Sturmtief Sabine und die Schäden in der Eifel

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv (Montag, 10. Februar) : Das große Aufräumen nach der Sturmnacht

Schlimm genug – wenn auch längst nicht so gravierend wie frühere Orkane: Die Eifel, Sturmtief „Sabine“ und die nach wie vor gefährliche Lage am Montag. Unter anderem wurden drei Menschen bei Autounfällen auf der A 1 verletzt.

Sabine stürmte heran, die Eifel war vorbereitet: In Bitburg, Prüm und Hillesheim richtete man Einsatzzentralen ein. Das Sturmtief, als verheerend angekündigt, hinterließ aber in den Eifelkreisen geringere Schäden als befürchtet. Einsätze gab es dennoch jede Menge – bis in den Montagnachmittag hinein.

Menschen kamen zunächst nicht zu Schaden – bis sich dann am Montag in der Vulkaneifel sechs Unfälle auf der A 1 ereigneten: Kurz vor 7 Uhr fuhr ein 28-Jähriger bei Steiningen gegen einen Baum, den der Sturm auf die Straße gedrückt hatte. Der Mann blieb unversehrt, musste sich aber vor einem weiteren Auto retten, das in seinen Wagen krachte. Die beiden Frauen im zweiten Auto wurden verletzt.

Sturmtief Sabine und die ersten Auswirkungen in der Eifel: Bereits am Sonntagnachmittag haut es auf der Landesstraße 24 in der Nähe von St. Thomas die ersten Bäume um. Foto: TV/Florian Blaes

Gegen 8.45 Uhr bildete sich dann nach einem Graupelschauer in Nähe der Anschlussstelle Manderscheid eine Eisfläche auf der Fahrbahn – vier Autos verunglückten, ein Mann wurde verletzt. Er wurde wie die beiden Frauen ins Krankenhaus gebracht.

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm mussten die Rettungskräfte vorrangig wegen umgestürzter Bäume und diverser Stromausfälle in etlichen Orten ausrücken. Ähnlich sah es in den Verbandsgemeinden Gerolstein, Daun und Kelberg aus.

Sturmtief: Umgestürzte Bäume und Hochwasser an der Kyll

Am Montag waren in der Verbandsgemeinde Südeifel zeitweise 13 Orte vom Netz. Betroffen waren mehr als 1000 Einwohner. Am Nachmittag war dann auch Irrel mit seinen knapp 1600 Einwohnern komplett ohne Strom. Es folgten die Orte Ernzen, Holsthum, Minden, Echternacherbrück und Ferschweiler, auch alle zu großen Teilen ohne Strom.

Weitere Stromausfälle gab es nach Auskunft von Joachim Hönel, Pressesprecher der Feuerwehr Südeifel, in der Nacht auf Montag sogar in 22 Orten in der Südeifel. Auch hier hatten die Wehren bis zum Montagmittag einen Einsatz nach dem nächsten. An der Karlshausener Mühle hatte eine Stromleitung Feuer gefangen. „Der Brand war dann aber schnell gelöscht“, sagte Hönel.

Doch vor allem die vielen umgestürzten Bäume hielten die Einsatzkräfte auf Trab. Schwerpunkte waren nach Auskunft des Kreisfeuerwehrinspekteurs Jürgen Larisch im Eifelkreis die beiden Verbandsgemeinden Südeifel und Prüm. Doch anders als befürchtet, flogen keine Dachziegel umher. Die Schäden hielten sich in Grenzen. „Insgesamt“, bilanzierte Larisch, „sind die Folgen des Orkans nicht so dramatisch, wie wir es erwartet haben.“

Die Einsatzzentrale des Eifeler Katastrophenschutzzentrums konnte in der Nacht gegen 3.30 Uhr aufgelöst werden. Alarmierungen gab es dennoch auch über den Montag noch.

Besonders gefährlich blieb die Lage auf der Schneifel und rund um den Schwarzen Mann. Dort stand auch infolge der Regenfälle in den vergangenen Wochen viel Wasser im aufgeweichten Boden, die Böen rissen Bäume mitsamt der Wurzelteller aus, andere brachen am Stamm.

Und es regnete am Morgen wieder. Deshalb gilt weiter die dringende Warnung der Forstverantwortlichen: Bloß rausbleiben aus den Wäldern. Das gilt auch für die Forstleute selbst. „Wir können das Ausmaß der Schäden noch nicht einschätzen, da es viel zu gefährlich ist, in die Bestände zu gehen“, sagte Johann Reuter vom Forstamt Bitburg.

Am Morgen rissen die Böen und ein Gewitter wieder reihenweise Bäume um, wie Karl-Heinz Rach, Chef der Straßenmeisterei Prüm zum TV sagte. Nachdem die Männer von der Feuerwehr Auw rund um den Schwarzen Mann die Landesstraße 20 freigeräumt hatten, fielen dort in Richtung Brandscheid erneut Bäume auf die Straße. Man gehe mit dem Forträumen vorsichtig zur Sache, sagte Rach. Es habe keinen Sinn, „wegen der Bäume sein Leben zu riskieren“.

