dabei, so der Ingenieur, werden Nährstoffe aufgeschlossen. "Diese Grassilage wird dann mit Festmist gemischt und kommt hier auf dem Gelände in den Beschicker", sagt Theilen und zeigt auf einen großen, orangefarbenen Tank. Von dort aus wird das organische Gemisch in bestimmten Zeitabständen in den Fermenter daneben, der wie ein kleines Silo aussieht, geleitet.

Hier entsteht ein Gärsubstrat, das ständig gerührt wird, erläutert der Fachmann mit Blick auf die überdimensionalen Rührer im Fermenter. In dem Substrat entstehen Methanbakterien, die organische Stoffe fressen.

"Es müssen konstant 45 Grad herrschen, damit die Bakterien, die die organischen Stoffe in dem Gemisch fressen, arbeiten. Die Tierchen müssen es warm haben, sonst tun sie nichts."

Im Gegenzug scheiden die "Tierchen" Methangas aus, das zur Stromerzeugung ins benachbarte BHKW geleitet wird: "Ein großer Motor wird mit dem Gas angetrieben, der wiederum den Generator antreibt, der den Strom erzeugt." Über eine eigene Trafostation wird der Strom dann ins öffentliche Netz eingespeist.

Neben Methangas fallen bei dem Prozess noch drei weitere Produkte an: zum einen Wärme, und zwar im gleichen Maße wie Strom. "Bei den geplanten 850 Kilowatt pro Stunde sind das also 850 Kilowatt Wärmeenergie. Die nutzen wir, um als Dienstleister etwa Holzschnitzeltrocknung für Sägewerke oder Forstbesitzer anzubieten." Zum anderen fallen aus den Gärresten feste und flüssige Stoffe an. Die festen werden als Pflanzensubstrate etwa an Gärtnereien verkauft, die flüssigen kommen als organischer Dünger auf die Wiesen am Forstwalder Hof. "Das ist ein völlig geschlossener Kreislauf", erläutert der Betreiber mit sichtlicher Begeisterung. "Wir geben dem Boden zurück, was das Gras ihm beim Wachsen entzogen hat - so wächst es besser nach."

Den Vorteil von Biogasanlagen sieht der Fachmann vor allem darin, dass man, unabhängig von großen Stromkonzernen, in einem dezentralen Kraftwerk mit Produkten aus der Region, die zudem ständig nachwachsen, die Region versorgen kann. Auch stütze man die Landwirte.

Die ökologische Energieerzeugung, so Theilen abschließend, entspreche genau seinem Leitsatz: "Je weniger ich in der Landschaft verändere, desto besser geht es auch den Menschen dort."