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Sturmtief Burglind reißt in der Eifel zahlreiche Bäume um

Wetter : Keine Ruhe nach dem Sturm

Das Tief „Burglind“ hat in der Eifel etliche Schäden hinterlassen. Inzwischen ist es wieder ruhig,  die Gefahr ist aber nicht gebannt. Forstämter warnen weiterhin vor Waldspaziergängen.

 Eine junge Frau ist auf der Landesstraße 27 unterwegs. Sie fährt Richtung Neroth in der Verbandsgemeinde Gerolstein. Zu spät sieht sie einen Baum auf der Fahrbahn. Mit ihrem Wagen prallt sie gegen den hölzernen Riesen. Ein Ast bohrt sich durch die Windschutzscheibe. Doch er verfehlt die Frau. Denn er durchschlägt das Glas auf der Beifahrerseite. Die Fahrerin wird leicht verletzt. „Sie hatte Glück im Unglück“, sagt Helmut Römer von der Polizeiinspektion Daun. Der Zusammenstoß hätte wohl weit schlimmer ausgehen können.

Es ist nicht der einzige Unfall, der sich am Mittwoch in der Vulkaneifel ereignet. Das Tief „Burglind“ hält die Region im Griff. Auch in Darscheid in der Verbandsgemeinde Daun und in Mosbruch bei Kelberg prallen Autos mit Bäumen zusammen, die der Sturm entwurzelt hat. Auch in diesen Fällen gibt es keine Schwerverletzten. Es entsteht nur Sachschaden: Die beiden Wagen sind laut Römer nicht mehr fahrtauglich.

Auch die Feuerwehren hält „Burglind“ am Mittwoch auf Trab. So müssen die Wehren gut 50 Mal im Kreisgebiet ausrücken. Sie räumen vor allem umgestürzte Stämme von der Fahrbahn.  Einer blockiert zeitweise auch die Autobahn 1 am Dreieck Vulkaneifel. Andere Straßen bleiben zum Teil stundenlang gesperrt. Die Kyll tritt mancherorts über die Ufer. Einige Keller in der Vulkaneifel laufen voll. Einsatzkräfte pumpen die überfluteten Häuser leer. Die Gewässer in der Vulkaneifel behalten die Wehren weiterhin im Auge. Denn auch für die nördliche Eifel hat der Hochwassermeldedienst des Landes-Umweltministeriums eine „geringe Gefährdung“ am Mittwoch ausgesprochen. Zu großen Überschwemmungen kommt es aber zunächst nicht.

Und so zieht der stellvertretende Kreisfeuerwehrinspekteur Thomas Risch trotz so vieler Einsätze doch eine versöhnliche Bilanz: „Im Großen und Ganzen ist alles glimpflich ausgegangen.“

Mehr los ist am Mittwoch nur in der Verbandsgemeinde Prüm. Die Feuerwehr Prüm berichtet von etwa 20 Einsätzen seit 6 Uhr. Unter anderem muss die Landesstraße 20, die über den Schwarzen Mann führt, zeitweise gesperrt werden. Außerdem seien einige Autofahrer nicht mehr weitergekommen, sagt der stellvertretende Wehrführer Tobias Kickertz: Vor und hinter ihnen waren Bäume auf die Straße gekracht. Verletzt wird - wie auch rund um Bitburg - niemand. Die L 20 ist bald darauf wieder freigeräumt. Auch in der Stadt Prüm behindern umgekippte Bäume den Verkehr. Dort fliegen auch Ziegel von den Dächern. In Fleringen treffen sie ein Auto und beschädigen die Karosse. Auch im Gerolsteiner Stadtteil Lissingen wird ein Dach abgedeckt.

Umgestürzte Stämme muss die Feuerwehr außerdem bei Kerschenbach, Ormont, Jünkerath (Obere Kyll), Steinmehlen und Willwerath (VG Prüm), in Krautscheid und zwischen Philippsweiler und Eilscheid (VG Arzfeld) wegräumen.  In Schönecken wirft der Wind einen Baum um, der dann auf eine Stromleitung und quer über die Straße stürzt.

Solche Vorfälle könnten Gründe für die Stromausfälle liefern, die einige Haushalte am Mittwoch in der Eifel in Dunkelheit tauchen - zum Beispiel in Steineberg, Demerath, Strotzbüsch, Winkel und Dreis-Brück sowie in Hohenfels-Essingen und den Gerolsteiner Stadtteilen Oos und Lissingen. In der gesamten Region sind nach Angaben von RWE-Tochter Westnetz rund 10 000 Bürger betroffen. Die Störungen sind im Laufe des Morgens behoben worden.