Kurz darauf kam die Ansage von Peter Wind, Chef des Forstamts Prüm: „Die Straße bleibt gesperrt für heute. Wir haben immer noch Sturmböen da oben.“ Also werde man nicht riskieren, dass jemand bei Räumarbeiten erschlagen werde. Auch an der Bundesstraße 265, zeitweise ebenfalls gesperrt, war die Gefahr am Montag noch nicht vorüber. Dort waren zwischen Walcherath und dem Mooshaus ebenfalls Bäume auf die Straße gekracht.

Die Feuerwehr in der Verbandsgemeinde Prüm verzeichnete von Sonntagnachmittag bis Montagmorgen 29 Einsätze. Überwiegend wegen umgestürzter Bäume, sagte Manfred Schuler von der Einsatzzentrale in der Tiergartenstraße. Außerdem verursachte der Sturm Schäden an Strommasten und -leitungen. An einigen Gebäuden entstanden kleinere Schäden an Fassaden und Dächern.

Beschädigte Leitungen, Stromausfälle – die gab es nicht nur im Prümer Land, etwa bei Schönecken, sondern auch in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld, wie Bürgermeister Andreas Kruppert am Montagmorgen mitteilte. Etwa in und um Lünebach, Üttfeld, Sengerich, Herzfeld, Karlshausen, Roscheid und Eschfeld. In Falkenauel kippte noch am Montagmorgen ein Baum auf eine Oberspannungsleitung, RWE-Mitarbeiter arbeiteten mehrere Stunden an der Reparatur.

Auch im Islek, zunächst bei Dasburg und Daleiden, stürzten Bäume auf die Straßen. Bei Lützkampen, sagte VG-Wehrleiter Walter Thibol, sei ebenfalls am Morgen ein Baum auf die Landesstraße 1 gefallen. Insgesamt aber habe man „keine großen Probleme“ zu verzeichnen, sagt Kruppert. „Und keine Verletzungen.“

Aber es war noch nicht vorüber: Kurz darauf meldete sich Thibol wieder, die Landesstraße 10 zwischen Krautscheid und Waxweiler musste ebenfalls gesperrt werden. Auch dort lagen Bäume auf der Fahrbahn. Die Wehrleute hätten zunächst eine umgestürzte Fichte beseitigt, „aber da fallen jetzt mehrere Bäume nacheinander um“. Um 12.55 hieß es: Straße wieder frei.

Auf der A 60 auf der Nimstalbrücke wurde der Anhänger eines Lastwagens von einer Windböe erfasst. „Der Anhänger war offenbar leer und bot keinen Widerstand“, sagte Timo Schwarz von der Polizei Bitburg. Mit einem Kran wurde der Anhänger geborgen. Der Verkehr konnte an der Unfallstelle vorbeigeleitet werden.

Das sah auf etlichen Straßen in der Südeifel und im Bitburger Land anders auf. Zwischen Balesfeld und Waxweiler sowie auch zwischen Idesheim und Idenheim mussten die Straßen zeitweise gesperrt werden, da Bäume umgestürzt waren. „Bei uns waren das aber vorrangig einzelne Bäume, nicht gleich 20, 30 Stück“, sagte Klaus-Peter Dimmer, Wehrleiter im Bitburger Land. Deshalb seien die Schäden meist schnell beseitigt gewesen.

Etwas länger dauerten die Räumarbeiten an der L 6 bei Wallendorf. „Da sind mehrere Bäume ineinander verkeilt“, sagte Reinhold Schneider, Leiter der Master-Straßenmeisterei Bitburg. Seine Mannschaft war den ganzen Tag unterwegs. „An vielen Stellen lagen aber auch nur Äste oder kleinere Bäume auf der Straße.“

Das Problem bei Wallendorf: „Die Straße grenzt an ein Waldstück und da drohen weitere Bäume zu stürzen“, erklärte Schneider. Aus Sicherheitsgründen hätten die Forstleute die Arbeiten eingestellt. Die Straße bleibe voraussichtlich bis Dienstag gesperrt.

Nach Auskunft der Polizei Bitburg blieben jenseits solcher Straßensperrungen aber die Hauptverkehrsadern frei.

Die Gefahr ist aber noch nicht gebannt. „Durch den vielen Regen sind die Böden so aufgeweicht, dass es noch zu weiterem Windwurf kommen kann, auch wenn der Sturm längst nachgelassen hat“, sagte Willi Schlöder, stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur im Eifelkreis.

Wegen der Gefahr durch weiteren Windwurf können die Forstleute auch noch nicht das Ausmaß der Schäden einschätzen. „Es ist viel zu gefährlich, jetzt in die Bestände zu gehen“, sagte Johann Reuter vom Bitburger Forstamt und rät: „Spaziergänger und Sportler sollten dies ebenfalls unbedingt unterlassen.“

Bei aller Gefahr und berechtigter Sorge: Die Schäden sind offenbar nicht so groß wie befürchtet – „unter allem Vorbehalt“, sagte Peter Wind am Montagnachmittag. „Wir müssen jetzt abwarten, dass der Sturm sich legt.“

Dann sollen die Forstleute in die Bestände gehen und sich einen Überblick verschaffen. Fest stehe aber: Anders als bei bisherigen Stürmen „ist es nicht so, dass komplette Waldflächen in Mitleidenschaft gezogen sind“.