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Suche nach Goldmark-Erben in Bitburg

Geschichte : Erste Spuren bei der Suche nach Goldmark-Erben in Bitburg

Gibt es Nachkommen der Roderichs, die Ansprüche auf drei Grundstücke in Bitburg-Erdorf haben? Dieser Frage geht derzeit das Amtsgericht Bitburg nach. Zwei Familienforscher wollen nach unserem ersten Artikel Licht ins Dunkel der Geschichte bringen und das Rätsel um die Goldmark lösen.

Als Richard Schaffner am vierten Februar die Homepage des TV aufruft, ist seine Neugier geweckt. Der Mann aus Kordel liest einen Artikel über eine Erbensuche in der Eifel. Warum sie ihn interessiert? Schaffner ist Familienforscher, 15 Bücher hat der pensionierte Postbeamte zu diesem Thema zusammengestellt. Die meisten von ihnen beschäftigen sich mit dem Mühlenecken, einige aber auch mit dem Neuerburger Land.

Dahin führen die Spuren von Susanne, Maria und Anna Roderich. Ihre Namen finden sich  in einem Familienbuch des Enzstädtchens. Heute sind sie lange tot, wurden sie doch vor mehr als 120 Jahren geboren. Ihre Geschichte ist aber nicht auserzählt. Denn derzeit sucht das Amtsgericht Bitburg nach Nachkommen der Damen. Denn noch immer halten die Roderichs Pfandrechte auf drei Grundstücke im Bitburger Stadtteil Erdorf. Die Hypothek für jedes der Gelände beträgt 1500 Goldmark, was jeweils 14 500 Euro entspricht. Es geht also um viel Geld. Die heutigen Besitzer wollen die Ansprüche löschen lassen. Bis Mai lässt das Amtsgericht möglichen Erben aber noch Zeit, sich zu melden.

„In Neuerburg sind die nicht zu finden“, sagt Schaffner, der dazu in den vergangenen Tagen nachgeforscht hat. Schnell brachte er in Erfahrung, dass jene Neuerburger Roderichs ins Saarland umgezogen waren. Dort tauchten die Namen dann aber nicht mehr auf. Das Familienbuch stellt sich als falsche Fährte heraus.

Ein anderes Werk hat Schaffner aber weitergeholfen: Band drei des Familienbuchs Bitburg. Denn auch hier werden Roderich-Frauen erwähnt – und das passenderweise in Erdorf. Laut Schaffner könnten die Damen die Töcher von Landwirt Johann Roderich sein. Der heiratet 1883 die  jüngere Elisabeth Schillen aus Mötsch. Es ist die zweite Ehe des Bauern, aus der auch Kinder hervorgehen: 1884 wird Susanne geboren, 87 Anna und vier Jahre später Maria. Der Vater wird sie nicht aufwachsen sehen. Fünf Jahre nach der Geburt seiner jüngsten Tochter stirbt er. Elisabeth lebt bis 1941 in Erdorf, ebenso die älteste der Schwestern: Susanne. Ihr Leben endet zehn Jahre später als das der Mutter. Beim Standesamt der Stadt ist vermerkt, dass sie ledig war.

Anna bleibt nicht in der Eifel. Sie zieht an die Saar. Der Tod ereilt sie 1948 noch vor ihrer Schwester in Taben (VG Saarburg-Kell). Maria lebt am Längsten, stirbt 1962 in Trier. Ob Anna und Maria Kinder hatten, kann Schaffner nicht sagen – dafür aber Irmgard Schmitz. Die Ahnenforscherin aus Brecht hat das Familienbuch Bitburg verfasst. Auch bei ihr hat der Artikel offenbar Interesse geweckt. Also schreibt sie eine E-Mail an den TV. Nach ihren Informationen sind alle drei Frauen ledig verstorben, das heißt: höchstwahrscheinlich auch ohne Nachkommen. Schmitz mutmaßt weiter: „Naheliegend, dass sie 1896 ihr Erbteil ausbezahlt bekommen haben“ – womöglich in Form einer Hypothek in Goldmark. Und was ist damit geschen? „Wer zu dieser Zeit ledig starb“, so Schaffner, „hat seinen Besitz nach dem Tod meist der Kirche vermacht.“ Die Suche nach Erben erübrigt sich damit dann also, oder?

Nein, der Fall bleibt weiter ungeklärt. Denn Susanne, Anna und Maria hatten eine weitere, nahe Verwandte: ihre Schwester Regina. Laut dem Familienbuch Bitburg erblickt sie im Herbst 1885 das Licht der Welt. Und sie ist die einzige der vier Frauen, die heiratet. 1908 geht sie eine Ehe mit Johann-Peter Turmann ein. Ob die beiden Kinder also mögliche Erben hatten, ist nicht bekannt. Aber möglich wäre es. Den Namen Turmann jedenfalls gibt es in Erdorf noch. Und einer der Turmanns besitzt heute eines der Grundstücke in der Schulstraße. Hat er es von seiner Ururgroßmutter Regina geerbt? Weitere mögliche Nachkommen haben sich beim Amtsgericht Bitburg jedenfalls noch nicht gemeldet, sagt die Direktorin Claudia Stadler.