Stromausfälle gibt es auch in der südlichen Eifel. Auch hier kämpfen Feuerwehrleute am Morgen gegen das Sturmtief. Im Bitburger Land müssen Einsatzkräfte wegen einiger Überschwemmungen auf die Straße. Gegen 6.07 Uhr tritt in Biersdorf der Talbach übers Ufer. Zwanzig Minuten später läuft Hochwasser in einen Keller in Metterich. Auch die Bitburger Polizei rückt wegen der Überflutungen aus. Die Bundesstraße 257 nahe Wolsfeld und die L36 zwischen Gindorf und Pickließem sind überflutet. Ansonsten, das teilen Polizei und Feuerwehr mit, gibt es Probleme mit umgestürzten Bäumen. So blockiert morgens ein etwa 50 Zentimeter dicker Stamm für eine knappe Stunde die Landstraße 33 zwischen Neustraßburg und Densborn. Solche Einsätze gibt es auch in Wolsfeld, Wißmannsdorf, Brecht und Echtershausen.

Die Stadt Bitburg selbst bleibt von „Burglind“ weitestgehend verschont - ebenso wie die Verbandsgemeinde Speicher. Hier müssen die Rettungskräfte nur zu  wenigen Einsätzen aufbrechen. Zwischen Herforst und Spangdahlem, zwischen Speicher und Dahlem und zwischen Speicher und Philippsheim versperren umgestürzte Bäume die Straße.

Etwas heftiger weht der Orkan in im Westen des Kreises Bernkastel-Wittlich. In Salmtal beschädigt der Sturm eine Scheune. Zunächst rückt die Feuerwehr Salmtal aus, anschließend übernimmt das Technische Hilfswerk. Verletzt werden weder Mensch noch Tier. Der Sachschaden wird sich im hohen fünfstelligen Bereich bewegen, schätzt die Polizei.  In Wittlich gibt es keine größeren Schäden. Allerdings tritt die Lieser über die Ufer.

Heute ist das Tosen des Windes kaum noch zu hören. Gefährlich könnte es aber trotzdem bleiben. Denn der Sturm hat womöglich schon so manchen Baum beschädigt. Wer nicht erschlagen werden will, sollte also Waldgebiete meiden. Das sagt zumindest Peter Wind, Chef des Forstamts Prüm: „So lange es keine Entwarnung gibt, besteht akute Lebensgefahr.“ Ob der Wald hart getroffen worden ist, könne er zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Denn auch für seine  Mitarbeiter hat Wind den Wald zur Sperrzone erklärt. Sie dürfen also auch nicht ausrücken, um den Schaden zu beurteilen.

In Schönecken riss der Sturm diesen Baum um, der dann auf eine Stromleitung und auf die Straße stürzte. Foto: Rüdiger Hack, Feuerwehr Schönecken Foto: TV/Rüdiger Hack
Am Schwarzen Man hatten die Einsatzkräfte schnell die Straße freigeräumt. Foto: TV/Fritz-Peter Linden
Auch große, kräftige Bäume, wie dieser zwischen Kerschenbach und Ormont, wurden von den starken Windböen umgeworfen. Foto: TV/Fritz-Peter Linden
Durch heftigen Regen ist die Kyll am Morgen über die Ufer getreten. Foto: TV/Mario Hübner
Auch die Prüm ist an einigen Stellen über die Ufer getreten, wie hier in Niederprüm. Foto: TV/Fritz-Peter Linden
Vom Winde verweht: Der Sturm hat in Bitburg die gelben Säcke quer über die Straße verteilt. TV-Foto: Maria Adrian Foto: TV/Maria Adrian
Land unter: Auch die Prüm ist an einigen Stellen über die Ufer getreten, wie hier in Niederprüm. Auf dem Bild rechts sieht man, wie der Sturm in Bitburg die Müllsäcke verweht hat. Foto: TV/Fritz-Peter Linden

Andere werden die Folgen von „Burglind“ noch eine Weile beschäftigen - nämlich die Mitarbeiter des LBM. Bis wirklich alle Bäume abtransportiert seien, werde es sicher noch zwei Wochen dauern, meint Bruno von Landenberg, stellvertretender Leiter der Behörde.